WM 2018: Von Tor zu Tor : Früher hieß die Stadt Stalingrad

Bei Fußball-Kommentatoren gibt es regelrechte Bashing-Klubs. Einen Mann wollen wir da jetzt mal aus dem Visier nehmen.

Gut gemacht: WM-Reporter Steffen Simon
Gut genacht: WM-Reporter Steffen SimonFoto: WDR/Herby Sachs

Eigentlich ja schon wieder spannend, was diesmal als der ganz große Brüller gilt. Dieser Satz vielleicht: „Die Adler von Karthago kommen schon bei einem Unentschieden ins Fliegen hier.“? Oder dieser Spruch von Steffen Simon: „Die Engländer stehen beim Anstoß und freuen sich auf den Anpfiff, weil sie dann den vielen Mücken davon rennen dürfen.“? Irgendetwas werden sie schon finden, die Mitglieder des Steffen-Simon-Bashing-Klubs. Ist ja ein überaus beliebtes Ritual, den ARD-Kommentator (auch ein ZDF-Kollege bekommt viel ab und hier) verbal weg zu grätschen. Am Montagabend konnten sie verbal mal wieder mit gestreckten Füßen gegen ihn treten. Simon saß beim Spiel Tunesien - England am Mikrofon.

Nur ist das Simon-Bashing inzwischen auch so langweilig. Vor allem, weil die Kritiker sich längst nur noch an ihrer Häme berauschen. Und weil sie sich so toll finden in ihren Kommentaren, bekommen sie das tatsächliche Geschehen natürlich nicht mit. Gut, die Nummer mit den fliegenden Adlern von Karthago – Simon meinte die Tunesier - die hat natürlich etwas. Bei diesem Sprachbild haben die Adler eher eine Bruchlandung hingelegt. Na und? Ein verunglückter Satz in 90 Minuten? Für TV-Verhältnisse ist das eigentlich eine verdammt gute Quote.

Ansonsten nämlich hat Simon souverän kommentiert. Keine Wortgirlanden, keine hysterisches Getue, keine Überdosis an Informationen. Simon hat sogar, was für eine Sternstunde, fast zehn Sekunden lang den Mund gehalten. Es hat Bilder sprechen lassen. Und auch der kurze, historische Rückblick auf die Geschichte Wolgograds war passend. Früher hieß die Stadt Stalingrad. Und für Leute, bei denen es bei diesem Stichwort nicht klingelt, hat Simon in zwei, drei Sätzen die Schreckensgeschichte dieser Stadt erzählt. Wahrlich kein Fehler.

Tunesien verlor am Ende 1:2, die Adler von Karthago mussten landen. Das Einzige, was beim Abpfiff in der Luft schwirrte, waren die Mücken.

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