Wann Facebook die Neuerungen auch nach Europa bringen will

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Verknüpfung von Online-Werbung und Offline-Kauf : Facebook weiß jetzt auch, was Du kaufst

Facebook wehrt sich gegen die Kritik. Immerhin lösche Datalogix die abgeglichenen Daten sofort, wenn sie den Bericht an Facebook weitergegeben hat. Nur die Anzahl der Personen, die ein Produkt offline gekauft haben, das sie zuvor online bei Facebook gesehen haben, werde übermittelt. Nicht aber detaillierte Angaben über die Personen die ein bestimmtes Produkt gekauft haben. Facebook betont, dass die Daten anonymisiert sind. Das stimmt, doch eine eindeutige Kennung wird für jeden Kunden dennoch angelegt.

Bisher wurde dieses Verfahren nur in den USA getestet. Doch bereits im nächsten Jahr will Datalogix auch nach Europa expandieren. Auch nach Ansicht von Branchenexperten wäre das eine neue Stufe des Online-Marketings. Christian Kohn arbeitet für Zenith Optimedia, ein internationales Unternehmen, das sich darauf spezialisiert hat, Kunden zu beraten, wie sie Werbeetats möglichst effektiv einsetzen. Er sagt, dass die Idee, Online-Werbung und Offline-Kaufverhalten zu verbinden, nicht neu sei. Doch geschehe dies bislang eher im Rahmen von Marktforschungen, „bei denen die beteiligten Personen über den Datenabgleich informiert sind und diesem auch ausdrücklich zugestimmt haben“.

Die Frage, ob europäische Kunden, die vom strengeren europäischen Datenschutzrecht geschützt werden, der Verknüpfung ihrer Daten im Geschäftsmodell von Datalogix explizit zustimmen müssten, wird bei der Einführung in den EU-Ländern eine wichtige Rolle spielen. „Wir sehen die Expansionspläne natürlich mit Sorge“, sagt der Hamburgische Datenschutzbeauftrage Johannes Caspar. „In jedem Fall müssen derartige Geschäftsmodelle den hier geltenden Vorschriften entsprechen.“

„Die Datenschutzbestimmungen in Deutschland sind wesentlich strenger als in den USA“, sagt auch Kohn. „Daher wird ein solches Vorgehen mit wesentlich mehr Transparenz und Einvernehmen einhergehen.“

Facebook hingegen ist der Meinung, dass die Praktiken von Datalogix auch nach europäischem Recht legal seien. Das sagt Sandra Schieke von Apco, der Kommunikationsagentur von Facebook in Deutschland. Facebook versteht die Aufregung um die Kooperation mit Datalogix nicht.

Schließlich handele es sich doch um eine Win-win-Situation. Durch die Werbung sei Facebook schließlich kostenlos. „Wir glauben, dass wir für die Menschen, die unseren Service jeden Tag nutzen, einen Mehrwert schaffen, indem wir ihnen relevante Anzeigen zeigen“, sagt Joey Tyson, bei Facebook verantwortlich für Datenschutzmodelle. Ob die Nutzer von Facebook das genauso sehen, wird sich zeigen.

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