Ein Atelierhaus zeigt „entartete Kunst“

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Ostseeurlaub : Kühlungsborn ist die Riviera des Nordens
Der Kühlungsborner Jachthafen bei Sonnenaufgang.
Der Kühlungsborner Jachthafen bei Sonnenaufgang.Foto: imago/Westend61

Im Mai veranstaltete die Kunsthalle ihre erste Plein-Air-Woche. Wer Lust und Mut hatte, zog mit einer gestempelten Leinwand oder nur einem weißen Blatt hinaus, malte, zeichnete, aquarellierte und gab das Ergebnis am Abend in der Kunsthalle ab. Ausstellung garantiert. Der Erfolg war bemerkenswert. Besonders beliebt: der Blick von der Kühlung über die blühenden Rapsfelder hinab auf den Ort und das Meer.

Die Kühlung ist jener Höhenzug an der Ostsee, von dem Kühlungsborn seinen Namen hat. Dort lebt in einem großen Haus die Künstlerin Anka Kröhnke zusammen mit den Bildern ihrer Großeltern, deren Eltern und der eigenen. Eine Künstlerfamilie über Generationen, also ein Jahrhundert Kunstgeschichte, wie es sonst kaum gezeigt werden kann. 2004 eröffneten sie ihr Atelierhaus, zweimal jährlich wechseln die Ausstellungen. In diesem Sommer zeigt sie Bilder ihres Vaters Walter Krönke, der mitten in der Nazi-Zeit suggestive, stark rhythmisierte Gegenwelten schuf, für die die Herrschenden nur einen Begriff hatten: „entartete Kunst“. Die Zeit der Kunst und die Zeit des Meeres. Der Einzelne ist nur ein Tropfen darin, und doch hat diese Wahrnehmung etwas Versöhnendes. Wie die des Meeres selbst.

Alles ist wieder da, nur ein wenig anders

Alle anderen überschauen können, definiert den Blick Gottes. Das schöne Haus mit den beiden deplatzierten Strandkörben in der Mitte zwischen Ost und West ist ein Upstaalsboom-Hotel. So heißt, in Kühlungsborn und anderer Küstennähe, der ostfriesische Beitrag zum gehobenen Beherbergungswesen. Von seinem Turm überschaut man die Bäume und Häuser von Kühlungsborn, die nicht in den Himmel wachsen. Außer dem Upstaalsboom natürlich, zumindest ein wenig. Es beruft sich auf seinen Vorgänger von 1907, das sich „Kurhaus“ nennen durfte, obwohl es nur ein Privathotel war: aber eben etwas größer, etwas höher, mit Ballsaal, Konzertgarten, eigenen Geschäften, Damen-, Herren-, Musik- und Lesezimmer und natürlich mit Turm. Das alles ist wieder da, nur ein wenig anders. Wer sonst würde es wagen, Nordseestrandkörbe an der Ostsee aufzustellen?