WM 2018: Von Tor zu Tor : WM im Urlaub

Bestens erholt: Unser Kolumnist hat sich mit spanischer medialer Hilfe die Vorfreude aufs WM-Viertelfinale nicht verderben lassen.

Til Knipper
WM-Fußball gucken auf Mallorca.
WM-Fußball gucken auf Mallorca.Foto: AFP

Gut die erste Hälfte der Weltmeisterschaft habe ich diesmal in einem kleinen Steinhaus in einem mallorquinischen Bergdorf verbracht, ohne Fernseher, ohne Wlan. Als Anhänger des FC Bayern habe ich aber schon in der Champions League gute Erfahrungen damit gemacht, mir das Angucken von Vorrundenspielen bei internationalen Fußballwettbewerben weitestgehend zu ersparen.


Zur WM-Grundversorgung mussten auf Mallorca daher das Studium spanischer Sportzeitungen und sporadische abendliche, den Familienfrieden wahrende Besuche in der Kneipe auf der kleinen Plaça des Dorfes genügen.
Die spanischen Sportgazetten wie „Marca“, „Sport“, oder „El Mundo Deportivo“ kann man nur für dafür loben, dass sie sich schon lange und mit bemerkenswerter Konsequenz von jedwedem auch nur ansatzweise objektiven Sportjournalismus verabschiedet haben. Das schmälert mitunter den Informationsgehalt, wird aber durch den stark erhöhten Unterhaltungsfaktor mühelos kompensiert. Da können sich die vielen humorfreien Hofberichterstatter von „Die Mannschaft“ aus Print, Funk und Fernsehen gern mal ein Beispiel dran nehmen.


Die Moderatoren des spanische Fernsehens haben auch ihren ganz eigenen Charme. Anders als ihre deutschen Kollegen neigen sie selbst bei Spielen der eigenen Mannschaft nicht zu übertriebenen Gefühlsausbrüchen. Das minutenlange „Goooool“-Gebrüll überlassen sie den südamerikanischen Kollegen, und da sie wirklich nur das Nötigste sagen, hört sich ein erfolgreicher Angriff des spanischen Teams ungefähr so an: „Ramos, Busquets, spielt zu Iniesta, weiter zu Isco, er flankt, Costa, Tor.“ Alles vorgetragen in einer Tonlage.

Völlig entspannt und bestens erholt gehe ich so jetzt in die entscheidende Phase des Turniers, die ich mir von Béla Réthy, Steffen Simon & Co. bestimmt nicht verderben lasse.

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