WM-Trainingslager : Reporter kritisieren Medienarbeit des DFB in Eppan

Exklusives aus Eppan? Keine Nachfragen erlaubt, Spieler nicht erreichbar: Die Medienarbeit des DFB im WM-Trainingslager in Südtirol steht in der Kritik.

300 Journalisten wollen nur das eine: Einzelgespräche, auch mit Fußball-Nationalspieler Julian Brandt, wie hier beim Medientag des DFB in Südtirol.
Fußball-Nationalspieler Julian Brandt beim Medientag des DFB in SüdtirolFoto: imago/Revierfoto

Eppan an der Südtiroler Weinstraße, ein Trainingsplatz mit den 23 wichtigsten deutschen Fußballspielern derzeit, ein Medienzelt für die Journalisten mit ausreichend Parkraum direkt daneben – das sind im Grunde hervorragende Arbeitsbedingungen, um daheim auf die Fußball-WM einzustimmen. Doch die Reporter-Klagen über restriktive Arbeitsbedingungen seitens des DFB häufen sich. Jüngste Beispiele: Mesut Özil und Ilkay Gündogan standen den Journalisten beim Medientag am Dienstag gar nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung.

Dabei gab es bei den beiden Spielern nach den heftigen Reaktionen auf ihr Treffen mit dem türkischen Präsidenten Erdogan Fragebedarf. „Wir zwingen keinen Spieler zum Interview und respektieren und tolerieren seine Entscheidung, dass zu dem Thema, dem Treffen mit Erdogan, alles gesagt ist“, sagt DFB-Sprecher Jens Grittner zum Fall Özil. Dieser habe sich erklärt, der DFB-Spitze, der sportlichen Leitung, sogar dem Bundespräsidenten gegenüber.

Gündogan stand am Medientag nur ARD, ZDF sowie den Agenturen sid und dpa zur Verfügung, zig Medienanfragen (Print, TV, Online-Portale) blieben unberücksichtigt. „Jedem Einzelnen konnte Ilkay Gündogan im Rahmen des Medientags gar nicht gerecht werden“, verteidigt sich der DFB. „Es war aus unserer Sicht ein guter Weg, das Gespräch mit den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF sowie den beiden Nachrichtenagenturen zu führen, über die im Prinzip alle Zeitungen versorgt werden.“

„Das mit Löw war ein Sonderfall“

Das klingt zunächst plausibel, aber hört man sich unter den Sportreportern vor Ort um, bleibt schon das Gefühl, die Medientür des DFB sei ein Stück weit zu- gegangen, in den vergangenen Jahren, trotz täglicher Pressekonferenz in Eppan. Der Zugriff auf seine Spieler scheine dem Verband – auch im Strudel von Spielerberatern und Social-Media-Kanälen – etwas abhandengekommen zu sein.

Der DFB verweist darauf, dass es bei großen Fußballnationen wie Frankreich und Spanien mit den Medien viel restriktiver zugehe. Natürlich wisse der DFB um die Wünsche der Kollegen und habe Verständnis, dass jeder etwas Exklusives für seine Zeitung, seinen Sender mitbringen möchte, sagt Grittner. Allein für das Trainingslager haben sich über 200 Medienvertreter akkreditiert, aus Deutschland, China, England, Frankreich, Österreich, Italien.

„In Russland werden täglich bis zu 300 nationale und internationale Journalisten aus unserem Medienzentrum in Vatutinki berichten.“ Es sei nicht zu schaffen, jeden einzelnen und exklusiven Wunsch zu erfüllen. Daraus ergeben sich natürlich auch Unzufriedenheiten.

Oder Missverständnisse. Am Montag verlas Joachim Löw im Medienzelt seinen finalen 23er-Kader, mit der Überraschung, dass Leroy Sané nicht nominiert wurde. Es wurden keine Nachfragen der Journalisten zugelassen. „Das war ein Sonderfall“, sagt der DFB-Sprecher. „Wir hätten auch entscheiden können, eine Pressemitteilung zu versenden, wie üblich bei Nominierungen. Man sollte dem Bundestrainer zugestehen, dass er nicht jede einzelne Personalentscheidung kommentiert.“

Die Journalisten vor Ort wiederum hatten das Gefühl, dass Löw durchaus gerne mehr zu seinen Entscheidungen gesagt hätte. Vielleicht sollte man beim DFB stets so locker bleiben wie Toni Kroos. Der blüht plaudermäßig gerade jeden Montagabend auf, wenn er bei Klaas Heufer-Umlaufs „Late Night Berlin“ zugeschaltet ist.

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