Vor den Präsidentschaftswahlen : Deutsche-Welle-Mitarbeiter in Belarus zu Haft verurteilt

Der Sender protestiert beim Botschafter "in aller Schärfe" gegen die Festnahme und Verurteilung des DW-Reporters Alexander Burakov wegen angeblichen "Rowdytums".

Mit Flashmobs und anderen spontanen Aktionen protestieren die Menschen gegen willkürliche Festnahmen in Belarus vor den Präsidentschaftswahlen am Sonntag.
Mit Flashmobs und anderen spontanen Aktionen protestieren die Menschen gegen willkürliche Festnahmen in Belarus vor den...Foto: REUTERS/Vasily Fedosenko

Nach der Festnahme mehrerer Dutzend Journalisten vor der Präsidentschaftswahl in Belarus ist auch ein Reporter der Deutschen Welle verhaftet und verurteilt worden. Nach Angaben des Senders nahmen Polizisten den freien Reporter Alexander Burakov am Mittwochabend in seiner Heimatstadt Mogiljow fest, rund 200 Kilometer östlich von Minsk. Wie Deutsche-Welle-Intendant Peter Limbourg am Freitag mitteilte, hat ein Gericht den Korrespondenten zu zehn Tagen Haft verurteilt.

Limbourg protestierte beim Botschafter der Republik Belarus (Weißrussland) in Berlin „nachdrücklich und in aller Schärfe“. Die offensichtliche staatliche Willkürmaßnahme missachte in eklatanter Weise die international verbriefte Pressefreiheit, erklärte der Intendant.

Burakov arbeitet der Deutschen Welle zufolge seit Jahren für die russische Redaktion des deutschen Auslandssenders berichtet, sei wegen „Rowdytums“ verurteilt worden. Er müsse die Haft sofort antreten. Der Journalist soll den Berichten zufolge zunächst von Polizisten beschuldigt worden sein illegalen Alkohol in seinem Wagen zu transportieren.

Nachdem sie nichts gefunden hätten, hätten sie ihm vorgehalten, sein seit Jahren auf ihn zugelassener Wagen sei gestohlen. Unmittelbar nach einer kurzzeitigen Freilassung habe er auf den Stufen der Polizeiwache gerufen: „Das ist eine Provokation.“ Daraufhin sei er erneut abgeführt worden. Burakov war laut Sender bereits im Mai zu zehn Tagen Haft verurteilt worden.

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„Mit großer Sorge und erheblicher Irritation“ habe die Deutsche Welle die Nachricht von der Verhaftung Burakovs aufgenommen, schrieb Limbourg an Botschafter Denis Sidorenko. „Die vorgebrachten Gründe für die Inhaftierung sowie seine Verurteilung können nur als fadenscheiniger Vorwand interpretiert werden, um wenige Tage vor den Präsidentschaftswahlen in Belarus kritischen und unabhängigen Journalismus zu verhindern.“

Bisher hat der Sender vergeblich versucht, mit Burakovv Kontakt aufzunehmen. „Wir erwarten, dass man ihn nach rechtsstaatlichen Grundsätzen behandelt“, schrieb Limbourg. Zugleich forderte der Intendant die Regierung in Minsk auf, den Vorgang unverzüglich zu untersuchen.

Im Vorfeld der Wahlen wurden mindestens 40 Medienschaffende festgenommen

Die Journalistenorganisation „Reporter ohne Grenzen“ machte wiederholt auf die Unterdrückung der Medien in Weißrussland vor der am Sonntag beginnenden Präsidentschaftswahl aufmerksam. Demnach sind bislang mindestens 40 Medienschaffende festgenommen worden. Auch die Arbeit ausländischer Medien werde behindert. Präsident Alexander Lukaschenko regiert die frühere Sowjetrepublik autokratisch seit 1994. Auf der Rangliste der Pressefreiheit von „Reporter ohne Grenzen“ rangiert Belarus auf Platz 153 von 180 Staaten. (epd)

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