Zu meinem ÄRGER : Warum an der Kanzlerin abarbeiten?

„Mich beschleicht eine ungute Erinnerung an die Flüchtlingsdebatte“: Die Medienwoche im Blick von Moderator Korbinian Frenzel.

Korbinian Frenzel, Deutschlandfunk Kultur
Korbinian Frenzel, Deutschlandfunk KulturFoto: Deutschlandradio

Korbinian Frenzel ist Moderator und Redaktionsleiter des Mittagsmagazins „Studio 9“ beim Deutschlandfunk Kultur.

Herr Frenzel, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien denn am meisten geärgert?

Über den Verlauf der Corona-Debatten-Kurve. Erst war diese eigenartig-wilhelminische „Ich kenne keine Parteien mehr“-Stimmung (die es in einer Demokratie selbst in der größten Krise nie geben darf). In dieser Woche hatte ich den Eindruck, dass manches Pendel jetzt zu sehr zurückschlägt. Mich beschleicht eine ungute Erinnerung an die Flüchtlingsdebatte. Und wieder ist die Kanzlerin die Figur, an der man sich meint abarbeiten zu müssen. Dabei ist die journalistische Aufgabe recht klar: jeden Tag neu zu bewerten, was gefährlicher ist, das Virus oder die Maßnahmen, die es bekämpfen sollen.

Gab es auch etwas in den Medien dieser Woche, worüber Sie sich freuen konnten?
Ja! Drei Verursacher: der „Reutlinger Generalanzeiger“, die „Magdeburger Volksstimme“ und meine zehnjährige Tochter. Die beiden Zeitungen mit sehr klaren und pointierten Kommentaren zu Merkels „Öffnungsdiskussionsorgien“ – wie gut, dass es in Deutschland nach wie vor qualitativ hochwertige Regionalzeitungen gibt. Meine Tochter, weil sie auf meinen Rat, für ihre Hausaufgabe doch mal bei Wikipedia nachzuschauen, mir liebevoll ermahnend sagte, Wikipedia sei als Quelle wirklich nicht zuverlässig genug. Ein Lob auf die Medienkompetenz der Digital Natives.

Ihre Lieblingsseite im Internet?
Meine schönste Ablenkung gerade: @tussenkunstenquarantaine (zwischen Kunst und Quarantäne) – ein holländischer Kanal auf Instagram, auf dem ganz normale Leute bekannte Kunstwerke nachstellen.

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