Zu meinem ÄRGER : Merkwürdiges Marketing

Von einem Ratespiel zum nächsten für eine bessere Quote bei der nächsten Radio MA - muss das sein?, fragt Helmut Hartung, Chefredakteur von Medienpolitik.net.

Helmut Hartung ist Chefredakteur des Blogs Medienpolitik.net.
Helmut Hartung ist Chefredakteur des Blogs Medienpolitik.net.Foto: Privat

Helmut Hartung ist Chefredakteur des Blogs Medienpolitik.net. Herr Hartung, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien geärgert?

Das Radioprogramm MDR Thüringen verwöhnt seine Hörer seit Anfang des Jahres mit Fernreisen. Wer eine bestimmte Melodie rät, kann einen Urlaub in China, Paris, New York oder auf Kuba gewinnen. Immer wieder wird die Melodie vorgespielt und die Moderatoren animieren laufend zum Mitraten. Der Gewinn einer Reise wird mehrfach gewürdigt. Natürlich mit Jubelschreien der Triumphatoren und Radioentertainer.

Ich habe ja Verständnis dafür, dass auch ein öffentlich-rechtlicher Sender, wenn eine Reichweitenbefragung ansteht, um die Gunst seiner Hörer buhlen muss. Aber zum einen sollten Ratespiele nicht der wichtigste Programmpunkt sein und zum anderen würde mich interessieren, wer diese Reisen sponsert. Der Mitteldeutsche Rundfunk wird doch wohl seine Fans nicht mit meinen Beitragsgeldern auf Weltreise schicken?

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?
Seit Monaten sendet der RBB zur besten Sendezeit, samstags um 20 Uhr 15, eine wahre TV-Perle – „Berlin – Schicksalsjahre einer Stadt“. Eine Stadtchronik der Superlative: Ein halbes Jahrhundert, von 1961, dem Jahr des Mauerbaus, bis 2009. Jedes Jahr in 90 Minuten. In dieser Woche werden mit dem Jahr 1999 die neunziger Jahre vollendet.

Die fünfte Staffel läuft ab April. Es wird die Entwicklung im Osten und Westen der geteilten und dann wiedervereinten Stadt gezeigt, es kommen Zeitzeugen zu Wort, Prominente sowie Otto-Normal-Berliner. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk im besten Sinn. Diese Dokumentation sollte an allen Berliner Schulen Bestandteil des Unterrichts werden.

Welches Internetangebot können Sie empfehlen?
Meine Wahl fällt, ohne lange nachzudenken, auf www.zdf.de/kultur. Vor einem Jahr gestartet, ist hier unter dem Dach von ZDFkultur ein Best-of der Kultursendungen von ZDF und 3sat plus eigener Formate nutzerfreundlich vereint. Zum Angebot dieser Kulturplattform gehören auch eine digitale Kunsthalle, gegenwärtig mit Werken aus dem Kulturhistorischen Museum in Magdeburg, eine interaktive Präsentation von Meisterwerken der Malerei und ein „Bücherratgeber“, ausgewählt und vorgestellt von Literaturexperten.

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