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TV-Drama : „Die Rebellin in mir gibt es immer noch“

Sie sind die Ko-Produzentin dieses TV-Dramas. Welche Akzente wollten Sie setzen?

Mir war wichtig, dass Thomas Stiller in der Umsetzung seiner Arbeit in Drehbuch und Regie komplett frei war.

Bis zu einem gewissen Punkt könnte Linda, die Täterin, als jugendliche Rebellin durchgehen. Wie rebellisch war die junge Veronica Ferres?

Ich war durchaus rebellisch, als ich mir die Haare habe kurz schneiden lassen oder rot färbte. Die Studentin Veronica Ferres hat gegen AKWs demonstriert. Die „Rebellin“ in mir gibt es heute noch: Bei kontroversen Projekten wie „Sie hat es verdient“ setze ich mich als Produzentin und Schauspielerin erst recht ein.

Sie selbst haben auch eine Tochter. Welche Rolle spielt dies für ihr Engagement für diesen Film?

Ich glaube generell, dass mein soziales Engagement und die Auswahl meiner Rollen unabhängig von meinem Mutter-Sein steht. Man wirft mir ja oft vor, zu viele Mutterrollen zu spielen. Aber ich lasse mich nicht davon leiten, was man mir vorwirft. Ich gehe den Weg, den ich aufgrund meiner Überzeugungen gehen muss, sehr unbefangen. In diesem Film konnte ich eine Frauen- und Mutterrolle spielen, die einen ganz anderen Weg geht. Das ist nicht das Muttertier, das die Kinder beschützt. Das ist eine Mutter, die in einer Sackgasse des Lebens angekommen ist. Da ist nichts mehr, nur noch Leere und Verzweiflung.

Ihre Aktivität für Kinderhilfsorganisation Power Child haben Sie eingestellt ...

... Nein, ich habe gerade noch einen Benefiz-Krimi für diese Organisation gedreht. Ich habe mich aufgrund einer veränderten privaten Situation hier zurückgezogen. Ich werde in Kürze in Berlin über ein neues ehrenamtliches Engagement sprechen können. Es geht nach wie vor um das Thema Kinder – das am stärksten vernachlässigte, aber auch das wichtigste Thema unserer Gesellschaft.

Über das Engagement von Stephanie zu Guttenberg bei der RTL-Reihe „Tatort Internet“ gab es eine breite Diskussion. Wo sind für Sie die Grenzen des Engagements?

Jeder muss selber entscheiden, wie er sich einsetzt. Jede Form der Hilfe oder des Aufrüttelns ist eine ganz wichtige Arbeit. Und auch was Til Schweiger dort macht, bewundere ich und finde es toll. Ich finde es toll, dass sie überhaupt etwas tun. Es gibt viele, die gar nichts machen, das ist eher schade.

Das NDR-Magazin „Panorama“ und dessen Chefreporter Christoph Lütgert beschäftigen sich sehr intensiv mit Ihrem Lebensgefährten Carsten Maschmeyer. Hätte es einen Unterschied gemacht, wenn „Sie hat es verdient“ nicht vom BR sondern vom NDR in Auftrag gegeben worden wäre?

Ich war sogar noch vor ein paar Wochen beim NDR, weil dort sehr gute Sendungen und Berichte über mein Buch entstanden sind. Mittlerweile hat sich Herr Lütgert auch auf Unternehmer wie Herrn Otto oder Politiker wie Joschka Fischer und Gerhard Schröder eingeschossen. Schröder hat im gleichen Film treffend zu Herrn Lütgert gesagt: Es sei keine qualitative Frage, warum er nicht mit ihm spreche, sondern eine ästhetische.

Trotzdem: wie gehen Sie persönlich damit um?

Ich habe inzwischen mein 25-jähriges Berufsjubiläum hinter mir. Die Gesetzmäßigkeiten in meiner Branche sind keine anderen als zum Beispiel in der Wirtschaft. Wichtig ist, dass man jeden Tag aufs Neue in den Spiegel schauen kann und die Menschen, die mich kennen und mich wertschätzen immer hinter mir stehen. Was ich festgestellt habe: Ob ich jetzt etwas mache oder nicht, alle zwei Jahre habe ich einen Aufreger. Selbst wenn ich gar nichts mache, als meine Filme zu drehen, gibt es immer wieder Gerüchte. Damit lernt es sich irgendwann zu leben.

Das Interview führte Kurt Sagatz.