Bund und Länder fordern mehr Hilfe für die Flutopfer

Seite 4 von 5
Update
Hochwasser in Deutschland : Deichbruch und Zwangs-Evakuierung: Die Ereignisse des Freitags zum Nachlesen

11.50 Uhr: Der Schaden durch die Flut für die deutsche Wirtschaft wird nach Befürchtungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertags DIHK mehr als elf Milliarden Euro betragen. „2002 betrug der durch das Hochwasser hervorgerufene volkswirtschaftliche Schaden rund 11 Milliarden Euro. In einigen Regionen dürfte das Ausmaß der Schäden eher größer sein als 2002“, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer der „Rheinischen Post“ (Freitag). Die Lage sei aber noch zu unübersichtlich, um das Ausmaß der Schäden abschließend beziffern zu können. Wichtig sei jetzt, den Betrieben schnell und unbürokratisch zu helfen.

11.40 Uhr: Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hat an die Versicherungswirtschaft appelliert, den von der Hochwasserkatastrophe betroffenen Menschen den Versicherungsschutz nicht zu verwehren. „Sprechen sie keine Schadensfallkündigung aus“, appellierte Tillich am Freitag im Bundesrat an die Versicherungswirtschaft. „Wir wollen weiter pulsierende Innenstädte“, sagte Tillich mit Blick auf die in Flussnähe liegenden, hochwasserbedrohten Orte. Die DDR habe die Innenstädte verfallen lassen. Es könne nicht sein, dass sich die dortigen Häuser jetzt nicht versichern ließen.

11.30 Uhr: In Tschechien hat sich die Hochwasserlage deutlich entspannt. Die Pegelstände gingen am Freitag kontinuierlich an allen Flüssen im Einzugsgebiet von Elbe und Moldau zurück, wie der Wetterdienst in Prag mitteilte. Der Wasserstand in der hart getroffenen Industriestadt Usti (Aussig) schwankte am Morgen knapp über der Zehn-Meter-Marke. Mit den Aufräumarbeiten kann dort nach Angaben der Behörden frühestens am Sonntag begonnen werden.
Bis im Land alle Schäden beseitigt sind, könnten nach Einschätzung von Präsident Milos Zeman zwei Jahre vergehen. In Prag waren alle U-Bahn-Linien wieder in Betrieb. Stationen am Ufer wurden von den Zügen jedoch ohne Halt durchfahren. Angekündigte Niederschläge bereiteten Sorge. „Die Rückhaltefähigkeit der Landschaft ist praktisch gleich null“, teilte Ministerpräsident Petr Necas mit.
Vielerorts waren Straßen und Zufahrtswege überschwemmt. „Wir sind eine trockene Insel in einem Meer“, sagte die Bürgermeisterin von Theresienstadt (Terezin), Ruzena Cechova, der Agentur CTK. Doch in einem Vorort der früheren Festung standen 50 Häuser rund einen Meter tief unter Wasser.

11.12 Uhr: Der Bundesrat hat seine Solidarität mit den Opfern der Hochwasserkatastrophe bekundet. Die betroffenen Menschen müsstsen schnell und unbürokratisch Hilfe bekommen, sagte der Präsident der Länderkammer, Baden-Württembergs Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne), am Freitag in Berlin. Er dankte den Einsatzkräften und freiwilligen Helfern, die seit Tagen gegen die Wassermassen ankämpfen. „Ihr Einsatz ist Ausdruck gelebter Solidarität“, betonte Kretschmann.

Hochwasser in Deutschland
Das Hochwasser geht, der Schaden bleibt. Wie hier auf der Bundesstraßee 188 bei Kabelitz (Sachsen-Anhalt).Weitere Bilder anzeigen
1 von 443Foto: dpa
27.06.2013 21:23Das Hochwasser geht, der Schaden bleibt. Wie hier auf der Bundesstraßee 188 bei Kabelitz (Sachsen-Anhalt).

11.00 Uhr: Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund will für die Opfer der Hochwasserkatastrophe in Ost- und Süddeutschland mindestens 100 000 Euro spenden. Laut Vereinsangaben von Freitag werden der BVB und seine Stiftung „leuchte auf“ einen Teil der Eintrittsgelder vom Saison-Eröffnungsspiel am 6. Juli der Kinderhilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“ überreichen.

