Abschied von der „Queen“ : So emotional war der Trauergottesdienst für Aretha Franklin

Bei ihrer Trauerfeier wird Aretha Franklin als überlebensgroße Figur gefeiert. Auf der Bühne vermischen sich Soul, Glaube und das schwarze Herz von Detroit.

Johannes Schmidt-Tegge - dpa
Bis auf die Straße sind der Respekt und die Liebe für die Soul-Ikone bei ihrem Trauergottesdienst zu sehen.
Bis auf die Straße sind der Respekt und die Liebe für die Soul-Ikone bei ihrem Trauergottesdienst zu sehen.Foto: REUTERS/Leah Milli

All der Respekt, all die Liebe sind bis weit auf die Straße vor der Kirche zu sehen. Mehr als 100 Fahrer rosafarbener Cadillacs haben ihre Autos vor dem Greater Grace Temple in Detroit aufgereiht - eine von so vielen Gesten in Gedenken an die verstorbene Aretha Franklin, die davon sang, in dem pinken Wagen auf dem „Freeway of Love“ zu fahren. Tausende strömen zum Gottesdienst in den gewaltigen Saal. Sie nehmen Abschied von einer Sängerin, die in der einstigen Autometropole als Königin gefeiert wird.

„Dies wird ein langer Gottesdienst“, sagt Pfarrer Charles Ellis voraus. Es ist tatsächlich ein sattes Programm, das in den zunächst angesetzten fünf Stunden kaum zu schaffen ist: Auftritte von Stevie Wonder, Ariana Grande, Faith Hill, Chaka Khan und 15 weiteren Künstlern und Gruppen. Dazu Reden vom früheren Präsidenten Bill Clinton, Ex-Justizminister Eric Holder, Bürgerrechtler Jesse Jackson und Pfarrer Al Sharpton sowie Familienangehörigen, Freunden und Weggefährten Franklins. TV-Sender übertragen live, ein Radiosender hat sich für ein einwöchiges Sonderprogramm umbenannt in den „Aretha Franklin Tribute Channel“.

Als „unsere königliche Hoheit“, „unsere Königin“, „eine wahre Königin“ wird sie in Reden bezeichnet. Für diese letzte Trauerfeier haben die Bestatter ihr ein goldfarben glitzerndes Pailletten-Kleid angelegt, dazu goldfarbene Schuhe von Designer Christian Louboutin. Es ist ihr inzwischen drittes Outfit in den fünf Tagen, in denen Detroit von der Musikerin Abschied nimmt. „Sie hat einen guten Kampf gekämpft. Nun ist es Zeit, die Königin zu krönen“, sagt Sharpton. Sänger Smokey Robinson, der sie schon als kleiner Junge singen hörte, ist sicher: „Im Engelschor wirst Du eine führende Stimme sein.“

Franklin die Soulsängerin, Franklin die Kämpferin

Franklin bleibt bei diesem Gottesdienst als überlebensgroße Figur in Erinnerung, die nicht nur Soulmusik prägte, sondern auch den Kampf der Frauen- und Bürgerrechtsbewegung vorantrieb. „Durch ihre eigene Stimme hob sie die von Millionen empor“, fasst der frühere Präsident Barack Obama zusammen, von dem ein Brief vorgelesen wird. Franklins Gesang führte sie um die Welt, doch ihre Wurzeln in der Kirche und im schwarzen Detroit, wo sie schon als kleines Mädchen in der Gemeinde ihres Vaters sang, gab sie nie auf.

Auch dort, in der New Bethel Baptist Church, hatten die Menschen am Donnerstag Schlange gestanden, um die Ikone ein letztes Mal zu sehen. Es scheint, als atme die einstige Autostadt Aretha dieser Tage nahezu: Ein Park soll nach ihr benannt werden, vergangenen Sommer wurde bereits eine Straße „Aretha Franklin Way“ getauft. „Ich will sie jedes Mal sehen, wenn ich herkomme“, hatte sie seinerzeit gesagt. „Ich will sie entlangtanzen.“

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Nicht nur Familienangehörige Franklins wischen sich in diesen Stunden Tränen aus dem Gesicht. Aber an passender Stelle gelingt es Pfarrer Ellis, die Trauernden im Saal - rund 4000 Menschen haben hier Platz - zum Tanzen zu bewegen. „Wir sind hier, um diese Familie emporzuheben“, sagt er, als Band und Chor kraftvollen Gospel aufleben lassen. „Wir sind hier, um auf diese Gesichter inmitten des Todes ein Lächeln zu setzen.“ (dpa)

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