Zu meinem Ärger : Journalismus als Dialog

Sehr aufschlussreich: Diskussionen zwischen Journalisten und ihrem Publikum und der Umgang der ARD mit Anti-AfD-Aufklebern. Alexander von Streit blickt auf die Medienwoche zurück.

Alexander von Streit ist Herausgeber des Online-Magazins krautreporter.de und Gründer des Journalismus-Thinktanks „Vocer“.
Alexander von Streit ist Herausgeber des Online-Magazins krautreporter.de und Gründer des Journalismus-Thinktanks „Vocer“.Foto: Foto: Promo

Herr von Streit, worüber haben Sie sich in den Medien in dieser Woche am meisten geärgert?

Die vergangenen Tage haben leider gezeigt, wie wenig politische Realität die ARD in ihren fiktionalen Produktionen verträgt. In einer kürzlich ausgestrahlten Folge von „Polizeiruf 110“ waren im Büro einer links eingestellten LKA-Mitarbeiterin auch ein paar Aufkleber aus dem linken Spektrum zu sehen und einer davon richtete sich gegen die AfD. Inzwischen ist der weg, die ARD hat den Film für die nachträgliche Online-Veröffentlichung allen Ernstes retuschiert. Vorher hatten sich sowohl die AfD als auch die Junge Union darüber beschwert. Etwas mehr Souveränität würde den Programmverantwortlichen sicherlich nicht schaden.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Ich war in dieser Woche zu Besuch beim Piqd-Salon in München, das ist eine Veranstaltung, die Journalismus auf die Bühne bringt. Autorinnen und Autoren erzählen dort Hintergründe über Geschichten, die sie veröffentlicht haben – und diskutieren darüber mit den Besuchern. Dabei ging es unter anderem um die Enthüllungen des Cum-Ex-Skandals und um die Frage, wie Europas extreme Rechte die Medien gleichschalten will. Solche Live-Veranstaltungen sind nicht nur sehr aufschlussreich und unterhaltsam. Sie machen Journalismus vor allem auch zu dem, was er inzwischen sein sollte: ein Dialog, keine Sendung.

Welche Webseite können Sie empfehlen?

Das investigative Projekt MedWatch (medwatch.de) beschäftigt sich mit Grauzonen im Bereich der Gesundheitsinformationen im Netz. Es unterstützt uns alle dabei, verlässliche Inhalte von Scharlatanerie zu unterscheiden.

Alexander von Streit ist Herausgeber des Online-Magazins krautreporter.de und Gründer des Journalismus-Thinktanks „Vocer“.

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