Panorama : Ein anziehendes Thema: Studie zur Schulkleidung

Annette Kögel

„Schulkleidung löst mit Sicherheit nicht alle Probleme in Schule und Unterricht; sie ist aber ein wertvoller Beitrag zur Schaffung von positivem Lernklima und besserer Schulatmosphäre.“ Das ist ein Fazit, das Manuela Paul in ihrer Hausarbeit „Schuluniformen: Managing Diversity oder Vielfalt vereinheitlichen?“ zieht. Die 26-jährige Studentin der Wirtschaftswissenschaften an der Fachhochschule für Wirtschaft gehört zu den vielen Akademikern, die sich mit dem Thema Schulkleidung beschäftigen. Schließlich gibt es in und um Berlin immer mehr Schulen, die sich für gemeinsame Kleidung zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls und Abschwächung des Markenzwangs entscheiden.

In ihrer Arbeit analysiert die Neuköllnerin auch den Modellversuch des Tagesspiegels: Um herauszufinden, was der Einheitsdress bewirkt, startete der Tagesspiegel selbst ein Experiment, welches am 22. Mai 2001 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde und weltweit Beachtung fand.

Bei einer Befragung der Klasse 8a des Steglitzer Willi-Graf-Gymnasiums bestätigten über 70 Prozent der Schüler, dass die Cliquenwirtschaft nachgelassen habe, „über 80 Prozent meinten, die Klassengemeinschaft sei besser geworden“, gibt Manuela Paul die Berichterstattung wieder. Bis heute übrigens wird die betreuende Lehrerin Marianne Strohmeyer von Journalisten und Wissenschaftlern aus aller Welt befragt. Erich Beyler, Lehrer an der zweiten Projektschule, der Heinrich-Ferdinand-Eckert-Hauptschule aus Friedrichshain, sagt, die Projektteilnahme habe Schülern auch bei Vorstellungsgesprächen geholfen.

In ihrer Arbeit untersuchte Manuela Paul auch die Wirkung des Dresses auf die Integration von Schülern anderer Herkunft – hier hat etwa die Max-Dortu-Grundschule in Potsdam positive Erfahrungen gemacht. Auch die Studie von Wissenschaftler Oliver Dickhäuser wird dargelegt – er hatte bei den Schulkleidungspionieren an der Hamburger Schule in Sinstorf geforscht.

In Berlin kann Manuela Paul künftig noch mehr Schulen zum Gemeinschaftslook befragen. Die Grundschule am Vierrutenberg in Lübars will T-Shirt, Sweatshirt und Jacke im Sommer einführen, möglich macht das eine Spende des Unternehmens „Medical Park“ aus Süddeutschland. Die Idee dazu kam der Schule bei Klassenfahrten nach England, da habe man die Schüler besser zusammenhalten können, und Chor und Schulmannschaft trügen ja schon einen Dress, sagt Schulleiterin Heike Böttcher.

„Schulkleidung wird angenommen und ist ein Erfolgsmodell“, folgert auch der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Potsdam, Ingo Senftleben – und plädiert dafür, dass das Brandenburger Bildungsministerium „eine entsprechende Regelung ernsthaft in Erwägung zieht“. Dabei sollte man aber nicht vergessen, so auch die Erkenntnis von Pauls Studie, dass die Einführung und der Erfolg der Einheitskleidung in Berlin bisher auf dem Prinzip Freiwilligkeit beruht.

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