US-Presse : Vertrauen ist gut, Kontrolle ist viel besser

Aktuelle US-Studie zeigt: Je weniger Lokaljournalismus, desto teurer die öffentliche Verwaltung.

Mal das Internet, mal die Lupe, Recherche ist aufwendig, wenn sie stichfeste Belege liefern will
Mal das Internet, mal die Lupe, Recherche ist aufwendig, wenn sie stichfeste Belege liefern willFoto: dpa

Als Amazon-Gründer Jeff Bezos die „Washington Post“ kaufte, brachte er eine Botschaft mit: „Democracy Dies in Darkness“. In dieser Warnung steckt auch eine Mission: Journalismus muss die Werte von Demokratie und Freiheit verteidigen – und zwar aktiv durch aufklärerische, investigative Berichterstattung.

Ein hehres Ziel und ein Ziel, das in Zeiten der ökonomischen Zeitungskrise schwerer und schwerer zu erreichen ist. In den USA sind zwischen 1996 und 2015 annähernd 300 von 1600 Zeitungstitel vom Markt verschwunden. Ein großer Verlust für die Leser und eine deutliche Schwächung jener Kontrollfunktion, die die Presse ausüben soll.

Die drei Ökonomen Pengjie Gao, Chang Lee und Dermot Murphy untersuchen in ihrer Studie „Financing Dies in Darkness? The Impact of Newspaper Closures on Public Finance“, wie sich das Verschwinden von Tageszeitungen auf die öffentlichen Finanzen auswirkt. Ihre Analyse nimmt jene Landkreise (Counties) in ganz Amerika in den Blick, in denen Lokalzeitungen geschlossen wurden, die (publizistische) Konkurrenz zwischen den verbliebenen Presseverlagen deutlich nachgelassen hat.

Weniger Zeitungen, mehr Verschuldung

Das wesentliche und zunächst mehr abstrakt wirkende Ergebnis ist, dass in den Landkreisen mit schwindender Zeitungsdichte sich die öffentliche Verwaltung teurer verschulden muss, je nach Anleihetyp steigt der Zins im Durchschnitt um 5,5 oder gar 10,6 Basispunkte.

Und das soll mit dem Verschwinden/Sterben von Lokaljournalismus zusammenhängen? Die Autoren verwenden erhebliche Mühe für die Beweisführung ihrer These, als Ökonomen sind sie freilich erkennbar in der Lage, die Stabilität ihrer Argumentation mit signifikanten Zahlen zu untermauern. Wo also der Lokaljournalismus seine Kontrollfunktion nicht mehr ausreichend wahrnehmen kann oder gar nicht mehr wahrnimmt, wächst das Verwaltungspersonal, steigen die Gehälter der Angestellten, klettert die Steuerlast je Einwohner, droht Verschwendung. Zugleich stellen die Autoren fest, dass die Online-Medien kein Substitut für „hochqualifizierten, lokalbasierten, investigativen Journalismus“ sein können. Oder: noch nicht sein können. Vielleicht wird der professionelle Onlinereporter dem erfahrenen Lokaljournalisten zur Seite treten. Die Studie ist skeptisch, die Verwaltung freut sich. Joachim Huber

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