ZDF-Krimi : Mönch und Mafia

Weniger komisch als zuvor, dennoch gelungen: Der fünfte Film der Reihe „Die Toten von Salzburg“.

Tilmann P. Gangloff
Peter Palfinger (Florian Teichtmeister) sucht nach Hinweisen im Tresorraum der Salzburger Landesbank, als er durch einen Anruf von Irene Russmeyers (Fanny Krausz) Schussverletzung erfährt.
Peter Palfinger (Florian Teichtmeister) sucht nach Hinweisen im Tresorraum der Salzburger Landesbank, als er durch einen Anruf von...Foto: ZDF und Stefan Zauner

Als die Reihe „Die Toten von Salzburg“ vor vier Jahren startete, waren die ersten Filme fast mehr Komödie als Krimi. Sie lebten vor allem von den verschiedenen Temperamenten der beiden Hauptfiguren: Der Salzburger Major Peter Palfinger (Florian Teichtmeister) sitzt seit einem Gleitschirmunfall im Rollstuhl und neigt zu einem gewissen Sarkasmus; der Traunsteiner Kriminalhauptkommissar Hubert Mur (Michael Fitz) ist das Musterexemplar eines bayerischen Grantlers. Die beiden Männer verband eine herzliche Abneigung, zumal sie sich ständig darum stritten, in wessen Zuständigkeit die grenzüberschreitenden Mordfälle lagen.


Zum Glück hat Regisseur Erhard Riedlsperger nicht den Fehler begangen, jeden Film aufs Neue rund um dieses Kompetenzgerangel zu erzählen. Die Polizisten entwickelten im Verlauf ihrer gemeinsamen Ermittlungen einen gewissen Respekt voreinander. Mit der dritten Episode („Königsmord“) schien sich die Reihe endgültig Richtung Schmunzelkrimi zu bewegen, aber im vierten Film („Mordwasser“) hat Riedlsperger die komischen Momente deutlich reduziert.

Das gilt auch für „Wolf im Schafspelz“. Zuschauer, die das mürrische Mit- und Gegeneinander der Polizisten als amüsantes ZDF-Pendant zum „Tatort“ aus Münster begrüßt haben, könnten womöglich enttäuscht sein.


Die Geschichte klingt gleichfalls handelsüblich: Nach der Ermordung eines Kapuzinermönchs stellt sich raus, dass Bruder Jakob in Wirklichkeit ein deutscher Investment-Berater war, der Mafia-Geld veruntreut hat. Er ist zwecks Zeugenschutz inkognito im Salzburger Kloster untergetaucht und kurz vor Prozessbeginn gegen den Mafia-Repräsentanten Sturm (Nicki von Tempelhoff ) umgebracht worden.

Für Mur ist die Sache klar: Die organisierte Kriminalität hat sich gerächt. Zuvor ist bereits die engste Mitarbeiterin von „Bruder Jakob“ ermordet worden; sie war die Tochter von Murs Mentor und einstigem Ausbilder Wacker (Max Herbrechter). Der Kommissar ist überzeugt, dass Sturm die junge Frau auf dem Gewissen hat, aber er konnte ihm nichts nachweisen.

Peter will, kann aber nicht


Die Geschichte hätte sich gut als Thriller verfilmen lassen, aber darauf hat Riedlsperger verzichtet und stattdessen dank einiger heiterer Abschweifungen einen reizvollen Mittelweg gefunden. Die Gespräche der Brüder Palfinger drehten sich bislang gern um die Libido: Peter will, kann aber nicht.

Sebastian (Simon Hatzl) ist katholischer Priester; er könnte zwar, darf und will aber nicht. Autor Stefan Brunner hat diese Vorzeichen nun radikal geändert: Dank des liebevollen Engagements seiner Ärztin (Anna Unterberger) kann Peter wieder, und auch Sebastian hat sich offenbar nicht an den Zölibat gehalten; zumindest behauptet eine Frau, er habe sie geschwängert.


Diese Nebenebene hat ihren Anteil daran, dass „Wolf im Schafspelz“ ein rundum gelungener Krimi ist („Die Toten von Salzburg: Wolf im Schafspelz“, Mittwoch, ZDF, 20 Uhr 15). Das hat sicher auch mit der Eingespieltheit der Teams vor und hinter der Kamera zu tun . Kai Longolius (Bildgestaltung) hat in einigen Szenen für ein überirdisch strahlendes Licht gesorgt und die brüderlichen Zwiegespräche auf einem Dach für imposante Aufnahmen vom nächtlichen Salzburg genutzt.


Die kleinen Eitelkeiten von Palfingers Chef erwecken nie den Eindruck, als seien sie bloß ein Vorwand, weil Erwin Steinhauer auch irgendwie mitwirken muss. Teichtmeister und Fitz machen dank der Gegensätze von Figuren und Darsteller als Duo ohnehin großen Spaß, zumal sie ein ähnlich sparsames Spiel pflegen; und typische Informationsdialoge klingen gleich viel weniger aufgesetzt, wenn sie im Dialekt vorgetragen werden. So stört es auch nicht, dass routinierte Krimi-Fans früh ahnen werden, wer der Mörder ist.

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