Wozu brauchen Frauen noch den männlichen Silberrücken?

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Frauen & Männer : Die milden Kerle unter Druck
Matthias Lohre


Wenn Frauen aber über einen selbst erworbenen, hohen sozialen Status verfügen, wozu brauchen sie dann noch den Silberrücken? Die Journalistin Alexandra Borchardt urteilte vor kurzem in der „Süddeutschen Zeitung“: „Wer zur Steigerung des Selbstwertgefühls einen Erfolgsmann braucht, sollte sich hinterher nicht beklagen, wenn der Mann dann selten daheim und bei den Kindern ist.“
Die Ansprüche von Frauen an Männer und das Bild der Männer von einem Mann – sie beeinflussen einander also. Leider lassen sich Problem und Lösung hier nicht so klar benennen wie im Werbespruch eines Berliner Getränkefachhandels: „Fassbierkummer? Notrufnummer“.

„Kann es eventuell sein“, frage ich Nina, während ich mich wieder setze, „kann es ganz eventuell sein, dass du Peter mit deinen Ansprüchen ein klein wenig überfahren hast?“

„Ach, was. Ich weiß halt, was ich will.“

„Du willst also einen Mann, der alles kann?“, frage ich.

„Na ja, was heißt schon ,alles’?“

„Gutes Aussehen?“ – „Klar.“ – „Manieren?“ – „Natürlich.“ – „Interessanter Job?“ – „Auf jeden Fall.“ – „Sportlich?“ – „Bin ich schließlich auch.“ – „Geld?“ – „Wär’ doch schön.“ – „Dann kenne ich deinen Traummann.“ – „Und der wäre?“ – „Batman.“

Nina guckt demonstrativ gelangweilt auf ihr Handy. Abbruch der diplomatischen Beziehungen.

„Im Ernst“, sage ich. „Ich kenne niemanden, der all deine Ansprüche erfüllt. Die Enttäuschung ist da programmiert. Schuld sind aber nicht nur die Kerle. In ihrer Weisheit hat die deutsche Sprache es längst erkannt: Wer ,ent-täuscht’ wird, hat sich zuvor selbst ,ge-täuscht’.“

„Aha. Und jetzt?“

„Akzeptier’, dass du nicht perfekt bist. Und erwarte nicht, dass dein möglicher Partner alles kann. Dann kannst du den Menschen lieben, der dich versteht und den du verstehst.“

„Geht’s auch ’ne Nummer kleiner?“

„Klar: Wie wäre es mit einem zweiten Date mit Peter? Natürlich nur, falls du ihn sympathisch fandest.“

„Okay, ich überleg’s mir.“ Nina steht auf und greift nach ihrer Tasche. „Aber ich hätte auch nichts gegen eine Affäre mit Batman.“

Als meine gute Freundin das Café verlässt, atme ich tief durch: Zum Glück hat sie mich nicht gefragt, wie bei mir die Dinge mit den Frauen laufen. Anderen Ratschläge zu erteilen, ist schließlich leichter, als sie selbst zu beherzigen.

Nina und Peter wünsche ich viel Glück, wirklich. Neulich habe ich nämlich dieses Interview mit dem Batman-Autor Grant Morrison gelesen. Und der sagt, Batman sei in Wahrheit „sehr, sehr schwul“.


Der Autor hat zum gleichen Thema ein Buch verfasst, das am 21. Februar erscheint: „Milde Kerle“ (Krüger-Verlag, 256 Seiten, 16,99 Euro).


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