Weil mit chinesischer Propaganda gefilmt wurde : Die ARD nimmt umstrittene Corona-Doku aus dem Programm

Eine für diesen Montagabend geplante Dokumentation zu Wuhan, Chinas Corona-Epizentrum, zeigt die ARD nun doch nicht. Es gebe ein „Rechteproblem“.

Ein Student in Wuhan hat im Juni seinen Abschluss gemacht.
Ein Student in Wuhan hat im Juni seinen Abschluss gemacht.Foto: AFP

Die ARD wird eine für Montagabend im Ersten geplante umstrittene Corona-Doku aus Wuhan doch nicht ausstrahlen. Als Grund gibt der Sender an, dass die beauftragte Produktionsfirma dem zuständigen SWR "nicht die erforderlichen Rechte am verwendeten Filmmaterial" des China Intercontinental Communication Center (CICC) einräumen könne.

In der Senderankündigung war von "exklusiven Interviews mit Epidemiologen aus China, die der Zentralregierung zum Lockdown geraten haben", die Rede. Wie herausgekommen ist, hatte die ARD aber gar kein eigenes Kamerateams vor Ort, das wäre zu Corona-Zeiten wohl sowieso unmöglich gewesen.

Dafür nahm man Filmmaterial des China Intercontinental Communication Center (CICC) in Anspruch, die zum Informationsbüro des chinesischen Staatsrats gehört, also Material aus dem Propaganda-Apparat Chinas, worüber zuerst die "Süddeutsche Zeitung" berichtete. Trotz Kritik hielt der SWR zunächst an der geplanten Ausstrahlung fest. Nun der Rückzieher.

In dem Bericht wurde kritisiert, dass die private Gebrüder Beetz Filmproduktion, die den Film im Auftrag des SWR produzierte, dafür Filmmaterial des CICC verwendete. Das Center ist keine unabhängige Quelle. Der SWR hatte das Vorgehen verteidigt. Man sei sich der sehr sensiblen Materiallage bewusst und habe sich daher mit dem Produzenten auf ein äußerst gründliches Absichern aller Informationen verständigt, das über den üblichen Rechercherahmen hinausgehe, hatte die Rundfunkanstalt erklärt.
Innerhalb der ARD-Anstalten hätte das Vorgehen diese Woche für erhebliche Diskussionen gesorgt, wie laut "SZ" mehrere Mitarbeiter berichten. Es sei die Rede von einer „totalen Katastrophe“ und einem „Desaster“ für den Sender gewesen.

Der SWR begründete den Schritt mit einem kurzfristigen Rechteproblem. In der Mitteilung hieß es: „Wie der SWR erst am gestrigen Sonntag erfahren hat, kann die beauftragte Produktionsfirma dem SWR nicht die erforderlichen Rechte am verwendeten Filmmaterial des China Intercontinental Communication Center (CICC) einräumen. Damit fehlt eine Grundvoraussetzung für die beim SWR gültigen journalistischen Standards für das Verwenden von fremdem Rohmaterial.“ Weil eine einvernehmliche und für den Sender akzeptable Rechteklärung nicht erreichbar erscheint, „plant der SWR derzeit keine Ausstrahlung“. mit dpa

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