Himmelsphänomen über Norddeutschland : Lichterscheinung war „ziemlich sicher“ Asteroid

Feuerball über Norddeutschland: So beschrieben Augenzeugen am Donnerstag den ungewöhnlichen Anblick.

In der Nacht zum 15.9. sollen Himmelsbeobachter einen Vorbeiflug sehen können – hier eine künstlerische Darstellung.
In der Nacht zum 15.9. sollen Himmelsbeobachter einen Vorbeiflug sehen können – hier eine künstlerische Darstellung.Foto: dpa

Am Himmel über Norddeutschland ist vermutlich ein kleiner Asteroid gesichtet worden. Rund 400 Menschen aus verschiedenen europäischen Ländern hätten am Donnerstagnachmittag einen „Feuerball“ gesehen und einen lauten Knall gehört, bestätigte die Europäische Weltraumorganisation (Esa) das Phänomen. Viele Sichtungen kamen demnach aus den Niederlanden, aber auch aus Norddeutschland.

Laut der ESA handelte es sich um ein natürliches Objekt, das im Raum Oldenburg/Bremen in die Erdatmosphäre eintrat und dann auseinander platzte. „Wir sind uns ziemlich sicher, dass es ein kleiner Asteroid war“, sagte Esa-Experte Detlef Koschny am Freitag. Die Größe des Objektes schätze er auf ein bis zwei Meter Durchmesser.

Auf einer Webseite der International Meteor Organization (IMO) gingen am Donnerstag gegen 14.50 Uhr zahlreiche Meldungen über die Erscheinung unter anderem auch aus Broderstorf, Rostock, Stralsund und Hamburg ein. Zwei Anrufer meldeten sich bei der Polizeileitstelle in Rostock und gaben an, ein helles Objekt am Himmel über Rostock gesehen zu haben, das dann verglühte. Auch bei den Leitstellen in Schleswig-Holstein gingen laut dem Lagedienst in Kiel zahlreiche ähnliche Anrufe ein.

Eine ähnliche Erscheinung war im November 2015 am Himmel über Neubrandenburg gesichtet worden. Mehrere Menschen hatten auch damals die Polizei alarmiert.

Großer Asteroid soll in der Nacht zu Sonntag die Erde passieren

Einen vergleichsweise großen Asteroiden auf dem Weg vorbei an der Erde soll es in der Nacht zum Sonntag zu sehen geben. Der 370 Meter große Brocken fliege mit einem Abstand von rund fünf Millionen Kilometern an der Erde vorbei und stelle keine Gefahr für den Planeten dar, sagte Asteroiden-Experte Koschny. „Spannend sind Asteroiden, die innerhalb der Mondbahn mit bis zu 400.000 Kilometern Abstand an der Erde vorbeifliegen“, erklärte Koschny. Alles, was weiter weg sei, beobachte die Esa nicht.

Der im Jahr 2000 entdeckte Körper „2000 QW7“ stehe deshalb auch nicht auf der sogenannten Risikoliste der Raumfahrtagentur: „Auf der Liste sind nur die Asteroiden aufgeführt, die in den nächsten 100 Jahren theoretisch auf die Erde treffen könnten.“ Das sei bei „2000 QW7“ definitiv nicht der Fall.

Bemerkenswert sei allerdings die Größe des Asteroiden: Wäre er auf der derzeit 880 Asteroiden umfassenden Risikoliste, so würde er sich in puncto Größe in die Top 20 einsortieren. Amateur-Astronomen mit einem durchschnittlichen Teleskop können den Himmelskörper Koschny zufolge bei seinem Vorbeiflug sehen.

Den nächsten sogenannten Flyby des Asteroiden erwarten die Experten im Jahr 2068 - dann ist er mit einer Entfernung von 15 Millionen Kilometern allerdings noch sehr viel weiter von der Erde weg als an diesem Wochenende. (dpa)

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