Gene können einiges über Krankheiten verraten - aber nicht in allen Fällen

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Angelina Jolie ließ sich vorsorglich die Brüste amputieren : Welche Rolle spielen die Gene bei Brustkrebs?

Warum ist speziell Brustkrebs so besonders angstbesetzt und medial so präsent?

Brustkrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen: Jede zehnte Frau bekommt im Verlauf ihres Lebens einen Tumor in der Brust, aber auch jeder tausendste Mann, was viele nicht wissen. Über 50 000 Frauen bekommen allein in Deutschland jedes Jahr diese Diagnose. Und auch wenn Brustkrebs inzwischen oft schon früh entdeckt wird und weit häufiger heilbar ist als früher: 458 000 Frauen sterben in aller Welt jedes Jahr daran.

Auch andere Krebsformen sind allerdings häufig, von Lunge über Prostata bis zum Darm. Für Darmkrebs gibt es zudem wie für Brustkrebs ein Früherkennungsprogramm, zu dem ab einem Alter von 55 Jahren eine Darmspiegelung im Abstand von zehn Jahren gehört. Beim Darmkrebs gibt es ebenfalls einige Formen, die aufgrund einer genetischen Veränderung in einigen Familien gehäuft vorkommen: Ungefähr fünf Prozent aller Darmkrebserkrankungen gehören dazu. Eine von ihnen führt dazu, dass die Betroffenen schon in jungen Jahren unzählige Polypen auf der Schleimhaut des Dickdarms haben, die als Vorstufen von Krebs gelten. Sie brauchen, ähnlich wie die Trägerinnen des BRCA 1 oder 2-Gens, eine besonders sorgfältige Vorbeugung, zu der auch chirurgische Eingriffe gehören können. Und auch sie brauchen genetische Beratung.

Im Vergleich zu Betroffenen anderer Krebsformen haben Brustkrebspatientinnen und Frauen, die die Krankheit glücklich überwunden haben, schon besonders früh begonnen, sich zu Selbsthilfegruppen zusammen zu schließen. Mehrere Erklärungen für dieses besondere Engagement bieten sich an: Frauen sind generell in der Gesundheitsvorsorge und Früherkennung aktiver, die Krankheit trifft viele in der Lebensmitte – und sie befällt ein Organ, das nicht allein bei Hollywood-Stars eine besondere Symbolfunktion hat.

Was können uns die Gene über Krankheiten verraten?

Gentests geben nur bei einer Minderheit von gesunden Menschen Auskunft über ihr Krebsrisiko. Experten schätzen, dass höchstens zehn Prozent aller Krebserkrankungen genetische Veränderungen zur Ursache haben, die ein Mensch schon mit auf die Welt bringt. Oft ist das schon aufgrund der familiären Häufung der Fälle zu vermuten. Ohne konkrete Anhaltspunkte sollten solche Tests, die auch im Internet angeboten werden, deshalb nicht gemacht werden. Anders sieht es mit der Anwendung molekularbiologischer Methoden aus, wenn die Krankheit schon ausgebrochen ist. Dann erlauben Tests Voraussagen über den Nutzen und die Verträglichkeit bestimmter Therapien oder können über deren Erfolg Auskunft geben.

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