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„Ehefrauen-Schläger“ gegen „zwanghafte Lügnerin“? : Am Ende wird für Johnny Depp geklatscht

Amber Heard und Johnny Depp lieferten sich einen heftigen Rosenkrieg vor Gericht. Mittlerweile scheint nicht nur die Ehe – sondern auch die Ehre verloren.

Früher mal verliebt - mittlerweile verfeindet: Amber Heard und Johnny Depp.
Früher mal verliebt - mittlerweile verfeindet: Amber Heard und Johnny Depp.Foto: Niklas Halle/AFP

Dass die aufstrebende Schauspielerin Amber Heard und die alteingesessene - und 23 Jahre ältere - Hollywood-Ikone, Johnny Depp, irgendwann mal etwas Nettes zueinander gesagt haben sollen - es scheint unvorstellbar. Vor Gericht hatten sich beide in den vergangenen drei Wochen gegenseitig öffentlich so offensiv denunziert, dass die Verlierer des Prozesses schon feststehen, ohne dass ein Urteil gesprochen wurde: Die Schauspieler haben nicht nur den jeweils anderen - sondern auch sich selbst demontiert.

Heard und Depp lernten sich 2011 bei Dreharbeiten zu „The Rum Diary“ kennen. Vier Jahre später folgte die Hochzeit, ein Jahr danach die Trennung – und schließlich ein heftiger Rosenkrieg. Keinem, in dem es um Immobilien oder Geld geht, sondern um Reputation. Die US-Schauspielerin warf ihrem Ex-Mann vor, sie immer wieder während seiner Alkohol- und Drogenexzesse, misshandelt zu haben – verbal und körperlich.

2016 postete sie eine Selfie von sich mit einem gut sichtbaren blauen Fleck auf der Wange.

Dan Wootton, Chefredakteur der britischen Zeitung "The Sun", bezeichnete Depp 2018 in einem Artikel als "Ehefrauen-Schläger". In dem Beitrag kritisiert er die Schriftstellerin Joanne K. Rowling dafür, dass sie Depp eine Rolle in der Verfilmung von "Fantastische Tierwesen" gegeben hatte. Depp verklagte die Zeitung daraufhin - und um diese Klage geht es noch immer. Am Dienstag wurden die Abschlussplädoyers verlesen.

Das Urteil wird zu einem späteren Zeitpunkt verkündet, ein Datum steht noch nicht fest. Doch sollte die Zeitung recht bekommen, würde indirekt auch Amber Heard beigepflichtet werden.

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Inmitten der #MeToo-Debatte, kurz nach Heards und Depps Trennung, schien der Fall zunächst schnell gelöst: Depp, der sein Käpt'n-Jack-Sparrow-Image nie so richtig ablegen konnte - oder wollte, soll zu den alten weißen Männern gehören, für die Frauen in erster Linie da sind, um abzuliefern: sexuell, fürsorglich und entertainend. Die junge, moderne Amber Heard, die sich auf Instagram besonders gerne mit Büchern ablichtet und für die "Teen Vogue" Beiträge über ihre Homosexualität schreibt, sollte dem alten Chauvinisten zum Opfer gefallen sein.

Drei Verhandlungswochen später haben sich die Klischees jedoch gänzlich umgekehrt: Jetzt ist Heard die "hysterische" Ex-Frau, die Wodkaflaschen nach ihrem damaligen Gatten warf, ihn ins Gesicht schlug und in sein Bett defäkierte, um ihm einen "Streich" zu spielen. Eine ehemalige Angestellte wirft ihr vor, eine Vergewaltigung, von der sie ihr im Vertrauen berichtet hatte, als ihre eigene ausgegeben zu haben.

Frühere Freundinnen pflichten Depp bei

Währenddessen pflichten Depps Ex-Frau, Vanessa Paradies und seine frühere Freundin Winona Ryder ihm via Videobotschaften bei, versichern, dass er sie nie geschlagen habe. Depp selbst berichtet vor dem Gericht von depressiven Schüben. Und ja, einmal sei er gewalttätig geworden und habe im Rausch ein Hotelzimmer zerstört, aber dabei habe er eben nur das Sofa zertrümmert - kein Mensch sei zu Schaden gekommen.

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Seine Alkohol- und Drogenexzessen beschönigt niemand, doch Depp findet auch dafür einen Ausweg: Heard wirft er vor, ebenfalls abhängig zu sein. Auf die Bemerkung der „Sun“-Anwältin Sasha Wass, sie habe halt am Abend zwei, drei Gläser Wein getrunken, sagte Depp: "Eher zwei, drei Flaschen!"

Auch die Öffentlichkeit schein plötzlich auf Depps Seite zu sein: Trotz der schweren Anschuldigung, hatten sich am letzten Prozesstag viele Fans vor dem High Court in London versammelt. Sie überreichten ihm Blumen und riefen dabei Depp, der im grauen Anzug und schwarzen Hemd kam, zu: "Wir lieben dich!" und "Gerechtigkeit für Johnny!".

Depp soll "altmodische Methoden zur Diskreditierung von Frauen" nutzen

Doch im Gerichtssaal schien noch nichts entschieden. In ihren Abschlussplädoyers lieferten sich die Anwälte beider Seiten nochmals scharfe Attacken. Verteidigerin Sasha Wass warf Depp und dessen Anwälten vor, "altmodische Methoden zur Diskreditierung von Frauen" zu verwenden. Sie hätten Heard als "Goldgräberin und Ehebrecherin" dargestellt, die Depp nur geheiratet hatte, um selbst bekannter zu werden. Depp sei "ein hoffnungsloser Süchtiger, der wiederholt seine Selbstbeherrschung und jede Fähigkeit verlor, seinen Zorn einzudämmen." Depps Anwalt David Sherborne bezeichnete Amber Heard hingegen als "zwanghafte Lügnerin".

Fans von Johnny Depp haben sich vor dem High Court in London versammelt, um ihn anzufeuern.
Fans von Johnny Depp haben sich vor dem High Court in London versammelt, um ihn anzufeuern.Foto: Brett Coves/dpa

Die US-Schauspielerin Heard hatte, wie schon zu Beginn der Verhandlungen, das Gericht das Londoner High Court zuvor durch den Seiteneingang betreten. Sie erschien im schwarzen Kleid und an der Hand ihrer neuen Partnerin Bianca Butti. Auf sie warteten den Berichten zufolge, keine Fans mit Teddybären und Blumen.

Wie das erwartete Urteil ausfallen wird, ist noch ungewiss. Sicher ist nur, dass ein weiterer Prozess in den USA folgen wird, denn dort hatte Depp seine Ex-Frau direkt angeklagt, nachdem sie in einem Artikel in der "Washington Post" über ihre Gewalterfahrungen berichtet - allerdings ohne Depps Namen zu nennen.

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