10.48 Uhr: Die Hochwasserlage in der Stadt Bitterfeld in Sachsen-Anhalt hat sich am Freitagvormittag zugespitzt. In Lautsprecherdurchsagen wurden die Menschen aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Der Katastrophenstab warnte davor, dass große Wassermassen aus einer Bruchstelle an einem Damm am Seelhausener See zuerst in den Goitzschesee und dann in die Stadt strömen könnten. Bundeswehrhubschrauber werfen aus der Luft Sandsäcke auf den gebrochenen Damm, um die Lücke wieder zu schließen.

10.45 Uhr: An der bayerischen Donau bleibt die Hochwasserlage kritisch. Im Raum Deggendorf stand das Wasser am Freitagmorgen bei 7,60 Meter, durchweichte Dämme drohten zu brechen. In Passau meldete die Stadt hingegen weiter leicht zurückgehendes Wasser. Wie der bayerische Hochwassernachrichtendienst berichtete, registrierten noch 41 von 239 bayerischen Pegeln Hochwasser. Vor allem an der Donau in Niederbayern blieb es bei der höchsten Meldestufe 4.

10.35 Uhr: Das Hochwasser der Elbe ist in den ersten sächsischen Städten auf dem Rückzug. In Dresden wurden niedrigere Wasserstände gemessen, gleichzeitig bedrohte die Flut weiterhin Häuser und Deiche. In der Landeshauptstadt musste am frühen Freitag ein Teil der Leipziger Straße gesperrt werden, da ein Haus einzustürzen drohte. „An dem Mehrfamilienhaus wurden Risse festgestellt, Statiker sollen es heute untersuchen“, sagte ein Stadtsprecher. Die niedrigeren Pegelstände stimmten zwar optimistisch, die Situation an den zum Teil durchweichten Deichen sei aber weiterhin problematisch. Am Donnerstag hatte die Elbe in Dresden bis zu 8,76 Metern erreicht, am Freitagmorgen stand sie bei 8,60 Metern. Normal sind knapp zwei Meter. Nach Angaben des Innenministeriums wurden in Sachsen bisher rund 16 000 Menschen in Sicherheit gebracht. Der hohe Wasserstand könne noch vier bis fünf Tage anhalten, hieß es.

10:25 Uhr: In Mühlberg (Elbe-Elster) hofft man weiter, dass der Scheitel heute Mittag erreicht wird und dass der Fluss nicht, wie befürchtet, die 10-Meter-Marke ansteigt, sondern sich unterhalb der Deichunterkante stabilisiert. Allerdings wird auch dieser hohe Wasserstand einige Stunden, wenn nicht einige Tage anhalten. Es wird gehofft, dass die Deiche nicht weichen. Eine Entwarnung gibt es daher für Mühlberg noch nicht.

10.10 Uhr: An der Schwarzen Elster bei Herzberg wurden bereits zwei defekte Deichabschnitte notdürftig repariert. Trotzdem droht immer noch ein Wohngebiet zu überfluten. Auch in Bad Liebenwerda ist die Gefahr der Überschwemmung noch nicht vorüber.

09.50 Uhr:  In Ungarn steigt der Wasserstand der Donau weiter an. Bei Nagybajcs unweit der Grenze zu Österreich wurde in der Nacht zum Freitag ein Pegelstand von 8,79 Metern gemessen. Damit lag dieser um vier Zentimeter über dem bisherigen, im Jahr 2002 gemessenen Höchststand, berichtete die Nachrichtenagentur MTI unter Berufung auf die Landeswasserbaudirektion OVF. Die Scheitelwelle des Donau-Hochwassers soll den Berechnungen zufolge am Freitag in Ungarn eintreffen und am Wochenende die Hauptstadt Budapest erreichen.

Bereits seit Tagen sind tausende Soldaten und freiwillige Helfer im Einsatz, um Dämme und Uferanlagen mit Sandsäcken zu verstärken und mobile Schutzdämme zu errichten.

09.40 Uhr: Die Situation in Cottbus (Spree) ist weiterhin kritisch. Derzeit gibt es an den Deichen der Spree 27 gefährdete Stellen. Die Stadtverwaltung hat alle Bürger dazu aufgerufen die Uferbereiche zu meiden. Dort bestehe Lebensgefahr. Viele Brücken in der Stadt sind gesperrt. Eine zusätzliche Gefahr geht von dem Treibgut in der reißenden Spree aus.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!