Bottrop in NRW : Heißluftballon verfängt sich in Stromleitung – in 70 Metern Höhe

Nachdem alle Insassen des verunglückten Heißluftballons gerettet werden konnten, folgt nun die Bergung des Ballons – in mühevoller Handarbeit.

Der an einer Hochspannungsleitung verunglückte Heißluftballon wird von einem Höhenretter untersucht.
Der an einer Hochspannungsleitung verunglückte Heißluftballon wird von einem Höhenretter untersucht.Foto: Roland Weihrauch/dpa

Nach der Rettung aller sechs Insassen eines verunglückten Heißluftballons in Bottrop läuft nun die Bergung des Ballons durch Spezialisten - in mühevoller Handarbeit. Sechs Experten arbeiteten am Nachmittag und Abend in 65 Metern Höhe daran, die Ballonhülle von den abgeschalteten Stromleitungen zu holen. Erst danach sollte der Ballonkorb geborgen werden. Die Arbeiten waren aufwendiger als zunächst gedacht. Sie sollten am Montagabend so lange wie möglich fortgesetzt werden. Das Unternehmen ging davon aus, dass sie am Dienstag weitergeführt werden müssen.

Der Heißluftballon hatte sich am frühen Sonntagabend in den Stromleitungen verheddert, der Korb mit sechs Insassen baumelte an der Spitze des Strommasts. Höhenretter kletterten in dem Mast hinauf und sicherten zuerst den Korb, damit er nicht abstürzen konnte. Dann wurden die sechs Menschen, der etwa 70 Jahre alte Ballonpilot und fünf Passagiere im Alter von etwa 20 Jahren, nach und nach abgeseilt. Sie alle kamen wohlbehalten unten an, wurden aber noch vor Ort vom Rettungsdienst untersucht und dann vorsorglich ins Krankenhaus gebracht. Zwei von ihnen erlitten einen leichten Schock. Der letzte Insasse kam erst gegen 23.20 Uhr am Boden an - mehr als fünf Stunden hatte er in dem Korb ausharren müssen. Ein Hubschrauber sorgte nach Einbruch der Dunkelheit mit starken Leuchten für Licht.

Am 30.09.2018 hatte sich der Ballon mit sechs Personen an Bord in knapp 70 Metern Höhe in den Stromleitungen verfangen.
Am 30.09.2018 hatte sich der Ballon mit sechs Personen an Bord in knapp 70 Metern Höhe in den Stromleitungen verfangen.Foto: Roland Weihrauch/dpa

Und die Insassen hatten dabei noch großes Glück: Nur der Ballon mit seiner nicht stromleitenden Hülle, nicht der Korb selbst, kam mit den Leitungen in Berührung. Während der Rettungsaktion wurde der Strom an den Leitungen abgestellt. „Damit wir sicher arbeiten können“, sagte der Feuerwehrsprecher. Es sei aber zu keinen Einschränkungen in der Stromversorgung gekommen. An den Leitungen sei eine Spannung von 380.000 Volt, sagte ein Sprecher des Netzbetreibers Amprion einem „Bild“-Reporter. Das sei lebensgefährlich.

Höhenretter sichern den Korb des verunglückten Heißluftballons.
Höhenretter sichern den Korb des verunglückten Heißluftballons.Foto: Roland Weihrauch/dpa

Am Unfallort war auch eine Mitarbeiterin der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU). Sie wollte noch am Montag mit der Untersuchung des Ballons beginnen. „Wir stehen noch absolut am Anfang“, sagte Behördensprecher Jens Friedemann. Untersucht werde etwa, ob Ballonhülle oder Korb beschädigt seien. Zu klären sei unter anderem, ob es ein technisches Problem gegeben habe, ob etwa der Brenner Probleme gehabt habe. Geprüft werde auch, wann der Ballon zum letzten Mal gewartet wurde. Die Polizei ist nach Angaben einer Sprecherin der Kreispolizei Recklinghausen in die Ermittlungen eingebunden.
Untersucht werde auch, wann der Pilot zuletzt eine medizinische Tauglichkeitsprüfung gehabt habe und wie erfahren er sei. Die Expertin werde sich zudem über die Erkennbarkeit des Masten sowie mögliche Sichtbehinderungen informieren. Befragt werden soll auch der Pilot des Ballons.

Der Unfall hatte Auswirkungen auf den Verkehr rund um die Einsatzstelle: Die betroffene Essener Straße war für die Dauer des Einsatzes in beide Fahrtrichtungen gesperrt. Auch die Abfahrt Bottrop-Süd der A42 war nicht befahrbar. Wie die Deutsche Bahn mitteilte, kam es durch den Unfall auch zu erheblichen Problemen beim Schienenersatzverkehr der S9 zwischen Essen und Bottrop.

Neben Polizei, Feuerwehr und Rotem Kreuz waren auch Kräfte des Technischen Hilfswerks (THW) beteiligt, insgesamt waren 90 Rettungskräfte im Einsatz. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung nahm die Ermittlungen zur Unfallursache auf.

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