Gewitter über Deutschland : Verhagelter Sommer

Schwere Gewitter ziehen über Deutschland hinweg. Es trifft aber nicht alle. Dafür einige besonders. Was das für den Berliner und Brandenburger bedeutet.

Blitze schlagen während eines Gewitters am Montag in die historische Altstadtkulisse mit der Frauenkirche (l-r), dem Ständehaus, der Hofkirche und dem Hausmannsturm ein.
Blitze schlagen während eines Gewitters am Montag in die historische Altstadtkulisse mit der Frauenkirche (l-r), dem Ständehaus,...Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Es ist ein altes Rätsel. Warum sagen Augenzeugen immer, die Hagelkörner, die sie gesehen haben, seien golfballgroß gewesen? Es gibt einige, die davon abweichen. Die sagen dann, die Hagelkörner seien tennisballgroß gewesen. So war es auch diesmal wieder, in München, beim großen Gewitter am Pfingstmontag. Radargeräte des Deutschen Wetterdienstes erfassten laut einer Mitteilung Hagel mit einer Größe von fünf Zentimetern Durchmesser. Augenzeugen berichteten, dass auf der Autobahn 96 nahe des Ammersees tennisballgroße Hagelkörner niedergingen und reihenweise Autos beschädigten.

Führt die Klimaerwärmung irgendwann dazu, dass fußballgroße Hagelkörner niedergehen? Nein. Die Klümpchen werden beim auf und ab in der hochstehenden Gewitterwolke immer dicker und schwerer, irgendwann können die Aufwinde sie nicht mehr tragen, sie fallen auf den Boden. Selbst die Klimakatastrophe kann die Gesetze der Physik also nicht aushebeln.

Aber die Schäden sind erheblich. Die Gewitter sind vor allem über den Süden und Osten Deutschlands gezogen. In Bayern gab es laut Deutschem Wetterdienst (DWD) dazu Orkanböen von bis zu 120 Kilometern pro Stunde. Hier seien auch die Blitze besonders stark gewesen. In mehreren Orten im Großraum München seien durch den Hagel Autoscheiben und Dachfenster zu Bruch gegangen, sagten Sprecher von Polizei und Feuerwehr. Häuser stünden unter Wasser. Im Stadtgebiet von München wurden rund 550 Einsätze gezählt. Laut Deutscher Bahn kam es zwischen Landshut und München durch Bäume auf den Gleisen zu Einschränkungen. Die Züge konnten jedoch Umleitungen fahren. Deswegen gab es auch im Fernverkehr bis in die frühen Morgenstunden keinen kompletten Ausfall. Bei der Münchner S-Bahn waren laut einer Sprecherin der Deutschen Bahn drei Linien von den Sturmschäden betroffen, auf der Stammstrecke komme es aber zu keinen großen Beeinträchtigungen. Zu leichten Verzögerungen kam es im Güterverkehr zwischen Berlin und Dresden.

Der Waldbrand nahe Jüterbog ist gelöscht

Gelöscht ist der große Waldbrand auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz nahe Jüterbog in Brandenburg: Die sogenannte Großschadenslage wurde aufgehoben, wie der Landkreis Teltow-Fläming mitteilte. Seit Tagen hatten die Einsatzkräfte gegen die Flammen des Großbrandes gekämpft.

Berlin wurde von dem Gewitter weitgehend verschont. Allenfalls am östlichen Rand ging eine nennenswerte Menge Regen nieder, sagte Jürgen Weiß, Meteorologe der Berliner Wetteragentur MeteoGroup am Dienstag. Für die vergangene Nacht waren neue Gewitter vorhergesagt. Dabei sei nur schwer vorherzusagen, wo genau die Gewitter ankommen, sagte Weiß. Es sollte in der vergangenen Nacht eher das westliche Brandenburg getroffen haben. Unklar ist, inwieweit Berlin auch in den kommenden Tagen betroffen sein wird.

Am Mittwoch soll das Wetter in Deutschland nach Angaben des DWD ähnlich wie in den vergangenen Tagen werden: Im Westen ist es wolkig mit lokalen Regenschauern bei 19 bis 23 Grad. Der Osten kriegt mehr Sonne ab, muss sich aber später erneut auf Schauer und Gewitter einstellen. Die Temperaturen liegen zwischen 25 und 33 Grad.

Am Donnerstag und Freitag sinkt dann die Gewitterwahrscheinlichkeit in ganz Deutschland. Die Temperaturen steigen bei einem freundlichen Mix aus Sonne und Wolken. Am Donnerstag werden 22 bis 27 Grad erwartet, am Freitag soll es zwischen 25 und 32 Grad warm sein. „Es bleibt sommerlich“, sagt Weiß, „aber die Wetterlage ist nicht stabil“. (dpa/os)

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