„Alle haben eine Apokalypse im Kopf“ : Waldbrände an der US-Westküste vernichten ganze Städte

In den Bundestaaten Washington, Oregon und Kalifornien toben weiter riesige Brände. An vielen Orten sind nur noch Ruinen übrig. Weitere Tote werden befürchtet.

Hier stand mal eine Stadt: Die Flammen haben Phoenix in Oregon zerstört.
Hier stand mal eine Stadt: Die Flammen haben Phoenix in Oregon zerstört.Foto: David Ryder/Getty Images/AFP

Die verheerenden Busch- und Waldbrände an der Westküste der USA haben inzwischen ganze Ortschaften verwüstet und in den vergangenen 24 Stunden mindestens acht Menschen das Leben gekostet. Die Behörden warnten am Donnerstag, dass die Opferzahlen in den nächsten Tagen noch steigen könnten, da viele Gebiete komplett von der Außenwelt abgeschnitten sind. Im Bundesstaat Oregon wurden fünf Städte "großenteils zerstört", wie Gouverneurin Kate Brown bekannt gab.

Unter den Todesopfern war ein einjähriges Baby. Der Junge starb nach Polizeiangaben am Mittwoch (Ortszeit) im Bundesstaat Washington, als seine Eltern mit ihm vor den Flammen flüchteten. Die Eltern überlebten schwer verletzt. Im Bezirk Marion in Oregon wurden nach Polizeiangaben die Leichen von zwei Opfern der Feuerkatastrophe gefunden. Lokalmedien zufolge handelte es sich um einen zwölfjährigen Jungen und seine Großmutter.

Auch in Nordkalifornien wurden drei Todesopfer entdeckt. Zuvor waren bereits mindestens acht Menschen in Kalifornien durch die dort seit Wochen heftig wütenden Busch- und Waldbrände ums Leben gekommen.

Von großen Teilen der Stadt Talent in Oregon stehen "nur noch rauchende Ruinen", wie die Einwohnerin Sandra Spelliscy der Nachrichtenagentur AFP schilderte: "Es gibt mehrere Stadtteile, wo kein einziges Gebäude mehr steht, nur noch die Skelette von Schornsteinen oder verkohlten Haushaltsgeräten."

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Die erneute massive Ausbreitung der Brände wird durch eine Hitzewelle und trockenen Wind begünstigt. Hunderte weitere Häuser wurden seit dem Wochenende vernichtet, zehntausende Menschen mussten vor den Flammen fliehen. In der kommenden Woche sollen die Temperaturen endlich sinken, was für eine gewisse Erleichterung sorgen könnte, erklärte die Feuerwehr in Kalifornien.

Die Katastrophe könne sich zum "größten Verlust von menschlichem Leben und Eigentum" durch Busch- und Waldbrände in der Geschichte Oregons auswachsen, warnte Gouverneurin Brown. Auch der Gouverneur von Washington, Jay Inslee, nannte das Ausmaß der Feuer "beispiellos und herzzerreißend". Er machte den Klimawandel für die Brände verantwortlich. Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom erklärte, angesichts der Brände habe er keinerlei Verständnis für Klimawandel-Leugner: "Das hat absolut nichts mit der Realität vor Ort zu tun."

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Apokalyptischer Himmel über San Francisco
Apokalyptischer Himmel über San Francisco

In Kalifornien breitete sich rund 240 Kilometer nördlich von San Francisco breitete sich zuletzt das sogenannte Bear Fire mit rasender Geschwindigkeit aus. Es vereinte sich mit älteren Bränden und bedrohte die Stadt Oroville.

San Francisco und andere kalifornische Regionen erwachten die Menschen unter einem orangefarbenen Himmel. Erzeugt wurde das Phänomen vom Rauch der Brände, der sich mit Nebel vermischte und das Sonnenlicht blockierte - dies erzeugte eine surreal wirkende Szenerie wie in einem Katastrophenfilm.

"Apokalyptisch" beschreiben Anwohner die Stimmung in der Stadt. Starke Winde haben Asche aus den Waldbrandgebieten im Norden Kaliforniens über das Land getragen und den Himmel in der Metropolregion verdunkelt. So ziemlich alle ihre Kunden hätten "eine Apokalypse im Kopf", sagte die Angestellte eines Cafés in San Francisco, Leah Lozano, dem "San Francisco Chronicle". "Das ist eine Metapher für unsere gegenwärtige Notlage."

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Mehr als 170.000 Haushalte waren in Kalifornien ohne Strom, da der Energieversorger PG&E wegen der extremen Waldbrandgefahr in weiten Teilen des Bundesstaates das Stromnetz stilllegte. Nach Angaben der Feuerwehr wurden bereits mehr als 3000 Gebäude in Kalifornien durch die Feuer zerstört.

Am Donnerstag kämpften 14.000 Feuerwehrleute gegen 29 Wald- und Buschbrände an. In diesem Jahr wurde in Kalifornien eine Rekordfläche von mehr als 12.500 Quadratkilometern Land zerstört. Schon jetzt zählen sechs der derzeitigen Brände zu den 20 größten in der Geschichte Kaliforniens, seit Beginn der Aufzeichnungen um 1930. Busch- und Waldbrände haben in Kalifornien in den vergangenen Jahren stark zugenommen, wofür Experten die Erderwärmung mitverantwortlich machen. Beim folgenschwersten Waldbrand der kalifornischen Geschichte waren im November 2018 in Norden des Bundesstaats 86 Menschen ums Leben gekommen. (AFP, dpa)

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