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Fehlbildungen bei Babys in NRW : Gesundheitsministerium fordert rasche Klärung

Binnen drei Monaten waren in einer Klinik in Gelsenkirchen drei Kinder mit deformierten Händen geboren worden. Jetzt äußert sich auch das Haus von Minister Spahn.

In der Klinik wurden 2018 mehr als 800 Kinder geboren.
In der Klinik wurden 2018 mehr als 800 Kinder geboren.Archivfoto: Foto: Arno Burgi/dpa

Das Bundesgesundheitsministerium von Jens Spahn (CDU) hat sich zurückhaltend zu den Fällen von Babys mit fehlgebildeten Händen in Gelsenkirchen geäußert. Zu den konkreten Fällen lägen keine Erkenntnisse vor, teilte ein Ministeriumssprecher am Samstag in Berlin mit. „Wenn es eine auffällige Häufung von Fehlbildungen bei Neugeborenen geben sollte, muss das so schnell wie möglich geklärt werden“, erklärte er. Das Ministerium begrüße, dass das betreffende Krankenhaus Kontakt zur Berliner Charité aufgenommen habe.

Jahrelang hatte es keinen einzigen Fall gegeben

Im Sankt Marien-Hospital Buer im nordrhein-westfälischen Gelsenkirchen waren zwischen Mitte Juni und Anfang September drei Kinder mit fehlgebildeten Händen geboren worden. Zuvor hatte es dort nach Angaben der Klinik jahrelang keinen einzigen Fall gegeben. Bei allen drei Kindern sei jeweils eine Hand betroffen. An dieser Hand seien Handteller und Finger nur rudimentär angelegt.

Statistisch würden etwa ein bis zwei Prozent aller Neugeborenen mit einer Fehlbildung unterschiedlicher Ausprägung geboren, wie die Gelsenkirchener Mediziner erläuterten. Extremitätenfehlbildungen könnten während der Schwangerschaft unter anderem durch Infektionen auftreten, seien insgesamt aber selten.

In der Klinik wurden 2018 nach eigenen Angaben mehr als 800 Kinder geboren. Das Krankenhaus hat eine vertiefte Ursachenforschung angekündigt, die allerdings nur mit Einwilligung der Eltern stattfinden könne.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach rief Spahn in der „Bild“-Zeitung dazu auf, „dringend eine Studie in Auftrag zu geben, die systematisch die Daten der Kliniken und die Häufigkeit der Fälle erfasst“. Das Bundesgesundheitsministerium erklärte, Informationen zu Fehlbildungen beinhalteten insbesondere die Perinatalstatistik sowie die Krankenhausdiagnosestatistik. Der Begriff perinatal bedeutet im medizinischen Sprachgebrauch den Zeitraum kurz vor, während und kurz nach der Entbindung betreffend. Ein nationales Fehlbildungsregister existiere nicht.

2017 wurden 6884 Kinder mit Fehlbildungen in Kliniken geboren

Das Ministerium teilte mit, einer Bundesauswertung zur Perinatalstatistik des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen zufolge seien 2017 in Deutschland 6884 Kinder mit Fehlbildungen in Krankenhäusern geboren worden. Damit seien etwa 0,89 Prozent der Neugeborenen von Fehlbildungen betroffen gewesen. Die Perinatalstatistik verzeichnet nach Angaben des Ministeriums die Zahl der mit Fehlbildungen geborenen Kinder, sie beinhaltet jedoch keine Informationen über die Art der Fehlbildung.

Im Sankt Marien-Hospital Buer gab es die Fälle von Handfehlbildungen.
Im Sankt Marien-Hospital Buer gab es die Fälle von Handfehlbildungen.Foto: Marcel Kusch/dpa

Weitergehende Informationen über die Fehlbildungsart enthält demnach die Krankenhausdiagnosestatistik des Statistischen Bundesamtes. Diese gebe Auskunft über die Anzahl der stationären Behandlungsfälle mit spezifischen Diagnosen. Diese Statistik beinhalte allerdings keine Informationen über die Zahl der behandelten Personen, teilte das Gesundheitsministerium in Berlin mit. Das bedeute, ein Kind, das zweimal im Krankenhaus behandelt werde, würde als zwei Fälle gezählt. Zugleich tauchten Kinder ohne stationäre Behandlung in dieser Statistik nicht auf.

Auch NRW-Gesundheitsminister Laumann fordert Klärung

Regionale Daten werden nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums für das Fehlbildungsregister Sachsen-Anhalt und das Geburtenregister „Mainzer Modell“ erhoben. Daten aus beiden regionalen Registern würden an das europäische Register Eurocat gemeldet, das seit 1979 bestehe und derzeit Daten aus 23 europäischen Ländern enthalte.

Auch der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) dringt auf Aufklärung. „Die Berichte über Fehlbildungen bei Säuglingen müssen wir ernst nehmen“, erklärte er in einer Mitteilung. „Hierbei helfen allerdings keine Spekulationen. Vielmehr muss den möglichen Ursachen mit der gebotenen Sorgfalt nachgegangen werden.“ (dpa)

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