Zu meinem ÄRGER : Gerade das Kommunale berührt jeden

Kommunalpolitik hat oft mehr Einfluss auf die Menschen als die große Politik, sagt RTL-Moderator Maurice Gajda und lobt eine besondere Reportage des RBB.

Maurice Gajda gehört seit Anfang Juni zum Moderatorenteam der RTL-Sendung „Guten Morgen Deutschland“.
Maurice Gajda gehört seit Anfang Juni zum Moderatorenteam der RTL-Sendung „Guten Morgen Deutschland“.Foto: RTL

Herr Gajda, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien geärgert?

Ich finde es außerordentlich wichtig, dass die Gefahr rechtsradikaler Gewalt in den Medien thematisiert wird. Für mich ist das Erstarken rechtsradikaler Gewalt ein Thema, dass immer aktuell war. Ich bin in Magdeburg, der sachsen-anhaltinischen Landeshauptstadt, aufgewachsen und wurde oft mit Rechtsradikalismus und einer sich nach außen verschließenden Gesellschaft konfrontiert. Mich ärgert, dass einige Medien die demokratiefeindlichen Gefahren, die von Rechtsaußen ausgehen, erst wieder nach dem Mord an Walter Lübcke, dem Geständnis des Täters, der Festnahme zweier mutmaßlicher Tathelfer und der Beinahe-Wahl eines AfD-Bürgermeisters in Görlitz stärker beachten. Rechtsradikalismus ist ein so großes Problem, dass es dauerhaft in den Fokus gehört.

Worüber haben Sie sich gefreut?

Täglich lese ich Berichte über die politische Großwetterlage, doch es ist gerade das Kommunale, was jeden konkret in seiner Stadt berührt. Kommunalpolitik hat oftmals viel mehr Einfluss auf uns, als die große Politik in Berlin. Ich habe mich darum über eine Geschichte im RBB gefreut, die zwei junge Neu-Abgeordnete in der Stadtverordnetenversammlung in Brandenburg an der Havel porträtiert hat. Johanna Siegemund stellt in ihrem Bericht die zwei jüngsten neuen Abgeordneten Zoi Müller und Robert Schönnagel vor, die einen Kampf gegen die Alteingesessenen führen müssen. Dieser Kampf ist schwerer als erwartet. Besonders gefallen an der Geschichte hat mir auch die Aufbereitung als Videobeitrag, Radiosendung und Onlineartikel.

Welche Webseite können Sie empfehlen?

Der Austausch der politischen Lager in den USA wird immer schwieriger. Ob Republikaner oder Demokrat ist inzwischen ein Scheidungsgrund. Den nahezu verfeindeten Lagern fehlt die Möglichkeit einander zuzuhören und zu verstehen. Mitschuld an dieser schwierigen Situation sind reichweitenstarke Medien wie TV-Kanäle und Online-Medien, die sich jeweils einem Lager gegenüber verpflichtet fühlen. Hier kommt die spendenfinanzierte Redaktion von „Democracy Now“ der Aufgabe einer neutralen Berichterstattung nach. Das 1996 von Amy Goodman gegründete Magazin sendet täglich 60 Minuten Live aus New York und widmet sich einer objektiven Medienarbeit, wie man sie nur schwer in den USA findet. Das 50-köpfige Team ist finanziell und politisch komplett unabhängig und leistet eine beeindruckende Arbeit, die ich mir selbst schon vor Ort in den New Yorker Redaktionsräumen ansehen durfte. Neben der Ausstrahlung auf US-amerikanischen TV-Stationen und im Netz, kann man das werktägliche Magazin auch auf einigen deutschen Lokalsendern sehen, wie zum Beispiel auf Alex in Berlin. Eine tolle Arbeit, die mehr beachtet werden sollte.

Maurice Gajda gehört seit Anfang Juni zum Moderatorenteam der RTL-Sendung „Guten Morgen Deutschland“.

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