Zu meinem ÄRGER : Muttertag als Söhnchentag

Christoph Singelnstein ärgert sich über Männer im Klischee und freut sich über Zeitungen, die sich gegen die AfD solidarisieren

Christoph Singelnstein
Christoph Singelnstein ist Chefredakteur des Rundfunks Berlin-Brandenburg.
Christoph Singelnstein ist Chefredakteur des Rundfunks Berlin-Brandenburg.Foto: rbb

Herr Singelnstein, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Über die anschwellende Aufregung über die Datenschutzgrundverordnung, die nächste Woche wirksam wird. Zu realitätsfern, zu bürokratisch, zu teuer, zu streng – die Liste an Kritikpunkten ist lang. Aber: Die Verordnung kommt ja nicht plötzlich über uns - im Gegenteil, dass sie ab Mai 2018 angewendet wird, ist seit zwei Jahren bekannt. Der Vorlauf war sogar noch erheblich länger. Trotz Bundestagswahl und schwieriger Regierungsbildung genug Zeit für den Gesetzgeber, um alle Vorkehrungen zu treffen. Stattdessen passiert lange wenig bis nichts und kurz vor knapp ist die Aufregung dann groß.

Und über die „B.Z.“ vom Sonntag – dem Muttertag. Dort „verrieten“ Berliner Männer auf einer ganzen Seite, was ihre Freundinnen von ihren Müttern noch lernen können. Die Beispiele waren haarsträubend, von Palatschinken über Bügeln und Schweinebraten bis hin zu „Menschen manipulieren“. Nun kann man von erfahrenen Menschen immer etwas lernen und wer kennt nicht das Gefühl, dass Mutters Kuchen der beste war. Die massive Aneinanderreihung solcherlei Klischees finde ich mindestens altmodisch.

Solidarisch gegen AfD

Gab es auch etwas, über das Sie sich freuen konnten?
Ich habe mich über die Solidarisierung einer Lokalzeitung in Bayern mit der „Süddeutschen Zeitung“ gefreut. Der AfD-Kreisverband in Erding hat der Erdinger Lokalausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ Hausverbot erteilt, weil ihm die Berichterstattung nicht passt – und der Konkurrent, der „Erdinger/Dorfener Anzeiger“, bezieht das Hausverbot aus Solidarität auch auf sich. Ich finde es gut, wenn die Kolleginnen und Kollegen dort so füreinander einstehen, obwohl sie Konkurrenten sind. Das erinnert übrigens an eine ähnliche Aktion unlängst bei einer AfD-Pressekonferenz in Potsdam: Dort haben alle Journalistinnen und Journalisten den Raum verlassen, weil der „Bild“-Kollege keine Fragen stellen durfte. Richtig so!

Welche Homepage können Sie empfehlen?

TED.com – dort gibt es kurze Vorträge von maximal 15 Minuten Länge zu innovativen Ideen aus ganz unterschiedlichen Themengebieten. Übrigens oft auch mit deutschen Untertiteln. Eine gute Seite, um sich zwischendurch mal schnell zu unterhalten und dabei was zu lernen.

Christoph Singelnstein ist Chefredakteur des Rundfunks Berlin-Brandenburg.

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