Panorama : „Die anderen sehen, dass wir zusammengehören“

Die Linden-Grundschule führte als erste staatliche Schule Einheitskleidung ein Kinder, Eltern und Lehrer tragen sie – auf freiwilliger Basis

Annette Kögel

Wenn es nach der kleinen Lea geht, leuchtet an der Linden-Grundschule bald alles in Blau-Weiß: Federmappe und Basecap, Schal und Socken, Shorts und Schlüsselanhänger. Auf einem Bild hat die Grundschülerin die Utensilien nach dem Vorbild der Schulkleidung entworfen. Ganz so weit wird es an der größten Spandauer Grundschule aber trotz Begeisterung für das Schüleroutfit nicht kommen.

Die Linden-Grundschule war die erste staatliche Schule Berlins, die nach den Sommerferien 2006 eine einheitliche Schulkleidung eingeführt hat: ein blaues T- oder Sweatshirt mit weißer Schrift. Wir haben uns in Klassenzimmern und auf dem Hof an der Staakener Feldstraße umgesehen und gefragt, was sich durch die Kleidung verändert hat.

Es fällt auf, dass nicht alle Kinder Blau-Weiß tragen. „Die Shirts sind keine Pflicht, wir haben das auf freiwilliger Basis eingeführt“, sagt Uwe Panzer, Leiter der Schule mit rund 670 Kindern. Im ersten Durchgang haben fast alle Eltern der neuen ersten Klassen die Schulkleidung bestellt. Gerade stoppt ein weiterer Lkw in Staaken – abgeladen werden 77 Kartons mit 700 Kilo in Blau-Weiß. Die Kisten werden in der Schulbücherei gelagert. Ein Drittel der Eltern hat nachbestellt.

„Bildungsstadtrat Gerhard Hanke hat uns finanziell unterstützt“, sagt Susanne Köhrbrück, die selbst das T-Shirt trägt. Sie ist Mutter und hat den Einheitslook initiiert. Ein zinsloser Kredit machte die Großlieferung (T-Shirt: 9 Euro, Sweatshirt 19,50 Euro) der Münsteraner Modefirma Hecker und Hemmrich möglich.

In der Klasse 4c von Lehrerin Jutta Wenzel, die selbst das Linden-Outfit trägt, ist knapp die Hälfte der Kinder eingekleidet. Die Schüler hatten Logo, Farbe und Design selbst entwickelt. „Ich habe das auch an, wenn ich draußen spiele“, sagt die neunjährige Mandy. „Und ich, wenn ich Hip-Hop in der Tanzschule übe“, sagt Renee, 9. Noah hat die Kleidung zu Weihnachten bekommen und ist „ganz stolz darauf. So können die Leute sehen, auf was für einer tollen Schule ich bin“. Johanna sagt, „dass die anderen jetzt auch bei Ausflügen sehen, dass wir alle zusammengehören.“ Dass sich die Kinder über die Einheitskleidung mehr mit der Klasse und der Schule identifizieren und so das Gemeinschaftsgefühl gestärkt wird, war der Grund für die Einführung.

Im Hausaufgabenheft ist am Mittwoch ein blaues Shirt ins Papier gedruckt, denn zumindest mittwochs soll das einheitliche Shirt getragen werden. „Die Einheitskleidung ist aber nur ein Baustein im Gesamtkonzept“, sagt Frau Köhrbrück. Auch in der 4c hängen „drei goldene Regeln“ an der Wand: Ich höre dir zu. Ich tue dir nicht weh. Ich helfe dir.

Manchen ist das zu missionarisch. „Einige Eltern wollen sich nicht vorschreiben lassen, wie sie ihre Kinder zu erziehen und zu kleiden haben“, sagt Susanne Köhrbrück. In der Klasse sagen einige Kinder, die Kleidung sei zu teuer, sie fänden die doof, sie würde ihnen nicht stehen. Dass nicht die gesamte Klasse einheitlich aussieht, sei kein Problem, sagt Pädagogin Jutta Wenzel. Ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstehe trotzdem. Auffällig sei, dass auch viele Außenseiter gern den verbindenden Dress tragen. Bliebe nur ein Nachteil des Blau-Weiß: Lewis, 10: „Wenn ich einen Freund auf dem Schulhof suche, ist das nicht einfach, weil die Kinder alle gleich aussehen.“

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