In dänischem Dokumentarfilm : Erfinder Madsen gesteht U-Boot-Mord an Journalistin

Während des Prozesses hatte er die Tat geleugnet. Jetzt hat der bereits zu lebenslanger Haft verurteilte Peter Madsen gestanden, Kim Wall getötet zu haben.

Der Tatort: Polizei untersucht das U-Boot des dänischen Ingenieurs Peter Madsen. (Archivbild)
Der Tatort: Polizei untersucht das U-Boot des dänischen Ingenieurs Peter Madsen. (Archivbild)Foto: dpa/Ritzau Foto/Jacob Ehrbahn

Der wegen der Ermordung der schwedischen Journalistin Kim Wall zu lebenslanger Haft verurteilte dänische U-Boot-Bauer Peter Madsen hat die Tat gestanden. In einem am Mittwoch ausgestrahlten Dokumentarfilm antwortete Madsen am Telefon auf die Frage, ob er die junge Frau im August 2017 getötet habe, mit "Ja". "Es gibt nur einen Schuldigen, und das bin ich", fügte er hinzu, nachdem er während des gesamten Verfahrens die Tat bestritten hatte.

Die Richter hatten es aber als erwiesen angesehen, dass Madsen die schwedische Journalistin Kim Wall im vergangenen Sommer an Bord seines selbstgebauten U-Bootes „Nautilus“ brutal gefoltert und getötet habe. Danach soll er die Leiche der 30-Jährigen zerteilt und sie ins Meer geworfen haben. Das Urteil sei einstimmig gefallen, sagte die Richterin.

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Die junge Journalistin Kim Wall war am 10. August 2017 für ein Interview mit dem in Dänemark bekannten Erfinder Madsen in seinem U-Boot auf den Øresund, die Meerenge zwischen Dänemark und Schweden gefahren. In der Nacht meldete ihr Freund sie als vermisst. Am nächsten Vormittag tauchte die „Nautilus“ auf, sank dann aber. Die Retter fischten nur Madsen aus dem Wasser. Teile von Walls Leiche - Kopf, Torso, schließlich Beine und Arme - fand man in den kommenden Tagen und Wochen im Meer.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Madsen Wall im U-Boot fesselte und mit spitzem Werkzeug auf sie einstach. Dann schnitt er ihr womöglich den Kopf ab. Die genaue Todesursache konnte allerdings nicht festgestellt werden. Weil man Stichwunden unter anderem in den Geschlechtsteilen fand, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass Madsen Sex-Fantasien auslebte. Der 47-Jährige dagegen beschrieb einen tragischen Unfall, bei dem Wall im U-Boot erstickt sei. Bis zum Schluss betonte er im Prozess, er habe sie nicht vorsätzlich getötet.

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U-Boot-Bauer gesteht Zerstückelung von Kim Walls Leiche
U-Boot-Bauer gesteht Zerstückelung von Kim Walls Leiche

Vor Gericht kamen immer wieder auch grausige Details über den in Dänemark als exzentrischen Erfinder bekannten Madsen zu Tage. So zeigte die Staatsanwaltschaft Videos echter Hinrichtungen, die Madsen auf einer Festplatte gespeichert hatte. Zeugen sagten aus, der 47-Jährige sei vom Tod fasziniert gewesen und habe vom perfekten Verbrechen geträumt. Madsen, so die Anklage, soll bei seiner Tat eine Sex-Fantasie ausgelebt haben.

Madsen selbst bestritt sowohl den Mord als auch sexuellen Missbrauch. Der Tod der 30-Jährigen sei ein tragischer Unfall gewesen, sagte er. Am letzten Prozesstag betonte er, alles, was geschehen sei, tue ihm „sehr, sehr leid“. Experten hatten Madsens Erklärung vor Gericht als unwahrscheinlich eingeschätzt. Auch Psychologen halten ihn für extrem unglaubwürdig und schwer gestört, jedoch nicht für krank.

"Abgesehen vom 10. August 2017 habe ich noch nie jemandem etwas getan", sagte der 49-Jährige nun im ersten Teil einer Dokumentarserie mit dem Titel "Geheime Aufnahmen mit Peter Madsen". Die Serie basiert auf mehr als 20-stündigen Telefongesprächen mit Madsen, die ohne sein Wissen aufgezeichnet wurden. Madsen autorisierte jedoch später die Verwendung der Aufnahmen für die Dokumentation. (AFP, Tsp)

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