Nach der Affäre ist Wulff nur noch ein Schatten seiner selbst

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Update
Ex-Bundespräsident : Christian und Bettina Wulff haben sich getrennt

Ertragen hat sie diese totale Transparenz offensichtlich noch, solange sie an der Seite eines allseits geachteten Staatsmannes stand. Schicke Empfänge, tolle Reisen und das Zusammentreffen mit Berühmtheiten in aller Welt haben ihr das Korsettgefühl eines solchen Amtes, so kann man zwischen Zeilen ihres Buches jedenfalls lesen, erträglich erscheinen lassen. Als schließlich undurchsichtige Privatkredite, zweifelhafte Freunde und Urlaube den Bundespräsidenten in Bedrängnis brachten, wurde es ihr wohl zu viel. Nähe und Vertrauen, diese beiden wichtigsten Begleiter eines Ehepaares in schwierigsten Zeiten, erwiesen sich bei den Wulffs als brüchig. Während der Rücktrittserklärung ihres Mannes am 17. Februar 2012 im Schloss Bellevue stand Bettina Wulff in einem eleganten schwarzen Kostüm mit erhobenem Haupt mit etwas Abstand vor den Kameras und sah fest in die Augen der Journalisten, was viele als Zeichen von Anstand und Klarheit betrachtet haben und was ihr damals viel Respekt einbrachte. Als dieselbe Frau kurz darauf ihr eheliches Innenleben ausführlich zwischen zwei Buchdeckeln präsentierte und sogar über eine Therapie des Paares berichtete, da schien sich das Bild herumzudrehen. Plötzlich wurde aus der geachteten Bettina Wulff die kalt Berechnende. War doch klar, wurde allerorten getuschelt: Die ist weg, wenn der Ruhm weg ist.

Die Causa Wulff
Christian Wulff sorgt auch nach seinem Rücktritt immer wieder für Schlagzeilen: zum Beispiel wenn es um sein Ehrensold oder das Büro mit Mitarbeitern geht.Weitere Bilder anzeigen
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04.03.2012 21:00Christian Wulff sorgt auch nach seinem Rücktritt immer wieder für Schlagzeilen: zum Beispiel wenn es um sein Ehrensold oder das...

Was die Trennung von seiner Frau Bettina und der Zerfall der Familie (beide haben einen gemeinsamen Sohn, Linus) für Christian Wulff bedeuten mag, das kann man sich nur schwer vorstellen. Zu ahnen ist es. Wulff war nie einer, der sein Privatleben unter Verschluss hielt. Am Familienleben mit seiner ersten Frau, beide haben eine gemeinsame Tochter, ließ der damalige Ministerpräsident seine Landsleute ausführlich teilhaben. Zu Homestorys lud Wulff die Journalisten ein, man sah das Rundum-Glück einer heilen deutschen Mittelstandsfamilie. Seine Frau berufstätig, die Tochter ein fröhliches Mädchen, ein nettes Haus im Grünen, Ponys, bunte Blumen. „Der Traum aller Schwiegermütter“, titelten damals die Zeitungen. Ein idealer Landesvater für die Niedersachsen.

Und auch, als Wulff 2006 Bettina Körner kennenlernte, waren die Medien wieder mit dabei. Auseinandergelebt hätten er und seine Frau sich, man gehe in Freundschaft auseinander, werde für die Tochter gemeinsam sorgen, trage sich nichts nach, ließ Wulff verkünden. Strahlend und stolz sah die Öffentlichkeit ihn sein neues Glück genießen. Eine weltgewandte und kluge Frau, schön anzusehen. Erst viel später, während der weitreichenden Veröffentlichungen über das Leben der beiden Wulffs, durfte man ahnen, was er für diese Beziehung wohl in Kauf genommen haben muss. Eine teure Hochzeit, bei der ein vermögender Freund aushalf. Ein ansprechendes Haus in guter Lage, das sich Wulff eigentlich nicht leisten konnte und für das wiederum ein Freund um Hilfe ersucht werden musste. Reisen und Urlaube in kostspielige Hotels. Christian Wulff hat es so deutlich nie gesagt, aber vermuten darf man, wie er sich gestreckt hat, um dieser Frau zu imponieren und ihr ein Leben in Glanz und Gloria zu bieten.

Ein Bild aus glücklichen Zeiten.
Ein Bild aus glücklichen Zeiten.Foto: dpa / picture-alliance

Ein Jahr liegt der Höhepunkt der politischen Affäre Wulff nun zurück. Aus dem Schloss Bellevue schied Mitte Februar 2012 schließlich ein Politiker, der der Vorteilsnahme im Amt verdächtigt wurde, der sich seiner gesamten Reputation und der Integrität beraubt sehen musste – und der bis heute keine Ruhe finden wird, weil immer wieder Debatten um seine Bezüge, seine Dienstwagen und deren Angemessenheit diskutiert werden. Wie schwer dieser Sturz des Politikers Wulff aus größter Höhe den Menschen Christian Wulff getroffen haben muss, davon zeugen seither nur die Bilder, die es von ihm gibt, wenn er dann und wann bei öffentlichen Terminen ins Visier von Fotografen und Kameraleuten tritt. Ein abgemagerter, ein gebeugter, ein mutloser Mann ist darauf zu sehen. Grauhaarig und mit stumpfem Blick.

Ein Schatten des Mannes, der einst im Bundestag mit strahlendem Lächeln den Applaus der Volksvertreter nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten entgegennahm. Und nun steht er auch persönlich alleine da. Ob sie ihn verließ, weil man mit einem wie ihm keinen Staat mehr machen kann, oder ob er sie verließ, weil sie ihn in dieser schweren Zeit nicht stützen konnte? Das alles ist die private Angelegenheit dieses Paares und am Ende für die Öffentlichkeit auch ohne Belang. Man muss sich vielleicht sogar wünschen, dass zumindest diese Intimitäten dort bleiben, wo sie hingehören, in den Kreis der Familie nämlich.

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