TV-Tragikomödie : Ein Michael-Gwisdek-Fest

„So einfach stirbt man nicht“: Michael Gwisdek weckt als Todgeweihter auf Malle die Lebensgeister seiner Familie.

Nikolaus von Festenberg
Überraschung. Kurt (Michael Gwisdek) zeigt seiner Frau Renate, was er mit seinem Geld vorhat.
Überraschung. Kurt (Michael Gwisdek) zeigt seiner Frau Renate, was er mit seinem Geld vorhat.Foto: dpa

Mag sein, dass das Publikum von ARD und ZDF zunehmend ins Sterbealter rückt. Mag aber auch sein, dass der Tod eines Menschen jene dramaturgische Höhe bringt, von der aus sich die Rätsel des Lebens überblicken lassen.

In die Highlight-Reihe vom Sterben wie „Ein großer Aufbruch“, „Tatort: Anne und der Tod“, „Die Auferstehung“ passt diese Geschichte, die die in Schweden geborene Autorin und Filmemacherin Maria von Heland geschrieben und inszeniert hat. Sie ist nicht ironisch, nicht verzweifelt, nicht skurril, sondern – ja, tatsächlich – am Ende heiter.

Man sieht es gleich, wenn der komatöse Geschäftsmann Kurt Lehmann (Michael Gwisdek) im Krankenbett wider alle Erwartung der Verwandten und der Ärzte die Augen aufschlägt und erst mal nicht stirbt: Er hat noch einiges zu tun. Gwisdek trifft den Ton für diese Szene genau: Kein mitleiderheischender Jammerlappen springt da Hein von der Schippe, sondern ein berlinernder Frechdachs, der endlich – spät, aber nicht zu spät – weiß, was er will. Der manchmal am Rande des Kitsches operierende Film lohnt seinetwegen.

Aufräumen will dieser Kurt. Sich auflehnen gegen Erwartungen seiner Frau Renate (Michaela May) und seiner ans Sterbebett geeilten Töchter Rebecca (Sandra Borgmann), Lotte (Ursula Karven, in den leisen Szenen überzeugend) und Steffi (Anja Schiffel). Rebecca, Kurts Lieblingstochter, hat Jonas (Jude West) mitgebracht, den Sohn eines Freundes, Lotte ihre pubertierende Tochter Jule (Laetitia Adrian), eine Prüfung für die Mitwelt, wie sie nun mal Mädchen und Jungen in diesem Alter sind.

Die Interessen der nach Mallorca herbeigeeilten Verwandten lassen sich auf einen Nenner bringen: Erben wäre schön. Lotte, die Ärztin, könnte sich von ihrem Mann loskaufen. Steffi und Rebecca sind finanziell nicht auf Rosen gebettet, und Mutter Renate rechnet fest mit dem Schwarzgeld, das Kurt im Haus versteckt hat und das sie trotz Gütertrennung zum Bestandteil des Familienvermögens zählt.

Schwelgen in Jugenderinnerungen

Aber Kurt hat seine eigenen Vorstellungen. Während der Zuschauer sieht, wie die Töchter in Jugenderinnerungen schwelgen, die Mutter Angst und Sorge ausstrahlt, beobachten wir einen entschlossenen alten Mann, der seine beträchtliche Barschaft aus dem Versteck heimlich im Haus zusammenrafft und mit dem Knaben Jonas als Gehilfen zu seiner Geliebten Carla Cortez (Natalia Wörner) transportiert, deren Familie ein Hain mit alten Olivenbäumen gehört und den Kurt für 1,5 Millionen Euro, fast sein ganzes Vermögen, erwirbt.

Ist der todgeweihte alte Mann grausam, liebestoll oder konsequent? Alles ist möglich, seit seine Frau am vermeintlichen Sterbebett ihres Mannes ein Geheimnis ausgeplaudert hat, das sie ihr Leben lang gequält hat: Tochter Rebecca, ausgerechnet der Liebling Kurts, ist nicht von ihm, sondern entstammt einem Fehltritt der Mutter. Deren Geliebter ist lange tot, Renate war danach immer treu, Darstellerin Michaela May schaut mit so traurigem Hundeblick ihren Mann an, als hätte sie das schrecklichste Verbrechen der Welt begangen.

Aber als sie von Kurts Geliebter und seinem irrwitzigen Grundstückskauf erfährt, droht sie, in einer Mischung aus Selbstmitleid, Wut und Verzweiflung zu versinken. Aus Schuldgefühl wird Zorn, sie beschließt, sich zu trennen. Nun schildert die Tragikomödie die Geschichte der Familie Lehmann. Die übliche Story vom in den Job geflohenen Vater, der vernachlässigten Frau. Dazu kommen zwei Liebesgeschichten, tragisch die eine, hoffnungsvoller die andere.

Nach dem vorläufigen kommt schließlich der richtige Tod. Aber keine Angst. Ruhe und Anmut ziehen jetzt in die Geschichte ein.

„So einfach stirbt man nicht“, ZDF, Donnerstag, 20 Uhr 15

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