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Haftbefehl erweitert : Münchner Hilfspfleger unter sechsfachem Mordverdacht

Der aus Polen stammende Mann hat an 68 Orten gearbeitet. Die Verabreichung von Insulin hat er zugegeben, eine Absicht zu Töten bestreitet er aber.

Josef Wimmer, Leiter der Münchner Mordkommission, informiert die Presse über den Mordverdacht gegen einen Hilfspfleger.
Josef Wimmer, Leiter der Münchner Mordkommission, informiert die Presse über den Mordverdacht gegen einen Hilfspfleger.Foto: Andreas Gebert/dpa

Ein zu Jahresbeginn in München festgenommener Hilfspfleger steht inzwischen unter sechsfachem Mordverdacht. Der Haftbefehl gegen den Mann sei außerdem um die Vorwürfe des dreifachen versuchten Mordes und der dreifachen gefährlichen Körperverletzung erweitert worden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag in der bayerischen Landeshauptstadt mit. Der Beschuldigte habe die Verabreichung von Insulin an diese zwölf Patienten gestanden, eine Tötungsabsicht bestreite er aber.

Den Ermittlern zufolge konnten inzwischen 68 Örtlichkeiten ermittelt werden, an denen der aus Polen stammende Mann zum Einsatz kam. Überall sei er nur sehr kurz im Einsatz gewesen. Ab April 2017 soll die Tatserie begonnen haben. Der Diabetiker soll seinen zu pflegenden Patienten Insulin verabreicht haben, obwohl dies medizinisch nicht notwendig war. Er soll nur Wochen vorher wegen seiner eigenen Erkrankung über die Risiken und möglichen Folgen einer Unter- oder Überdosierung von Insulin aufgeklärt worden sein.

Der Pfleger habe in seiner Vernehmung angegeben, durch seine Arbeit sehr belastet gewesen zu sein. Deshalb habe er sie auch nie länger ausgeführt und unter einem Vorwand gekündigt.

Morde in Schleswig-Holstein, Bayern und Niedersachsen

Die Morde ereigneten sich in Bayern, aber auch in Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Den ersten Mord soll der Hilfspfleger am 12. April im Landkreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein an einem 77-Jährigen begangen haben. Weitere Morde soll er in den Landkreisen Erlangen-Höchstadt, Tuttlingen, in Hannover, im Landkreis Kitzingen und im oberbayerischen Ottobrunn begangen haben. Die Opfer waren zwischen 66 und 88 Jahre alt.

Als Mordmerkmal gehen die Ermittler von Habgier aus. Der Mann habe gestanden, die Häuser und Wohnungen seiner Patienten immer wieder auf lohnendes Diebesgut abgesucht zu haben. So soll er bei allen seinen Mordopfern auch gestohlen haben. Auch bei 17 anderen Patienten konnte die Polizei im Nachhinein Diebstahl durch den Pfleger feststellen - darunter überwiegend Bargeld und Schmuck, aber auch verschiedenste Haushaltswaren und Lebensmittel.

Die Polizei geht davon aus, dass ohne die Festnahme im Februar "weitere gravierende Straftaten" durch den Mann möglich gewesen wären. Er habe zum Zeitpunkt seiner Festnahme bereits eine neue Stelle in Aussicht gehabt.

Der Mann arbeitete ausschließlich in Privathaushalten

Im Unterschied zu anderen bekannten Fällen von Pflegepersonal, das Patienten tötete, war der Beschuldigte in diesem Fall nicht in Krankenhäusern im Einsatz. Er arbeitete ausschließlich in Privathaushalten. Da der von Agenturen vermittelte Mann in ganz Deutschland im Einsatz war, mussten die Münchner Ermittler über Monate umfassende Fahndungsmaßnahmen organisieren.

Vor dem Landgericht Oldenburg wird seit Ende Oktober gegen den ehemaligen Pfleger Niels H. verhandelt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Missbrauch an Patienten bis zur Todesfolge in 100 Fällen vor. Der bereits wegen anderer Fälle im Jahr 2015 zu lebenslanger Haft verurteilte 41-Jährige soll von 2000 bis 2005 an zwei Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg in Niedersachsen Patienten im Alter von 34 bis 96 Jahren mit Medikamenten zu Tode gespritzt haben. (AFP)

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