USA : Vertrauen in Printmedien steigt trotz Trumps Tiraden

Der US-Präsident schimpft ständig auf Journalisten, seine Tochter Ivanka hat ihm jetzt widersprochen. Tatsächlich steigt das Vertrauen in Print laut einer Umfrage – bei Demokraten und Republikanern.

Fies. US-Präsident Trump ärgert sich darüber, dass die Medien immer nur schlecht über ihn berichten.
Fies. US-Präsident Trump ärgert sich darüber, dass die Medien immer nur schlecht über ihn berichten.Foto: Leah Millis/Reuters

„Entsetzlich“, „abscheulich“. Mit diesen Worten bezeichnete Donald Trump Journalisten am Donnerstag, als er eine Rede in Pennsylvania hielt. Er beklagte sich darüber, dass Medien seine Erfolge nicht würdigten. Stattdessen würden sie „Geschichten erfinden“. Die Berichterstattung über ihn sei „nur negativ“.

Kurz vor der Tirade hatte seine Tochter Ivanka ihm mit Blick auf die Medien widersprochen. Sie sagte bei einer Veranstaltung des Informationsdienstes „Axios“ in Washington auf die Frage, ob sie Medien wie ihr Vater für „Feinde des Volkes“ halte: „Nein, das tue ich nicht.“

Trump reagierte wie gewohnt mit einer Twitter-Nachricht: „Sie haben meine Tochter Ivanka gefragt, ob die Medien die Feinde des Volkes sind. Sie hat korrekterweise Nein gesagt. Es sind die FAKE NEWS, welche ein großer Teil der Medien sind, die die Feinde des Volkes sind.“ Kritische Berichterstattung über seine Politik, wie sie etwa die vielfach ausgezeichnete „New York Times“ oder die „Washington Post“ betreibt, bezeichnet Trump immer wieder als „Fake News“. Kritische Medien hat er wiederholt „Feinde des Volkes“ genannt.

Die ständigen Attacken auf die Medien – Trump hat den Ausdruck „Fake News“ seit seiner Vereidigung laut "Economist" rund 260 Mal benutzt – scheinen nicht die erwünschte Wirkung zu zeigen. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov hat ergeben, dass das Vertrauen in Printmedien gestiegen ist, bei Demokraten und Republikanern. Die beiden Zeitungen, die von Trump am häufigsten attackiert werden, die „New York Times“ und die „Washington Post“, schneiden besser ab als vor seiner Wahl.

Der "Trump-Bump"

Und auch wirtschaftlich läuft es gut für die Zeitungen – vor allem im Digitalbereich. Die „New York Times“ hat die Zahl der Onlineleser von 2015 bis 2017 mehr als verdoppelt, auf 130 Millionen. Im ersten Quartal 2018 stieg die Zahl der Digitalabonnenten um 25 Prozent im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum. Die Einnahmen über Abos stiegen um 7,5 Prozent. Die „Washington Post“ meldete, dass die Zeitung nun mehr als eine Million Online-Abos habe.

Der Erfolg ist auch Donald Trump zu verdanken. In den USA heißt das Phänomen „Trump-Bump“. Zum einen konsumieren die Amerikaner mehr Nachrichten, weil ihr Präsident regelmäßig mit Skandalen dort vorkommt. Der Erfolg der „New York Times“ und der „Washington Post“ lässt sich darauf zurückführen, dass liberale Leser gerade wegen Trumps Kritik Abonnenten werden.

Auf Vertrauen, Abo- und Leserzahlen mag Trump bisher keinen negativen Einfluss gehabt haben, was nicht bedeutet, dass seine Bemerkungen verhallen. Die Vereinten Nationen kritisierten Trump am Donnerstag für seine Attacken auf die Medien.

„Seine Attacken sind strategisch, sollen das Vertrauen in die Berichterstattung untergraben und Zweifel an überprüfbaren Fakten schüren“, schrieben die Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen und der Interamerikanischen Menschenrechtskommission, David Kayer und Edison Lanza, „Wir sind besonders besorgt, dass diese Angriffe das Risiko erhöhen, dass Journalisten Gewalt ausgesetzt werden.“

Die USA hätten wie alle Staaten die Verpflichtung, die Pressefreiheit zu respektieren. Kayer und Lanza kritisierten auch das US-Justizministerium, das Journalisten anklagen und mithilfe der Spionagegesetze zwingen will, Quellen für vertrauliche Informationen preiszugeben.

Auch der Herausgeber der „New York Times“, A. G. Sulzberger, hatte kritisiert, mit seinen verbalen Angriffen gefährde Trump die Sicherheit von Journalisten. Davor habe er den Präsidenten auch bei einem persönlichen Treffen gewarnt. (mit dpa)

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