Die Vereine sind nicht ganz unschuldig an der Krise

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Das liebste Kartenspiel der Deutschen : Skat soll Weltkulturerbe werden

Fragt man in Horst Schäfers Verein, was getan werden könnte, um das Blatt noch zu wenden, zucken sie die Schultern. Selbst zum Lehrer werden, darin sieht der Ziehsohn keinen Sinn mehr. „Hätte ich Kinder, denen würde ich auch kein Skat mehr beibringen“, sagt Dominik Scholz. Der erhoffte Retter des Skat, er selbst will keiner mehr sein.

Auch deshalb seien die Vereine nicht ganz unschuldig an der Krise, sagt Peter Tripmaker, der Präsident des Deutschen Skatverbands: „Es gibt Vereine, die ruhen sich auf dem aus, was sie haben, und machen keine Nachwuchsarbeit“, rumpelt sein tiefer Bass aus dem Telefonhörer. Im Gegenteil. Wenn jemand Interesse zeige, werde erst mal geprüft, ob der überhaupt gut genug sei. „Viele Skatneulinge hätten auf so ein Schaulaufen und Abwatschen aber verständlicherweise keine Lust. „Da braucht man sich nicht wundern, wenn die Leute wegbleiben.“

1500 Schüler in Schul-AGs

Wie viele Menschen heute in Deutschland noch Skat spielen, weiß niemand. Der Deutsche Skatverband schätzt, dass es hierzulande zehn bis 15 Millionen aktive Spieler gibt, die konkurrierende International Skat Players Association (ISPA) geht von drei Millionen aus. Aber in der Kneipe lachen die Mitspieler von Horst Schäfer auch noch, wenn sie die kleinere Zahl hören. Nachprüfbar sind nur die Mitgliederzahlen des Deutschen Skatverbands. Die sanken seit der Wiedervereinigung von 36 000 auf 26 000.

Lieber als vom Mitgliederschwund erzählt Tripmaker von den 1500 Schülern in Schul-AGs, die sein Verband im vergangenen Jahr unterstützt habe, von den Jugendmeisterschaften, bei denen 250 Kinder gespielt hätten. Er bleibt jedoch realistisch. „Viele werden sich später wieder abwenden, wenn andere Dinge interessanter werden.“ Er ist schon froh, wenn ein Grundstein gelegt wurde. Das Prinzip Hoffnung.

Ausdauer, Detailliebe, Korrektheit

Tripmaker, der den Weltkulturerbe-Vorschlag mit angeschoben hat, rechnet sich gute Chancen aus, dass der Antrag durchkommt. Er rühmt die Vorzüge des Spiels, das nicht nur angeblich deutsche Tugenden wie Ausdauer, Detailliebe und Korrektheit schule („Wer Skat kann, liest auch das Kleingedruckte in Verträgen“), sondern darüber hinaus das soziale Gefüge stärke. „Wo sonst außer am Skattisch treffen ein Hartz-IV-Empfänger und ein Hochschulprofessor gleichberechtigt aufeinander?“

Und zumindest die Attraktivität von Turnieren könnte dank einer Anerkennung durch die Unesco tatsächlich steigen. Weil Skat anders als Schach nicht als Sport gilt, ist es für Veranstalter oft schwer, eine Gemeinnützigkeit nachzuweisen. Die aber würde es Unternehmen ermöglichen, ihr Sponsoring steuerlich geltend zu machen. Wäre Skat Weltkulturerbe, würde Förderung attraktiver und mit mehr Sponsoring würden wiederum höhere Preisgelder ermöglicht.

Ob das reicht? Horst Schäfer zuckt die Schultern. Es ist spät geworden. Er hat seine Apfelschorle ausgetrunken, er will nach Hause. „Das war’s für heute“, sagt er, und es klingt, als verabschiede er sich nicht nur vom Abend, sondern auch von dem Hobby, dem Spiel, einem Teil seines Lebens. „Für die Zukunft sehe ich dunkel“, sagt er beim Aufstehen noch. „Ich hatte schöne Jahre, aber die sind vorbei.“ Dann ist er weg. Verschwunden im Nebel zwischen den Spielautomaten.

Dieser Text erschien auf der Dritten Seite.

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