Asien feiert Neujahr : Auf den Hund gekommen

Vorsicht im Hundejahr, warnen die chinesischen Wahrsager. Es könnte vermehrt Naturkatastrophen bringen und auch Reisende sollten achtsam sein.

Ning Wang
Farbenprächtige Dekorationen gehören zum chinesischen Neujahrsfest.
Farbenprächtige Dekorationen gehören zum chinesischen Neujahrsfest.Foto: Bao Kangxuan, Xinhua,dpa

Es gibt möglicherweise den einen oder anderen Chinesen, für den das am Freitag begonnene neue Jahr schon wieder gelaufen sein könnte. Falls er oder sie nämlich in den ersten Tagen etwas gemacht hat, das Unglück bringt: Die Wohnung geputzt etwa, ein Buch gekauft oder die Haare geschnitten. Letzteres bringt der chinesischen Tradition nach Pech, weil das Wort Fa für Haare fast genauso klingt wie das Wort Fa für Wohlstand. Wer sich folglich seine Haare schneidet, entledigt sich auch seines Wohlstands für das nächste Jahr.

Das chinesische Neujahr, das fünfzehn Tage lang gefeiert wird und meistens am zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende beginnt, ist mit zahlreichen Traditionen und abergläubischen Ritualen verbunden. Das beginnt schon beim Essen am Vorabend des Neujahrstages. In einer chinesischen Familie sollte ein ganzer Fisch serviert werden, der nicht komplett aufgegessen werden darf.

Maultaschen für den Wohlstand

Das bedeutet Überfluss und Wohlstand für das neue Jahr. Dann dürfen Maultaschen nicht fehlen, die ihrer Form nach wie Goldnuggets aussehen und daher sicher stellen sollen, dass das Geld im neuen Jahr nicht ausgeht. Wer noch genauer wissen will, wie das neue Jahr wird, das im Tierkreiszeichen des Hundes steht, der geht zu einem der vielen Wahrsager, Astrologen oder Feng-Shui-Meistern um den Wong-Tai-Sin-Tempel in Hongkong.

„Das Jahr bringt viele Ereignisse und Veränderungen mit sich, besonders im Mittleren Osten und Asien wird es konfliktreich“, sagt Herr Lee, einer der Wahrsager nahe des Tempels. Politisch will er sich nicht weiter äußern, er warnt aber, dass man bei der Wahl von Reisezielen achtsam sein müsse. Denn dieses Hundejahr steht im Element der Erde – etwas, das sich nur alle 60 Jahre ereignet – und könnte vermehrt Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüche, Erdbeben oder Erdrutsche mit sich bringen.

Während er der Versicherungsbranche, den Banken und Maschinenbauern ein Jahr auf wackeligem Boden prognostiziert, sollen die Geschäftsaussichten für die Wellness-, Gesundheits- und Schönheitsindustrie steigen. „Wir müssen uns vermehrt um unsere Gesundheit und unser Wohlergehen kümmern, denn im Jahr des Hundes neigen wir öfter zu Krankheiten und Müdigkeit.“

Schlangestehen beim Wahrsager

Bei Herrn Lee stehen in diesen Tagen vor allem Menschen an, die 1946, 1958, 1970, 1982, 1994 und 2006 geboren wurden, also in den vorangegangenen Hundejahren. Zum Beispiel Herr Lau. Er kommt drei Mal in der Woche zu Herrn Lee, öfter als andere Leute zum Pferdewetten am anderen Ende der Stadt fahren, scherzt er. Er muss in diesem Jahr besonders aufpassen. Zwar gelten in Hundejahren Geborene als zuverlässige und treue Mitmenschen, die nicht nur die ihnen aufgetragenen Aufgaben verlässlich erfüllen, sondern auch loyal und ehrlich sind. Doch wird ihnen auch nachgesagt, engstirnig, skeptisch und Unbekannten gegenüber misstrauisch zu sein sowie Trübsal zu blasen, wenn ihnen nicht genug Beachtung zukommt. Im Jahr des Hundes wird es daher öfter zu Streitereien zwischen Menschen kommen, bei denen diese Eigenschaften aufeinander treffen, sagt Lee.

Immerhin verstehen die im Jahr des Hundes Geborenen sich gut mit Zeitgenossen, die im Jahr des Hasen (1951, 1963, 1975, 1987, 1999, 2011) geboren wurden, während es Probleme geben kann mit Partnern, die Hahn, Drachen oder Ziegen sind. Herr Lau hat es doppelt schwer, er ist ein Erdhund und seine Frau im Jahr der Ziege geboren. Es wird eine längere Sitzung werden.

Er kann allerdings nun das ganze Jahr über ein rotes Kleidungsstück tragen. Das wendet das Unglück ab, glauben viele Chinesen. Oder Herr Lau wartet bis zum 5. Februar 2019. Dann beginnt das Jahr des Schweins.

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