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WDR-Intendant verteidigt Video-Löschung : "Verstörung aus der Mitte der Gesellschaft"

WDR-Chef Tom Buhrow verteidigt seine Reaktion auf "Umweltsau"-Video vor WDR-Rundfunkrat. Und bekommt Zustimmung.

WDR-Intendant Tom Buhrow (rechts) und Jörg Schönenborn, WDR-Programmdirektor Information, Fiktion und Unterhaltung, sprechen vor der Sitzung des WDR Rundfunkrates miteinander.
WDR-Intendant Tom Buhrow (rechts) und Jörg Schönenborn, WDR-Programmdirektor Information, Fiktion und Unterhaltung, sprechen vor...Foto: dpa

WDR-Intendant Tom Buhrow hat sein Vorgehen in der Kontroverse um das „Umweltsau“-Lied vor dem WDR-Rundfunkrat verteidigt. Die massive Kritik an dem Lied sei nicht mit einer rechten Kampagne allein zu erklären, sagte Buhrow am Freitag in einer Sitzung des Aufsichtsgremiums in Köln. Der Rundfunkrat fasste am Freitag keinen Beschluss zu dem Video.

„Ich kann Ihnen hier versichern, dass die Verstörung über das Video aus der Mitte der Gesellschaft kam“, sagte Buhrow. Es habe da das WDR-Stammpublikum protestiert. Darauf habe er schnell und eindeutig reagieren müssen und habe deshalb um Entschuldigung gebeten. Dazu stehe er nach wie vor. „Etwas kam beim Publikum falsch an, und wir haben es zugegeben.“

Mangelndes Umweltbewusstsein angeprangert

Das Lied des WDR-Kinderchors auf die Melodie von „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ hatte mangelndes Umweltbewusstsein der älteren Generation angeprangert. Es löste seit Ende des vergangenen Jahres eine breite Debatte aus. Das entsprechende Video wurde vom WDR gelöscht. Buhrow wiederum wurde vorgeworfen, er spiele mit seiner Distanzierung rechten Aktivisten in die Hände, die die Empörungswelle im Internet großenteils künstlich erzeugt hätten.

In dem umstrittenen Beitrag, der über Facebook veröffentlicht wurde, singt der WDR-Kinderchor Dortmund das Lied „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ mit einem satirisch veränderten Text und dem Refrain „Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau“. Nach Bekanntwerden des Videos gab es unter anderem Drohungen gegen Journalisten des WDR und Vertreter des Kinderchores. Zudem veranstalteten rechtsgerichtete Gruppierungen Proteste vor WDR-Einrichtungen in Köln und kritisierten dabei auch die finanzielle Unterstützung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks durch die Gebührenzahler.

Kontroverse Debatte im Rundfunkrat

Im Rundfunkrat wurde kontrovers diskutiert. Einige Mitglieder kritisierten die Entscheidung, das „Umweltsau“-Video zu löschen. Es gab aber viel Zustimmung zu Buhrows Entschuldigung. Der Rundfunkratsvorsitzende Andreas Meyer-Lauber sagte, ein großer Teil der rund 3000 Zuschriften, die der Rundfunkrat dazu per Mail und als Briefe erhalten habe, habe bei ihm den Eindruck erweckt, dass es sich um eine Kampagne handele, in der ganz grundsätzliche Kritik am öffentlich-rechtlichen System geäußert werde. Der Rundfunkrat sei ein Aufsichtsgremium, aber „kein Abladeplatz für rechtsextreme Beschimpfungen“.

Die SPD-Politikerin Ingrid Matthäus-Maier bedankte sich bei Buhrow für die Entschuldigung. Das Video sei dazu geeignet gewesen, Alt und Jung auseinanderzudividieren, sagte sie. Es habe dem WDR geschadet. Dem hielt der Grünen-Politiker Oliver Keymis entgegen, es sei falsch gewesen, das Video zu löschen. Es gebe Meinungsfreiheit und es gebe auch die innere Rundfunkfreiheit der Sender. Hörfunkdirektorin Valerie Weber erklärte, das Video sei gelöscht worden, um die Kinder des Chors vor persönlichen Anfeindungen zu schützen.

Die Rundfunkräte verwiesen eine Beschlussvorlage zu dem Video an den Programmausschuss. Darin heißt es, der Rundfunkrat stehe „uneingeschränkt zur Kunst-, Kultur- und inneren Rundfunkfreiheit sowie zur Freiheit der Satire“. Das Gremium respektiere die Entschuldigung des Intendanten als Ausdruck des Bemühens, „der öffentlich geäußerten Kritik aus Sorge um den Zusammenhalt der Generationen Rechnung zu tragen“.

(mit dpa/epd))

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