Fragen des Tages : Rechter Terror in Hanau und Haftstrafen im Goldmünzen-Prozess – was heute wichtig war

In Hanau hat ein Deutscher neun Menschen mit Migrationshintergrund getötet. Und Grenell wird US-Geheimdienstchef. Die Themen des Tages – inklusive Abend-Tipps.

Teilnehmer gedenken der in Hanau getöteten Menschen bei einer Mahnwache am Brandenburger Tor.
Teilnehmer gedenken der in Hanau getöteten Menschen bei einer Mahnwache am Brandenburger Tor.Foto: dpa/Kay Nietfeld

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Was ist passiert?

  • Rechtsextremer Terror in Hanau
    Im hessischen Hanau hat in der Nacht zum Donnerstag der 43-jährige Tobias Rathjen neun Menschen in zwei Shisha-Bars ermordet und weitere Menschen verletzt. Alle Todesopfer haben einen migrantischen Hintergrund. Der Täter tötete später offenbar auch seine Mutter und dann sich selbst. Mehr und ausführlicher zu den Ereignissen in Hanau, den Reaktionen und Folgen können Sie weiter unten lesen. Die aktuellsten Entwicklungen können Sie hier im Newsblog nachverfolgen.
  • Grenell soll US-Geheimdienstchef werden
    Donald Trump will den US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, zu seinem Geheimdienstchef machen. In Deutschland ist Grenell als Botschafter vor allem durch seine undiplomatische Art aufgefallen, deutsche Politiker haben ihren Frust darüber in der Vergangenheit nicht unbedingt verborgen. Was für Folgen das jetzt haben könnte, kommentiert hier mein Kollege Malte Lehming
  • Milliardär Bloomberg stellt sich erstmals der Debatte
    Bei der TV-Debatte der US-Demokraten in Las Vegas ist zum ersten Mal auch der achtreichste Mann der Welt, der Milliardär und frühere Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg, angetreten. Seine Botschaft: Nur ich kann Trump schlagen. Die Debatte war hart, aggressiv, persönlich, hysterisch, verletzend. Wie sie genau verlaufen ist, hat Malte Lehming hier für Sie aufgeschrieben.
  • Dopen für den Job
    Fast zwei Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland schlucken regelmäßig leistungssteigernde oder stimmungsaufhellende Medikamente – das sind etwa 700.000 Menschen. Dabei sind die Effekte oft nur minimal, die Folgeschäden dafür umso größer. Mehr zu der Problematik weiß hier mein Kollege Rainer Woratschka.
  • Haftstrafen im Goldmünzen-Prozess
    Knapp drei Jahre nach dem Diebstahl der zentnerschweren Goldmünze „Big Maple Leaf“ aus dem Bode-Museum sind drei Männer, allesamt Mitglieder eines kriminellen Clans in Berlin, zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Es wird mit Revision gerechnet. Über den Urteilspruch berichtet hier Kerstin Gehrke.  

Was könnte ich lesen?

Was in der Nacht zum Donnerstag in Hanau passiert ist, nennt ein hochrangiger Sicherheitsexperte gegenüber meinem Kollegen Frank Jansen "den schwersten rechten Anschlag seit der Wiedervereinigung". Es ist auch das Thema, das uns am heutigen Tag am meisten in der Redaktion beschäftigt und das uns sehr betroffen gemacht hat.

Tobias Rathjen hat neun Menschen, seine Mutter und dann sich selbst getötet. Sein Bekennerschreiben ist voll klarer rassistischer Motive. Dass der Mann offensichtlich auch ein Anhänger von Verschwörungstheorien ist, sollte einen nicht in die Irre führen, warnt der Sicherheitsexperte. Der "Mix aus Ausländerfeindlichkeit und Verschwörungstheorien" sei weit verbreitet, von "der AfD und ihren Wählern bis hin zu den Neonazis". Das sei ein "unsägliches Gemisch", das sich rasend schnell über das Internet verbreite.

Unter den Opfern von Hanau sind besonders viele türkischstämmige Menschen. Einer der Verletzten hat einem türkischen Sender über das Attentat berichtet, das er in einem Imbiss knapp überlebt hat. "Er kam rein und hat alle Leute auf einer Seite getötet", erzählt er.

Eine Reportage aus Hanau meines Kollegen Sebastian Leber können Sie in unserem aktuellen Epaper lesen.

