TV-Talk "Anne Will" zu Volksparteien : Müssen die anderen jetzt so werden wie die Grünen?

Ob die darbenden Volksparteien den Neustart schaffen, wollte Anne Will von ihren Gästen wissen. Der Zuschauer bekam eine Multiperspektive mit dünnem Resultat.

Schaffen die Volksparteien den Neustart? Anne Will diskutiert mit ihren Gästen.
Schaffen die Volksparteien den Neustart? Anne Will diskutiert mit ihren Gästen.Foto: Screenshot von https://daserste.ndr.de/annewill/index.html

Angela Merkel gibt den CDU-Parteivorsitz auf, Horst Seehofer wird als CSU-Chef aufhören, muss da nicht auch Andrea Nahles von der SPD-Spitze zurücktreten? Die Eingangsmomente von „Anne Will“ sollten die SPD-Politikerin wohl ordentlich unter Druck bringen, was aber nicht verfing, als Nahles – im Amt seit April 2018 – verdeutlichte, dass ihre Partei die Vorsitzendenfrage unzweideutig, sprich bis auf Weiteres geklärt hat. Außerdem: Die SPD habe mit den „Shoet Cuts“ bei den Chefs nicht resüssiert,

So gewichtig, so bedeutend Namen und Personalien sein mögen, sie allein reichen nicht aus, die Grundfrage der ARD-Talkshow zu beantworten: „Der Machtverlust – gelingt den Volksparteien ein Neuanfang?“ Der Vielleicht-Vorsitzende der CDU, Friedrich Merz, hat gerade bemerkt, dass die beiden Volksparteien nur noch vier von zehn Wählerstimmen auf sich vereinigen können.

Nahles sagte, der Abgesang auf die Volksparteien käme zu früh, Peter Altmaier, der CDU-Wirtschaftsminister, bekräftigte das Modell, wonach nur Volksparteien Bindekräfte für Stabilität sein könnten. Das wiederum rief Jürgen Trittin, Bundestagsabgeordneter der Bündnisgrünen, auf den Plan, der seinen Blick durch Europa schweifen ließ, wo eine konservative oder sozialdemokratische Partei untergegangen sei.

Die Runde um Anne Will, ergänzt noch um die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch und „Cicero“-Chefredakteur Christoph Schwennicke, war nicht auf wilden Streit oder pure Rechthaberei aus, sie ließ die Gedanken kreisen. Würde ein (wirtschaftsliberaler) CDU-Chef Merz die SPD stärken?

Stimmt die Beobachtung von Ursula Münch für die Christdemokraten, dass die Kandidaten und die Kandidatin Annegret Kramp-Karrenbauer gerade versuchen, sich vom bisherigen Image zu lösen? AKK also artikuliert eine scharfe Asyl- und Flüchtlingspolitik, um nicht länger als „Mini-Merkel“ zu gelten? Stimmt Trittins These, wonach in der CDU nur Positionen und Inhalt diskutiert werden, die der AfD nutzen?

Die Grünen als Modell?

Die Talkshow, angestiftet von einer quicken Moderatorin, schaute in viele Ecken aktueller Parteienpolitik und brachte mit ihrer Multiperspektive den Zuschauer selbst vor die Frage, was denn die Erneuerung einer, seiner Partei ausmachen solle. Kann man sagen, das ist aber ein dünnes Ergebnis von 60 Minuten Gespräch, ist aber ein sehr ehrliches: Es gibt keine Formel, kein So-und-nicht-Anders, es gibt nur verschiedene Möglichkeiten – und die bergen jeweils Vorteile und Nachteile.

„Anne Will“ an diesem Sonntag hatte was vom „Debattencamp“ der SPD. Wird manchem zu wenig gewesen sein, der Politik nach Antritt, Auftritt, Rücktritt verklart haben will. Wird anderen zur Erklärung gereicht haben, warum Politik eine verflixt komplizierte Sache sein kann. Wird den Grünen-Überfliegern zur eigenen Befriedigung gereicht haben, weil ihre Partei einen inneren Kompass gefunden hat.

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