WM 2018: Von Tor zu Tor : Was würde Mike Grabow über Neymar sagen?

Vergesst Hitzlsperger, Kahn & Co.: Ein WM-Experte hat es unserem Kolumnisten besonders angetan.

Neymar jubelt, auf dem Rücken von Paulinho.
Neymar jubelt, auf dem Rücken von Paulinho.Foto: AFP

 

Ein Wegmoderierer nebst Ex-Profi im Studiogespräch, ein Trainer vor der Analysewand, ein Schauspiel-Sternchen mit landeskundlichen Einspielern: Die Spieltage fließen dahin, WM-Übertragungen der Öffentlich-Rechtlichen sind austauschbar geworden – und erwartbar, wenn man mal von den Spielen absieht. Die Perlen finden wir im Netz. So wie Mike Grabow von der SG Prenzlauer Berg. „Genau dafür isser ja da, dieses Ballgefühl, was er hat“, schwärmt er noch Tage später vom Kroos-Freistoß. „Was heißt Experte? Es gibt auch Kreisligatrainer, die gute Ansätze haben.“

 

„Mikes WM“ heißt das schöne Format bei „Zeit Online“, in dem Grabow – Trainingsjacke, Kappe, an die Pommesbude gelehnt – Taktik analysiert, Spieler kritisiert und Aufstellungen diktiert, auf der Website und bei Facebook. Leider dreht es sich nur um die deutsche Mannschaft und ist deshalb nicht über die Vorrunde hinausgekommen. Deshalb bleibt offen: Was würde Mike Grabow über Neymar sagen? Doch bei der „Zeit“ haben sie sich noch mehr einfallen lassen: Die U9-Kinder von Türkiyemspor erklären Fußballbegriffe wie Schwalbe, Wechseln und Tiki-Taka, ein Musikwissenschaftler zerlegt die russische Nationalhymne.

 

Besonders unmittelbar kommen die Online-Videos daher, wenn die sonst schreibenden WM-Reporter ihre Einschätzungen ins Mikro sprechen. Michael Horeni von der „F.A.Z.“ fachsimpelt vor schwankender Kamera auf hölzernem Pier, Peter Ahrens von „Spiegel Online“ versucht in der Kolumne „Prawda am Morgen“ noch etwas wuschig die frische Niederlage zu verdauen, Oliver Fritsch von „Zeit Online“ stellt uns Gotteshäuser in Kasan vor. Das hat den Charme des frühen Privatfernsehens, die Schnittbilder jubelnder Fans aus Agenturmaterial, das zum Auffüllen der Clips verwendet wird, wären da gar nicht mehr nötig. Größtes Manko aber: Von diesen Beiträgen gibt es einfach zu wenige.

 

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