Am Burger Spreehafen fährt der Kahn doch

Seite 3 von 5
Update
Hochwasser in Deutschland : Deichbruch und Zwangs-Evakuierung: Die Ereignisse des Freitags zum Nachlesen

13.00 Uhr: Der Hafenmeister des Spreehafens in Burg bekam den ersten Anruf um 5.30 Uhr. Ein Tourist wollte wissen, ob am 27. September in Burg noch Hochwasser ist. Kaum hatte sich der Mann von dem Schock erholt, folgten bis 08.00 Uhr weitere 41 Anrufe mit Anfragen zu Prognosen zum zukünftigen Pegelstand. Dabei ist es in Burg im Oberspreewald noch immer problemlos möglich Kahn zu fahren. Am Freitagmittag stieg beispielsweise Manfred Schinz aus Düsseldorf mit seiner Frau und vielen Freunden einem großen Kahn. "Wir hatten eine wunderbare Fahrt bei strahlendem Sonnenschein", sagte er. Eigentlich war die Gruppe mit dem Rad unterwegs. Das einige was die Gruppe bedauert ist, dass sie nicht auf dem Spreedamm zurück nach Cottbus fahren können. Diese ist seit heute Morgen für alle Radfahrer gesperrt.

Die Fährleute in Burg versuchen indessen die falsche Meldung, wonach der gesamte Spreewald vom Hochwasser betroffen ist, zu berichtigen. In Burg und auch in Lübbenau ist das Kahnfahren noch möglich. Spreeabwärts, vor allem im Landekreis Dahme-Spree, ist die aber Situation schwieriger. Der Kahnfährmann Wolfgang Richter, dessen Frau Besitzerin der Gaststätte "Hafeneck" ist, leiht aber am Freitag keine Paddelboote aus. " Man kommt damit zwar die Spree runter. Aber aufgrund der hohen Fließgeschwindigkeit nicht mehr zurück", sagte er.

Der Fährhafen in Alt-Zauche ist im Gegensatz dazu verlassen. Hier, auf dem sogenannten Nordumfluter, ist keinerlei Kahnfahrt mehr möglich.

12.40 Uhr: In Magdeburg steigt das Hochwasser der Elbe deutlich schneller und vermutlich höher als erwartet. Aktuelle Prognosen gingen davon aus, dass ein Höchststand von 7,30 Metern erreicht werden könnte, berichtete Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD). Bislang waren für Sonntag 7,20 Meter erwartet worden. Am Freitagvormittag zeigte laut Trümper in Magdeburg ein Pegel 7,11 Meter, 6,90 Meter waren vorhergesagt. Normal sind für die Elbe in Magdeburg knapp 2 Meter. Der Hochwasserscheitel werde voraussichtlich fünf Tage anhalten.
Diese Zeit durchzuhalten, sei die Herausforderung, sagte der Oberbürgermeister. Um ein Überlaufen eines Deiches am Umflutkanal in Höhe des Ortsteils Pechau zu verhindern, werde er derzeit erhöht und verstärkt. Trümper sagte, es seien für Magdeburg 2000 zusätzliche Bundeswehrsoldaten angefordert worden.

12.30 Uhr: Die vom Hochwasser betroffenen Länder fordern mehr Geld vom Bund und der EU für die Zeit nach der Flut. „Wir werden für die Beseitigung der Schäden und den Wiederaufbau erhebliche Summen benötigen“, sagte Thüringens Regierungschefin, Christine Lieberknecht (CDU), am Freitag im Bundesrat. Die bislang zur Verfügung stehenden Mittel reichten dafür nicht aus. Nötig sei deshalb auch Hilfe von der Europäischen Union. Der Bund und die übrigen Länder seien ebenso gefordert.

12.20 Uhr: Aus Sicht Österreichs hat deutsches Missmanagement beim Hochwasserschutz die Katastrophe verstärkt. Er wolle nicht direkt von Fehlern sprechen, aber: „Ich glaube, es waren langfristige Fehlentwicklungen, die auch teilweise vorher Experten mitgetragen haben“, sagte der österreichische Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) vor dem Treffen der EU-Energieminister am Freitag in Luxemburg. Das Donau-Hochwasser hatte in den vergangenen Tagen eine Schneise der Verwüstung durch Österreich geschlagen. Zahlreiche Orte standen unter Wasser, tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Am Freitag entspannte sich die Lage weiter, in immer mehr Orten begannen die Aufräumarbeiten.

12.05 Uhr: Nachdem in Sachsen-Anhalt viele Menschen wegen des Hochwassers ihre Wohnungen verlassen mussten, hält die Polizei dort verstärkt Ausschau nach Plünderern. Noch sei in keine Wohnung eingebrochen worden, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums in Magdeburg und bestätigte damit einen Bericht der „Magdeburger Volksstimme“ am Freitag. In den besonders stark von den Fluten betroffenen Gebieten an der Saale patrouillierten seit Tagen Polizeikräfte.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!