Die Eingriffe sind in den vergangenen Jahren verfeinert worden

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Angelina Jolie ließ sich vorsorglich die Brüste amputieren : Welche Rolle spielen die Gene bei Brustkrebs?

Was gibt es außer der Radikallösung noch für Möglichkeiten, um das persönliche Risiko zu verringern?

Engmaschige Untersuchungen sind für die Gen-Träger (unter denen auch Männer sind) extrem wichtig. In Deutschland steht jeder Betroffenen einmal im Jahr eine Kernspin-Untersuchung zu. Für einige Patientinnen kann es sinnvoll sein, das Medikament Tamoxifen einzunehmen, dessen Wirkung gegen das körpereigene weibliche Hormon Östrogen gerichtet ist. Brusttumoren, deren Zellen an der Oberfläche „Antennen“ für Östrogen tragen, wachsen nämlich unter dem Einfluss dieses Hormons. Tamoxifen führt allerdings oft dazu, dass schon junge Frauen Hitzewallungen und andere Beschwerden wie in den Wechseljahren bekommen. Außerdem sind die meisten Tumoren von Frauen aus der Hochrisikogruppe nicht mit diesen Rezeptoren ausgestattet. Auch durch eine Entfernung der Eierstöcke und der Eileiter kann man Vorsorge treffen. „Dadurch sinkt interessanterweise auch das Risiko für Brustkrebs“, sagt Untch. Jolies Bemerkung „Ich begann mit meinen Brüsten“ lässt vermuten, dass ein weiterer gynäkologischer Eingriff folgen soll, bei dem auch die Eierstöcke entfernt werden. Dieser Eingriff hat allerdings zur Folge, dass die Patientin keine Kinder mehr bekommen kann.

Die Entfernung beider Brüste ist in den Augen vieler trotzdem die radikalste Lösung. Studien zeigen allerdings, dass die Radikallösung das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, in den folgenden Jahren auf nahezu Null senkt. Sie habe sich entschieden, ihr Risiko so weit wie möglich zu verringern, schreibt Jolie. Einige Wochen später sei dem ein zweiter Eingriff zum Einsetzen von Implantaten gefolgt.

Nicht zuletzt dank der Erfahrungen bei Hundertausenden von Brustkrebs-Patientinnen wurden diese Operationen in den letzten Jahren immer mehr verfeinert, sodass die Ergebnisse optisch sehr gut sind und es vielleicht sogar gelingen kann, den Eingriff ein Stück weit zu „vergessen“ . In einigen Fällen werden die Brustwarzen erhalten, in anderen später durch eine Tätowierung ersetzt. Zum Aufbau der Brüste kann später körpereigenes Gewebe verwendet werden, das den Vorteil hat, gut verträglich zu sein. Dafür werden zum Beispiel Lappen von Muskelgruppen an Rücken oder Bauch verlagert. Eine andere Möglichkeit stellen Implantate aus Fremdmaterialien dar, die meist mit Silikon gefüllt sind. Sie können sofort oder im zeitlichen Abstand eingesetzt werden. Beide Verfahren, körpereigenes Gewebe und Implantate, können auch kombiniert werden.

Ein deutsches Register, das über die Häufigkeit der beidseitigen Brustamputationen zur Vorbeugung von Krebs Auskunft geben würde, gibt es nicht. Doch Untch schätzt, dass solche Eingriffe bisher in Deutschland rund 150 Mal gemacht wurden. In den USA und England ist man weniger zurückhaltend. Eine Studie der Uni Manchester aus dem Jahr 2009 belegt, dass von 211 befragten Trägerinnen des BRCA 1 oder 2-Gens sich 40 Prozent für eine Entfernung beider Brüste entschieden, die meisten wollten sie mit einer Entfernung von Eierstöcken und Eileitern kombinieren.

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