Begegnung mit Karl Lagerfeld : "Der höchste Luxus ist, wenn alles perfekt organisiert ist"

Tagesspiegel-Autorin Elisabeth Binder erhielt 1995 eine Privatführung durch das von Karl Lagerfeld gestaltete Berliner Schlosshotel. Eine Erinnerung.

Der Modeschöpfer Karl Lagerfeld sitzt 1994 in einem Zimmer des Schlosshotels Grunewald in Berlin.
Der Modeschöpfer Karl Lagerfeld sitzt 1994 in einem Zimmer des Schlosshotels Grunewald in Berlin.Foto: picture-alliance/ ZB/Hubert Link/dpa

Es war eines der glanzvollen Hotelprojekte in den euphorischen Jahren nach der Wiedervereinigung. Karl Lagerfeld, der am Dienstag verstorben ist, sollte das Schlosshotel im Grunewald nach seinem persönlichen Geschmack ausgestalten. Für ihn war das Hotel „ein neobarockes Geheimratshaus, ein im guten Sinne typisch deutsches Stadtpalais“.

Da war er natürlich auch öfter persönlich präsent, arbeitete unter anderem mit den Familien Albeck und Zehden und Tini Gräfin Rothkirch zusammen. Mit dem Innendesign-Auftrag hat er sich damals ein eigenes Refugium geschaffen. Bei einer Privatführung durch die Räume im Frühjahr 1995 erläuterte er Bilder und Möbelstücke.

Die Gardinen aus weißem Tüll hatte er in Paris fertigen lassen. „Muss man alle zwei Jahre austauschen, aber sehen Sie sich nur den Effekt an“, sagte er. Das Bett war mit altrosa Samt bezogen und hoch, weil es zwei Matratzen hatte. Auf der einen Seite hing eine Ansicht des Potsdamer Platzes, von der er stolz sagte: „Die habe ich in Versailles ersteigert.“ Auf der anderen Seite war Menzels „Tafelrunde“ zu sehen, ein Bild, das er schon als Kind besessen und geliebt habe.

Fröhlich tafeln zwischen Friedrich dem Großen und Voltaire, so hat er sich damals das Leben vorgestellt. Den alten Fritz bewunderte er: „Als Baumeister, nicht als Kriegsherr.“ Den Flur hatte er mit eigenen Fotografien geschmückt und machte aus seinem Stolz keinen Hehl. Viele Gegenstände kamen aus seinen Häusern in Monaco und Frankreich, manches aus seinem Lagerhaus, wo er alles aufhob, was er als Sammler schöner Dinge sonst so zusammentrug.

Die Zusammenarbeit mit dem Perfektionisten war anstrengend

Er hatte eine erfrischende Art zu reden, auf eine sehr hamburgische Art konservativ bodenständig und pointiert zugleich. Die Aussicht vom französischen Balkon gefiel ihm: „Ich liebe Terrassen.“ Seine Vorstellungen, was ein gutes Hotel ausmacht, waren sehr genau: „Gute Betten und guter Room-Service!“

Die eigene Suite sollte damals für 2850 DM pro Nacht auch an Gäste vermietet werde, wenn er gerade nicht in Berlin war. „Privatsachen, Papiere, aber auch die Matratzen kommen in einen Wandschrank und sind in drei Sekunden wieder ausgepackt, wenn ich zurückkomme.“ Von den Gästen hatte er ebenfalls genaue Vorstellungen. Natürlich müssten sie „zivilisiert sein und sollen nicht auf die Gardinen spucken.“

Die Zusammenarbeit mit dem Perfektionisten war wohl nicht immer ganz unanstrengend. Es sei gar nicht leicht, das Sonnenlicht, das in einen Raum fällt, durch künstliches zu akzentuieren, sagte er etwa. Auch, was die Führung des Hotels betraf, waren seine Ansprüche groß: „Der höchste Luxus ist doch, wenn alles perfekt organisiert ist, wenn’s funktioniert wie ein Schweizer Uhrwerk. Das einzige Mittel, heute einen Zauberstab zu haben.“

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