Männer und Frauen befinden sich im andauernden Interessenkonflikt.

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Hat die Liebe ein Chance? - Contra : In Zeiten der Gleichberechtigung ist Liebe hoffnungslos
Die Gleichberechtigung bedeutet letztlich das Ende der romantischen Liebe.
Die Gleichberechtigung bedeutet letztlich das Ende der romantischen Liebe.Foto: dpa / picture-alliance

Die Gleichberechtigung mit ihrem Anspruch auf Gleichheit macht Frauen und Männern im wahrsten Sinn des Wortes zu Partnern – zu Verhandlungspartnern. Sie arbeiten zusammen an Gemeinsamkeiten, Zusammenarbeit, Rechten und Pflichten, sie versuchen, Interessengegensätze abzumildern.

Das hat Folgen für das Liebesverständnis. Moderne Paarbeziehungen sind nicht mehr geprägt durch ein romantisches Ideal wie „Der eine für den anderen“. Warum sollte sich eine arbeitende Frau Gedanken darüber machen, wie sie ihren karrierebewussten Gatten kräftigt und für den nächsten Machtkampf in Form bringt? Warum sollte ein arbeitender, den Haushalt zur Hälfte mitführender Mann sich Gedanken darüber machen, wie er seiner Frau, die das Haus, das Familienleben auch nicht mehr als er gestaltet, für eben diese nicht marktkonforme, „nur“ familiäre Arbeit besonders dankt? Beide sind gleich: gleich belastet, gleich gestresst, gleich müde, wenn es um gegenseitiges Interesse und Zuwendung geht. Sie können froh sein, wenn das Aushandeln von Pflichten und die Lösung von Konflikten nach der Koordination von mindestens drei Terminkalendern (ihrer, seiner und der mindestens eines Kindes) wirklich partnerschaftlich verläuft – sprich: gleichberechtigt. Aus Gefühlsfragen sind Managementfragen geworden. Kein Wunder, dass Paarberater derart viel zu tun haben. Die – feministische – Soziologin Eva Ilousz führt in ihrer hinreißend traurigen Studie mit dem passenden Titel „Warum Liebe weh tut“ auf zig Seiten und unter diversen Oberbegriffen aus, warum politische Emanzipation dazu führt, dass Liebesbeziehungen rationalisiert, also mit dem Verstand und der Vernunft betrachtet werden und warum das zum Vertragsdenken der Partner führt und zu einer neuen Kälte zwischen Frauen und Männern, die alle bemerken und viele bedauern.

Liebe braucht das Mysterium – und dafür ist heute weniger Raum denn je. Das Mysterium entsteht aus der Ungleichheit. Denn dort wirken die Anziehungskräfte. Es geht nicht um das gerecht Geteilte, sondern um das dunkle Ungleiche. Mit der romantischen Liebe ist es vorbei. Wir befinden uns in der Phase des Übergangs in die Zeit der gleichberechtigten Bedürfnisbefriedigung. Nichts spricht dafür, dass Frauen und Männer das
gemeinsam hinbekommen wollen.

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