Fridays For Future : Protest in Berlin, Greta in New York

Greta Thunberg reist nach New York und zieht alle Aufmerksamkeit auf sich. In Berlin wird Freitags ungeachtet dessen weiter für das Klima gestreikt.

Laurence Gorodiski
Der Protest hat viele Gesichter: Demonstrierende aller Altersklassen bei der Demonstration in Berlin.
Der Protest hat viele Gesichter: Demonstrierende aller Altersklassen bei der Demonstration in Berlin.Foto: REUTERS/Reinhard Krause

Der Protest geht weiter: Wie jeden Freitag versammelt sich im Invalidenpark Fridays For Future Berlin, um gegen den Klimawandel zu demonstrieren. Ungeachtet Greta Thunbergs Reise werden die Klimastreiks am Freitag konsequent weitergeführt. Die Redner und Demonstranten sind, bis auf wenige Ausnahmen, unbekannt – dennoch bilden sie mit tausenden Mitstreitern das Rückgrat der Bewegung.

"Greta hat es gestartet" erklärt Quang Anh Paasch (18) auf die Nachfrage, wie wichtig Greta für die Bewegung sei. Dennoch gäbe es seiner Auffassung nach keine Hierarchie innerhalb von Fridays For Future, in der Greta an der Spitze steht. "Es sollte nicht um Personen gehen", ergänzt Emma (15). Fridays For Future ist ihrer Meinung nach schon seit langem über Greta hinausgewachsen und weitgehend selbstständig. Greta sei unbestritten die Initiatorin der Bewegung, dennoch stören sie und andere FFF-Aktivisten sich daran, dass der Fokus der Medien zumeist auf Greta oder anderen bekannten Gesichtern der Bewegung liegt. "Jede Person die hier steht, ist nicht weniger Fridays for Future als Greta", erklärt Hannah (16). Wie viele andere die an der Demo teilnehmen, unter anderem Luisa Neubauer, ist Hannah schon seit längerem dabei und kennt die Bewegung. Ihrer Meinung nach hatte und braucht jede Bewegung ein oder mehrere Gesichter, die sie repräsentieren. Fridays For Future sei breit aufgestellt und habe viele Gesichter, und so wolle man sich auch der Öffentlichkeit präsentieren. Das Problem läge darin, dass sich die Medien vorwiegend auf Einzelpersonen fokussieren würden.

Wie in Berlin koordinieren sich die FFF Ortsgruppen weitgehend selbstständig. Bei einigen Aktionen, wie zum Beispiel großangelegten Klimastreiks, wird sich dennoch über Online-Kanäle abgesprochen. Nicht jeder stünde mit den Gesichtern der Bewegung ständig in Kontakt, sagt Emma, jedoch würden wichtige Aktionen unter anderem mit Gretas Management abgesprochen werden, vor allem da die Kommunikation mit ihr sich während ihrer zweiwöchigen Atlantiküberquerung eher als schwierig erweisen dürfte.

Während sich FFF Gegner vor allem in den sozialen Medien über Gretas Reise mokieren, zeigt sich Hannah beeindruckt. "Es ist nicht mal eben segeln auf dem Wannsee", sagt sie. Zudem findet sie die Idee cool, den "Langstreckenflug zu umschiffen".

Doch nicht nur Greta hat mit Kritik umzugehen. Auch die jungen Aktivisten im Invalidenpark sehen sich regelmäßig mit Gegnern ihrer Bewegung konfrontiert. Quang Anh Paasch argumentiert in solchen Fällen: "Es geht nicht nur um uns, sondern auch um unsere Eltern".

Der Klimawandel betrifft nun mal jeden, daher verwundert es nicht, unter den vielen jungen Gesichtern am Rande der Demo auch Eltern und Großeltern anzutreffen. Hinter den Sprechgesängen und Hüpfprotesten gegen Kohle und Feinstaub wartet zudem ein noch sehr viel größer angelegtes Vorhaben. Unter #AlleFürsKlima fordert Fridays For Future auf, am 20. September 2019 die Arbeit niederzulegen und mit den Schülern zu protestieren. "Wir fordern die Unternehmen auf, sich daran zu beteiligen und ein Statement zu setzen", so Hannah. Man wolle so an die Unternehmen und Politiker appellieren und sie zum Handeln zwingen. "Die Wege sind nicht unsere Entscheidung", so Quang Anh Paasch. Das konkrete Vorgehen gegen den Klimawandel liegt für ihn ganz klar in der Verantwortung der Politiker.

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