Ungewöhnliche Reise-Reportage mit Steven Gätjen : Wie wir alt werden wollen

Sechs Senioren & ein tragischer Zwischenfall: Auf Weltreise mit ZDF-Moderator Steven Gätjen.

Das erste Mal Kamelreiten. Die Rentner Bernd und Christina in der Wüste nahe Dubai. Alles unter dem Blick von Reiseführer Steven Gätjen.
Das erste Mal Kamelreiten. Die Rentner Bernd und Christina in der Wüste nahe Dubai. Alles unter dem Blick von Reiseführer Steven...Foto: ZDF und Tom Strohmetz

Neulich saß Steven Gätjen bei Bettina Böttinger im „Kölner Treff“. Man kennt den früheren MTV-Moderator ja aus diversen Quizformaten im ZDF. Was sich im Zweiten halt so wegmoderieren lässt, um in seichten Unterhaltungsgewässern Quote zu machen. Spannend wurde der WDR-Talk, als Gätjen, fast mit Tränen in den Augen, über seine jüngste Fernsehproduktion sprach, insbesondere über einen tragischen Zwischenfall und die Art und Weise, wie die Protagonisten, der Sender und er damit umgegangen sind.

Gätjen wollte in dem Reportageformat „Mit 80 Jahren um die Welt“ sechs Senioren die Reiseträume ihres Lebens erfüllen lassen. Einer der Teilnehmer, der 80-jährige Lothar, klagte in Thailand plötzlich über Unwohlsein und sollte nach Hause fliegen. Noch vor dem Rückflug die heftige Diagnose: Lungenentzündung. Während des Krankentransports nach Bangkok verstirbt der gelernte Fliesenleger. Die erste Entscheidung war naheliegend: Abbruch der Produktion. Dann entschied sich der Sender, vor allem aber auch das Team, die Reise fortzusetzen, in Absprache natürlich mit den Angehörigen zu Hause in Deutschland.

Steven Gätjen
Steven GätjenFoto: ZDF und [M] Marcus Höhn, Alpenbl

Eine gute Entscheidung, wenn man das in diesem tragischen Zusammenhang überhaupt so sagen darf. Herausgekommen ist eine derjenigen ZDF-Dokus in der Zeit nach dem „heute-journal“, bei denen man am Bildschirm so reinrutscht, um dann wider Erwarten nicht mehr rauszukommen. Von wegen Rentner-Trip, Zielgruppenfernsehen des Mainzer Senders.

Schon immer wollte er auf einer Rennstrecke Gas geben

Vielleicht liegt es an der Unverstelltheit der TV-Amateure, vielleicht an der unverhofften Empathie des Moderators, sicher auch an den entlegenen Ecken dieser Welt, die hier aufgesucht werden. Indien, Vietnam, die Vereinigten Arabischen Emirate, Südafrika, die Mongolei. Vor allem macht es wohl die Kombination der Erfahrungen an diesen Orten mit persönlichen Lebensgeschichten, die dabei erzählt werden, der unterschiedliche Umgang mit Höhen und Tiefen des Älterwerdens und das Miteinander in der Gruppe aus. Wie eben auch bei dem plötzlichen Abschied vom Mitreisenden Lothar. „Alle Beteiligten waren sich einig, dass diese emotionale und ereignisreiche Reise gezeigt werden sollte, auch im Andenken an den Verstorbenen“, sagen Gätjen und das ZDF.

Die Senioren hatten alle noch keine längeren Reisen unternommen. In jeder der insgesamt sechs Folgen (Folge eins vom Dienstagabend in der ZDF Mediathek) erfüllt sich ein Lebenstraum. Am Mittwoch führt die Reise nach Dubai in die Vereinigten Arabischen Emirate. Hier wird für Bernd ein Herzenswunsch wahr. Der 77-Jährige aus Mülheim an der Ruhr wurde von seinem Motorsport liebenden Vater in Anlehnung an den Rennfahrer Bernd Rosemeyer benannt, der 1938 bei einem Weltrekordversuch verunglückte. Schon immer wollte er auf einer Rennstrecke Gas geben, wie sein Vater.

Reisebegleiter Gätjen ermöglicht es ihm, auf der Rennstrecke in Dubai. Darüber hinaus geht es in eine Stretch-Limousine: Rundfahrt durch die Wüstenmetropole. Neben der Übernachtung im Fünf-Sterne-Wolkenkratzer, Kamelreiten und einer Geländewagen-Tour durch die Sanddünen wird ein Beduinen-Camp besucht, inklusive traditionellem Bauchtanz für die Gruppe.

Das klingt auf den ersten Blick nicht so sonderlich spannend. Flugmeilen abgrasen, das gibt es auch schon in anderen TV-Formaten. Eine betagte Reisegruppe – und trotzdem oder gerade deswegen ist das eine liebenswerte, erfrischende ZDF-Doku im Sommerloch. Und eine Empfehlung für Steven Gätjen, mehr solcher empathischer Reportagegeschichten zu machen. Die Gruppe sei ihm sehr ans Herz gewachsen, man treffe sich auch jetzt noch, lange nach der Produktion, sagt der Moderator/Reiseführer. Es geht um die Frage, wie wir mit alten Menschen umgehen und wie wir selbst alt werden wollen. Dass es sich dabei auch so konkret um Leben und Tod drehen würde, konnte keiner der Beteiligten erwarten.

„Mit 80 Jahren um die Welt“, ZDF, Dienstag, 22 Uhr 45, Mittwoch, 23 Uhr 15, Donnerstag, 23 Uhr, nächste Folgen am 31.7. und 1.8.

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