TV-Talk "Anne Will" zu möglicher GroKo : Wie viele CDUs brauchen wir?

Die Ministerliste der CDU ist da, die SPD wartet noch auf das Votum ihrer Mitglieder zu einer GroKo. Schafft Schwarz-Rot einen Neuanfang? - das fragte Anne Will ihre Gäste.

Anne Will und ihre Gäste
Anne Will und ihre GästeFoto: dpa/NDR/Wolfgang Borrs

Anne Will hatte sich einen netten, parteiübergreifenden Titel für ihre Sendung ausgedacht: "Angeschlagen auf der Zielgerade - gelingt Schwarz-Rot der Neuanfang?" Aber schon die Zusammensetzung ihres Panels signalisierte, dass es eigentlich um eine ganz andere Frage ging: Braucht die CDU einen Neuanfang, welche CDU brauchen wir, was für eine CDU will die Partei denn selbst sein?

Beweis für die These? Die Zusammensetzung der Diskutanten - von fünf Gesprächsteilnehmern widmeten sich drei der CDU-Innensicht: Volker Bouffier, Hessens Ministerpräsident und Chef einer schwarz-grünen Landeskoalition, präsentierte quasi die offizielle Unionslesart (Koalitionsvertrag ein Kompromiss, Stimmung gut); der Theologe Frank Richter aus Sachsen hatte im August 2017 die CDU verlassen, weil er ihr mangelnde Diskussionsfähigkeit vorwarf, und schließlich Andreas Rödder, Professor für neue Geschichte in Mainz, der im vergangenen Jahr in einem Tagesspiegel-Interview konservatives Denken als etwas durch die praktische Vernunft Geprägtes darstellte.

Merkel gleichzeitig schwach und stark

Dagegen dann einsam Olaf Scholz, Hamburgs Erster Bürgermeister und kommissarischer SPD-Vorsitzender, der sich gegen die CDU insoweit abgrenzte, als er noch einmal erklärte, dass seine SPD erst nach dem Mitgliedervotum über die Verteilung der Ministerposten informieren wolle. Genau das hatte die CDU-Vorsitzende ja nun am Sonntagnachmittag ganz anders gemacht, auch als Demonstration, wer die Zügel in der Partei hält.  

Fünfte im Bunde Tina Hassel, Leiterin des Hauptstadtstudios der ARD, die souverän ihre Überparteilichkeit ausspielte: Merkel ist gleichzeitig schwach (weil sie den loyalen und effektiven Hermann Gröhe aus dem Kabinett kippte, nachdem sie schon Thomas de Maizière fallen ließ) und stark, weil sie ihren innerparteilichen Kontrahenten Jens Spahn mit einem Ministerposten in die Kabinettsdisziplin einbindet.

Abwarten, was kommt

Wir lernten an diesem Abend, dass der CDU-abtrünnige Frank Richter das Fehlen einer ostdeutschen Perspektive in der neuen Regierung bemängelte, obwohl auch er nicht erklären konnte oder wollte, wo denn das Bindeglied zwischen dem wirtschaftlich erfolgreichen, aber politisch rechtslastigen Sachsen und dem eher linksgepolten Thüringen liegt.  

Und da war da noch Andreas Rödder, der bereits zitierte Professor für Neuere Geschichte aus Mainz, manchmal etwas beleidigt, der Grenze schützen, Bundeswehr stärken und die deutsche Antwort auf Macron als Themen anmahnte. Jedes für sich berechtigt, aber summarisch eben doch kein Hinweis darauf, wie sich eine CDU orientierten sollte, die Mehrheiten gewinnen will.

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