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„Es hätte schlimmer kommen können“ : Mindestens 13 Verletzte bei Explosion in Lyon

Nach der Explosion in der französischen Metropole Lyon werden drei Verletzte noch im Krankenhaus behandelt. Die Polizei sucht einen Mann mit Fahrrad.

Eine beschädigte Scheibe am Ort der Explosion in Lyon
Eine beschädigte Scheibe am Ort der Explosion in LyonFoto: AFP/JEFF PACHOUD

Bei einer Explosion in der französischen Stadt Lyon sind am Freitagabend nach Polizeiangaben mindestens 13 Menschen verletzt worden. Darunter ist nach Informationen des Nachrichtensenders BFMTV auch ein achtjähriges Kind. Die Pariser Staatsanwaltschaft teilte mit, Anti-Terror-Spezialisten hätten die Ermittlungen übernommen. Die französische Justizministerin Nicole Belloubet sagte allerdings am Freitagabend dem Nachrichtensender BFMTV: „Es ist zu früh zu sagen, ob man es einen Terroranschlag nennen kann.“ Innenminister Christophe Castaner wies die Präfekten im ganzen Land an, die Sicherheitsmaßnahmen an Orten zu verstärken, an denen sich viele Menschen aufhalten. Das seien etwa Sport- oder Kulturveranstaltungen.

Die Explosion ereignete sich am frühen Abend gegen 17.30 Uhr in einer belebten Fußgängerzone in der Nähe des Bellecour-Platzes im Zentrum Lyons. Die örtliche Präfektur hatte zunächst von mindestens acht Verletzten gesprochen. Die Regierung sei „äußerst schockiert“ über die Tat in Lyon, sagte Belloubet. Der Pariser Anti-Terror-Staatsanwalt Rémy Heitz und Castaner machten sich nach BFMTV-Angaben am Abend in Lyon ein Bild von der Lage.

Der Sender Franceinfo berichtete unter Berufung auf das französische Innenministerium, dass am Tatort ein Beutel oder Koffer, der einen Sprengsatz mit Schrauben enthalten haben soll, explodiert sei.

Die Polizei fahndete am Abend mit einem Foto nach einem Tatverdächtigen. Auf dem Bild ist ein Mann zu sehen, der eine dunkle Sonnenbrille trägt und ein Fahrrad schiebt. Seine Mundpartie ist vermummt. Er trägt kurze, helle Hosen und ein langärmeliges dunkles Oberteil. Es handelt sich um das Standbild der Aufnahme einer Sicherheitskamera. Der Verdächtige soll den Sprengsatz vor einer Bäckerei in der Innenstadt deponiert haben. Das Motiv des Mannes, der laut Medien rund 30 Jahre alt sein soll, blieb zunächst unklar.

Präsident Emmanuel Macron nannte die Explosion in einem Interview des YouTubers Hugo Travers kurz nach dem Vorfall einen „Angriff“. Den Bürgermeister Lyons und ehemaligen Innenminister Frankreichs, Gérard Collomb, hat die Explosion mit mindestens 13 Verletzten in der Großstadt nach eigenen Worten überrascht. In einer ruhigen Stadt wie Lyon habe man nicht mit einem solchen Vorfall gerechnet, sagte Collomb dem Fernsehsender BFMTV am Samstagmorgen, nachdem er von einer Reise aus Japan zurückgekehrt war. Das Geschehene sei sehr schmerzhaft für ihn, so Collomb. Er befürworte die von Innenminister Christophe Castaner angeordneten verstärkten Sicherheitsmaßnahmen für öffentliche Veranstaltungen.

Collomb zufolge werden drei Verletzte noch in einem Krankenhaus behandelt. Zwei von ihnen hätten leichte Verletzungen, einer etwas schwerere erlitten. „Es hätte schlimmer kommen können“, sagte Collomb nach einem Besuch in der Klinik.

Premierminister sagt Wahlkampfabschluss ab

Die Explosion trifft Frankreich kurz vor der Europawahl. Premierminister Édouard Philippe sagte seine Teilnahme an einer Abschluss-Wahlkampfveranstaltung ab, wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichte. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen sprach von einem „terroristischen Anschlag“.

Feuerwehr und Polizei in der Nähe des Explosionsorts in Lyon
Feuerwehr und Polizei in der Nähe des Explosionsorts in LyonFoto: Reuters/Emmanuel Foudrot

Die Hintergründe der Tat waren jedoch zunächst unklar. Frankreich wird seit Jahren von einer islamistischen Terrorwelle erschüttert, dabei wurden rund 250 Menschen getötet. Erst im Dezember hatte der mutmaßliche Islamist Chérif Chekatt in der Straßburger Innenstadt das Feuer eröffnet - es starben letztlich fünf Menschen, zudem wurden zahlreiche verletzt.

Zwei Metrostationen in der Innenstadt geschlossen

Die Explosion ereignete sich bei der Bäckerei in der Straße Victor Hugo an einer Kreuzung in einer Fußgängerzone. Die örtliche Präfektur dementierte am Abend Gerüchte, wonach es weitere Explosionen gegeben haben soll. Zwei Metrostationen in der Innenstadt wurden geschlossen, der Bereich rund um den Tatort abgesperrt. Die Präfektur rief Anwohner auf, sich fernzuhalten und keine Gerüchte zu verbreiten. Man dürfe nun die Bevölkerung nicht aufschrecken, sagte David Kimelfeld, Präsident der Metropolregion Lyon, dem Sender BFMTV.

Augenzeugen der Explosion in Lyon berichteten nach Angaben von Franceinfo von einem lauten Knall. Verängstigte Menschen seien über die Straße gelaufen. Die Polizei war demnach schnell an Ort und Stelle und sperrte den Tatort ab.

Einige der Menschen seien an den Beinen leicht verletzt worden, erzählte ein Apotheker, dessen Geschäft gegenüber der Bäckerei liegt, BMFTV. Die Verletzungen stammten seinen Angaben nach von kleinen Kugeln und Schrauben. Nach der Explosion habe es keine Panik gegeben, sagte Bezirksbürgermeister Broliquier. Es gebe keine Gefahr für die Bewohner des Viertels.

Lyon liegt im Südosten Frankreichs, es ist die Hauptstadt des Département Rhône und der Region Auvergne-Rhône-Alpes und mit mehr als 515.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Frankreichs nach Paris und Marseille. (dpa)

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