Einmal hingeschaut : Die Türkei - Land der Service-Oasen

Warum funktioniert vieles in der Türkei besser als in Deutschland? Ahmet Refii Dener sinniert über Dienstleistungen hier und dort. Eine Kolumne.

Wie der Blitz - Handwerker in der Türkei.
Wie der Blitz - Handwerker in der Türkei.Foto: Pixabay

Bevor ich zum Thema komme, muss ich Euch mitteilen, dass Herr Erdogan derzeit mit einer Wahlkampftaktik auffährt, die mir geradezu patentwürdig erscheint. Das geht natürlich nur, wenn man Fans hat, die nicht so genau hinhören. Wenn er zum Beispiel sagt: „Wenn ich gewählt werde, dann werde ich …“ – dann tut er so, als hätte in den vergangenen 16Jahren jemand anders regiert. Aber er war’s! Soweit dazu.

Online-Banking geht viel schneller

Im täglichen Leben der Türkei verläuft einiges besser und einfacher als in Deutschland. Die Türkei entwickelt nicht, kauft grundsätzlich das Neueste, was es auf dem Weltmarkt gibt und setzt es dann ein. Die Banken haben nicht nur tolle Online-Banking Anwendungen, sondern arbeiten auch schneller. Zahlt man auf dem eigenen Bankkonto am Geldautomaten ein, ist das Geld sofort auf dem Kontoauszug sichtbar. In Deutschland kann es Tage dauern. Auch kann man, wenn man die Bankkarte vergessen hat, mit den Daten des Personalausweises oder mit einem QR-Code auf dem Smartphone alles erledigen. Du kannst zum Beispiel jemandem Geld schicken, der es sofort von irgendeinem Automaten mit dem Personalausweis oder dem Smartphone abholen kann. Es gibt noch viele Funktionen, die für die Verbraucher besser funktionieren, als anderswo.

Der Servicedienst stand schon vor der Tür

Dass allerdings in einigen Fällen der Service eine Frage des Geldes und der Kosten ist, kann man ebenfalls am Beispiel der Türkei aufzeigen: Die multinationalen Marken wie Siemens, BSH, Miele und andere haben die Türkei – im Gegensatz zu Deutschland – in eine Service-Oase verwandelt.Als ich Geräte dieser Marken in Istanbul kaufte und anschließend noch ein paar Stunden in der Stadt verweilte standen bei meiner Rückkehr nach Hause die Service-Mitarbeiter mit den Geräten schon vor der Tür. Ich staunte nicht schlecht. Anschließend haben sie die Geräte angeschlossen, zum Laufen gebracht, erklärt, wie was funktioniert und beim Gehen noch eine Telefonnummer hinterlassen, die wir anrufen sollten, wenn etwas unklar ist. Wenn noch Fragen wären würden sie noch einmal kostenlos vorbeikommen.

Bedingung: ein Bruttolohn von 369 Euro

Schnell wurde mir klar, dass diese Unternehmen – die ja ihre Mutterwerke und Zentralen in Deutschland haben – diesen Service dort auch gerne bieten würden. Doch die hohen Personalkosten sind der Grund für die „Service-Wüste Deutschland“. Dass man diese in eine Oase umwandeln könnten, wenn die Menschen zu Mindestlöhnen von 369 Euro brutto arbeiten würden, beweisen sie in der Türkei.

Ahmet Refii Dener arbeitet als Türkei-Berater. 2017 ist ARDner, wie sich der Blogger (go2tr.de) nennt, nach Berlin gezogen. Sonntags schreibt er im Tagesspiegel seine Kolumne.

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