Aktionstag „Kids Takeover“ : Jugendliche besuchen Schloss Bellevue

Beim globalen Aktionstag „Kids Takeover“ erzählen für Unicef engagierte Kinder dem Bundespräsidenten, was alles besser werden muss.

Warmer Empfang vor der Tür vom Schloss Bellevue. Foto: Wolfgang Kumm/dpa
Warmer Empfang vor der Tür vom Schloss Bellevue. Foto: Wolfgang Kumm/dpaFoto: dpa

Schon die Begrüßung war ein Erlebnis für die 13 Kinder und Jugendlichen im Alter von 10 bis 18 Jahren, die am vergangenen Mittwoch als „Bundespräsidentinnen und Bundespräsidenten“ im Schloss Bellevue willkommen geheißen wurden. Der eigentliche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau, Unicef-Schirmherrin Elke Büdenbender, wollten sich auf Augenhöhe informieren, was Kinder wirklich bewegt und was sie verändern wollen.

Der globale Aktionstag „Kids Takeover“ fand in 60 deutschen Städten und weltweit in 50 Ländern statt. Steinmeier machte aus seiner Hoffnung keinen Hehl, dass die Jugendlichen, die sich schon früh im Unicef-Beirat engagieren, Verantwortung lernen, um später womöglich auch politische Verantwortung zu übernehmen.

Wo der Bundespräsident lauter Hoffnungsträger für eine bessere Gesellschaft erkannte, hatten manche Lehrer in ihnen zuvor nur künftige Verlierer gesehen – aufgrund ihrer Herkunft.

Bastian, 17, Sohn einer Sozialhilfeempfängerin, erzählte, wie er sich über manches Vorurteil gegenüber seiner vermeintlich faulen Mutter hinwegsetzen und zum Abitur durchkämpfen musste. Auch Berkay aus Hamburg fühlte sich wegen seines türkisch-kurdischen Hintergrundes und seiner bildungsfernen Herkunft oft benachteiligt, setzte aber auch einen positiven Akzent: „Mein Privileg ist es, vielfältig zu sein.“

Da war Jess, 17, kongolesischer Vater, polnische Mutter, der nie Hilfe bei Aufsätzen bekam. Tosca, 17, die aus einer Arbeiterfamilie vom Dorf stammt und nicht das Geld hat, an bildenden Klassenfahrten teilzunehmen. Finja, 14, ebenfalls vom Dorf, fühlt sich wegen der schlechten Verkehrsverbindungen, die auch zu Schulverspätungen führen, um einen Teil ihrer Bildung beraubt.

Felix, 17, aus Malawi hatte es noch schlechter. Täglich musste er vier Stunden Schulweg zu Fuß auf sich nehmen und dann noch nebenbei arbeiten. Jetzt will er Journalist werden, um seine Heimat zu einem besseren Land zu machen.

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Negin, 15, gab zu bedenken, dass 59 Millionen Kinder weltweit keine Schule besuchen. Melina, 18, berichtete, dass viele Kinder sich einbringen wollen, aber nicht wissen, wie. Menschen, die unabhängig vom Unterrichtsstoff Wege aufzeichnen, werden dringend benötigt. Mehr Chancengleichheit, diese Forderung zog sich wie ein roter Faden durch das Gespräch. Lehrer geben Schüler offenbar manchmal zu schnell auf.

Elke Büdenbender zeigte sich beeindruckt von den konkreten Vorstellungen der Jugendlichen zu Verbesserungen, aber auch bedrückt, „dass es immer noch so viele Vorurteile gibt“. Die Impulse will sie zusammen mit dem Bundespräsidenten weitertragen.

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