Zu wenig Ostdeutsches in der "Tagesschau"? : Mehr Ost-TV = mehr AfD-TV

NDR-Intendant Lutz Marmor sieht Defizite der ARD bei Ost-Themen. Joachim Huber macht eine andere Rechnung auf. Ein Kommentar

Wer Thüringen meint, kommt an Björn Höcke nicht vorbei. Der AfD-Landessprecher wurde zum Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2019 gewählt.
Wer Thüringen meint, kommt an Björn Höcke nicht vorbei. Der AfD-Landessprecher wurde zum Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2019...Foto: dpa

Stimmt das? NDR-Intendant Lutz Marmor sagt, die medialen Interessen der Ostdeutschen müssten stärker im öffentlich-rechtlichen Rundfunk berücksichtigt werden. „Es macht mir große Sorge, dass sich offensichtlich viele Menschen in Ostdeutschland vor allem in den nationalen ARD-Angeboten nicht hinreichend wiederfinden.“

Es gibt eine „Tagesschau“ und knapp 80 Millionen Deutsche. Rund 62 Millionen Deutsche leben in den elf westlichen, an die 16,5 Millionen in den fünf östlichen Bundesländern. Entlang dieser Scheidemarke werden Nordrhein-Westfalen und Bayern immer häufiger in den News auftauchen müssen als Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

Eine Ostquote in den Nachrichten wäre ein gewaltiger Rückschritt; ein fixes Quantum von Rostock nach Zwickau hat immer was von possierlichem „Ossi-Artenschutz“ und ist gegen die Intention von Information gerichtet: senden, was ist, berichten, was wichtig ist. Natürlich liegt hinter der nicht nur vom NDR-Intendanten reklamierten „Mehr vom Osten“-Forderung in der ARD ein Gefühl der Vernachlässigung, wenn nicht der Missachtung: Wir kommen zu wenig vor, und wenn, dann ist der Berichtston zumeist negativ.

AfD wird Deutschland spalten

Da ist was dran, weil da eben was passiert mit Pegida, in Köthen und Chemnitz. Im Sommer und im Herbst 2019 werden in Sachsen, Brandenburg und Thüringen neue Landtage gewählt. In allen drei Ländern ist die AfD auf dem Weg, stärkste politische Kraft zu werden. Das wird ein Thema, eine sehr große mediale Frage werden, ob die unterschiedliche Haltung und Zuwendung zu den Rechtspopulisten Deutschland nicht erneut spaltet – in Ost und in West. Wer darüber in der ARD und anderswo keine Berichte und keine Debatten haben will, der mag sich – wie andere und zu Recht – 2019 nur auf das Großjubiläum „100 Jahre Bauhaus“ in Weimar/Dessau/Berlin freuen. Er geht aber an der Tatsache vorbei, dass eine veritable Zahl an Ostdeutschen mit AfD-Fokus ein Thema setzt, an dem „Tagesschau“ und ARD nicht vorbeisehen können, nicht vorbeisehen dürfen.

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