Der Anschlag darf nach Ansicht vieler Politiker jetzt nicht „isoliert“ betrachtet werden. „Wir müssen das Gift bekämpfen, das von der AfD und anderen in unsere Gesellschaft getragen wird“, sagt zum Beispiel Norbert Röttgen, der sich um den CDU-Vorsitz bewirbt. Weitere Reaktionen auch aus dem Ausland können Sie hier lesen. 

Einen ähnlichen Tenor hat die Debatte bei uns in der Community. Nutzer Ford_perfect findet: "Ein rechtsradikaler Rassist, jemand der Verschwörungstheorien anhängt, etc. Da fällt es mir schwer zu glauben, dass niemand etwas gewusst haben soll. Hat es tatsächlich keine Warnsignale gegeben? Wieso hat niemand dem Mann die Berechtigung entzogen, Schusswaffen zu führen und die Waffen dann eingezogen?" NutzerIn Daw schreibt: "Die "A"fD stellt Öl und Streichholz bereit, zeigt dann auf die zu Feinden auserkorenen (Türken, Muslime, Linke), und wenn sich ein Irrer findet, der Öl und Streichholz nutzt, hat sie überhaupt nichts mit nichts zu tun." Und DerJoker kritisiert: "Gerade unsere Politiker haben Jahrzehnte tatenlos zugesehen, wie die Rechtsradikalen erstarkt sind, und lediglich Appelle ausgesprochen, wenn es wieder einen Anschlag gegeben hat. In Thüringen haben sie erneut bewiesen, dass sie eher bereit sind, mit Rechtspopulisten zusammenzuarbeiten als mit Mitte-Links-Parteien. Daher empfinde ich Zorn auf diese Gelegenheits-Betroffenen und Sonntagsredner, die die unglaublichen Zustände in Polizei und Militär verharmlosen und lange Zeit einen rechtsaffinen Verfassungsschutz-Chef wie Maaßen geduldet haben."

Wo könnte ich hingehen?

Lieben Sie Pasta? Dann habe ich hier einen Tipp der Kollegin Stefanie Golla vom Checkpoint für Sie: Das Mani in Pasta hat letzte Woche neue Türen mit altbewährtem Konzept in der Reichenberger Straße 125 (U-Bhf Görlitzer Bahnhof) geöffnet – womit diese weiter zur „High End Spaghettistraße“ ausgebaut wird, denn in unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das vielgepriesene ChungKing Noodles (Reichenberger Str. 35). Mehr zum Nudel-Himmel lesen Sie hier.

Gibt es was im Fernsehen?

Heute Abend wird die 70. Berlinale mit großer Gala eröffnet - und 3Sat überträgt selbige seit 19 Uhr 20. Zur Einstimmung können Sie hier ein Porträt von Samuel Finzi lesen, der als Nachfolger von Anke Engelke die Gala moderiert. Und natürlich sind wir auch hier mit einem Liveblog mit dabei, kundig kuratiert von meinen Kolleginnen Inga Barthels und Christiane Peitz

Was sollte ich für morgen wissen?

In die Wahl 2016 gingen die Iraner voller Optimismus: Sie erhofften einen Wirtschaftsaufschwung nach Ende der internationalen Sanktionen und mehr Reformschwung. Vier Jahre danach hat sich die Lage verdüstert. Die USA haben das Atomabkommen verlassen und harte Wirtschaftssanktionen verhängt. Viele junge Menschen sind desillusioniert und wollen die Parlamentswahlen an diesem Freitag boykottieren. Warum die Wut der jungen Iraner weiter wächst, darüber hat Nina Breher hier geschrieben

Zahl des Tages!

18,36Es wäre die erste Erhöhung seit 2009: Der Rundfunkbeitrag zur Finanzierung von ARD, ZDF und Deutschlandradio könnte 2021 von jetzt 17,50 Euro um 86 Cent auf 18,36 Cent pro Monat steigen. Das jedenfalls empfiehlt die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF). Warum das aber nicht unbedingt so kommen muss, erklärt hier Joachim Huber.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Wenn Sie Fragen, Anregungen, Kritik zu diesem neuen Newsletter haben, können Sie mir gerne mailen.

Danke und herzliche Grüße

Ihre

Ruth Ciesinger

Verantwortliche Redakteurin Online

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