Keine Werbung für Brunei : Unternehmen protestieren gegen Todesstrafe für Homosexuelle

Brunei verhängt die Todesstrafe auf gleichgeschlechtlichen Sex. Das empört nicht nur Aktivisten – auch Unternehmen und Promis beteiligen sich an dem Protest.

Antonia Mayer Markus Lücker
Menschenrechtsaktivisten bei einer Demonstration in London gegen die verschärften Strafgesetze gegen Homosexuelle in Brunei
Menschenrechtsaktivisten bei einer Demonstration in London gegen die verschärften Strafgesetze gegen Homosexuelle in BruneiFoto: Sophie Hogan/PA/AP/dpa

Hunderte haben sich für eine Demonstration vor dem Londoner Luxushotel Dorchester versammelt. „Steinigt einen von uns und ihr legt euch mit uns allen an“, steht auf einem der Protestschilder, der Slogan #BoycottBrunei auf anderen. So ist es auf Fotos von den Protesten vom Samstag zu sehen. Anlass ist ein neues Gesetz in dem muslimisch geprägten Kleinstaat in Südostasien. Dieses stellt gleichgeschlechtlichen Sex unter Todesstrafe. Vergangenen Mittwoch trat die Regelung in Kraft. Wo bislang mit zehn Jahren Haft zu rechnen war, droht Männern nun der Tod durch Steinigung, Frauen müssen weiterhin die bisherigen Haftvorgaben fürchten oder können alternativ durch 40 Stockhiebe bestraft werden. Andere neue Gesetze sehen eine Amputation der Hand bei Dieben und die Todesstrafe bei Ehebruch vor.

Das Dorchester in London gehört der staatlichen Brunei Investment Agency (BIA). Zum Ziel der Proteste wurde es, nachdem Schauspieler George Clooney zu einem Boykott gegen Hotels im Besitz der BIA aufgerufen hatte. Auch Organisationen und Unternehmen haben sich der Kritik am Sultanat angeschlossen. Die Verkehrsbehörde Transport for London teilte mit, keine touristischen Werbekampagnen für das Sultanat und seine Airline Royal Brunei an Bahnhöfen und Haltestellen zu zeigen. Zuvor hatte Tom Copley, Mitglied der Londoner Versammlung, über Twitter einen Brief an Londons Bürgermeister Sadiq Khan geschrieben, der auch Vorsitzender der Behörde ist. Laut dieser sei das Thema „von umfangreicher öffentlicher Sensibilität und Kontroversität geprägt, sodass die Werbung entfernt werden wird“.

Bundesregierung und EU kritisierten die neuen Strafen scharf

Die Berliner Verkehrsbetriebe haben bislang noch keinen derartigen Boykott angekündigt. Für die Werbeflächen bei den Haltestellen und Bahnhöfen in Berlin sei die Werbefirma Wall zuständig. Laut der Pressesprecherin Petra Nelken arbeite man mit dieser Werbefirma gut zusammen. „Wenn wir als BVG Werbung als rassistisch oder sexistisch empfinden, weisen wir die Firma Wall deutlich darauf hin.“ Dies sei schon öfter vorgekommen. Wie es mit Tourismuswerbung für Brunei aussehe, da sei der BVG im Handlungsraum eingeschränkt. Die Firma Wall war bis Redaktionsschluss nicht für ein Statement zu der Frage erreichbar, wie sie die Platzierung von Werbung aus Ländern handhabe, die Menschenrechte verletzten. Unsicher sei laut Unternehmen jedoch, ob überhaupt Anzeigen für Brunei in Fahrzeugen und auf Haltestellen zu finden seien.

Die deutsche Bundesregierung und auch die EU kritisierten die neuen Strafen scharf. Einige der Strafen bedeuteten „Folter oder grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung“ von Menschen. Damit verstoße Brunei gegen die UN-Antifolterkonvention, die es im Jahr 2015 unterzeichnet hatte. Weiter hieß es in der Erklärung, die EU erwarte, dass die Todesstrafe in Brunei auch künftig nicht vollstreckt werde.

Thyssen-Krupp: „Wir glauben nicht an Abschottung, sondern an Dialog.“

Unterstützung bekommt der Boykott auch von deutschen Unternehmen. Die Deutsche Bank rief ihre Mitarbeiter dazu auf, die neun Hotels der Dorchester Collection zu meiden. „Die von Brunei eingeführten neuen Gesetze verletzen grundlegende Menschenrechte. Es ist unsere Pflicht als Unternehmen, uns gegen Menschenrechtsverletzungen zu stellen“, sagte Vorstandsmitglied Stuart Lewis. Anders sieht es bei Thyssen-Krupp aus. Der Essener Industriekonzern baut aktuell eine Düngemittelfabrik in Brunei. Auf Anfrage der „Bild“-Zeitung sagte ein Sprecher: „Wir glauben nicht an Abschottung, sondern an Dialog.“ Man begrüße jedoch die Bemühungen der Bundesregierung, auf die politische Führung von Brunei einzuwirken.

Das vom Boykott betroffene Hotel distanziert sich von jeglichen Vorwürfen. Auf seiner Website verkündet die Dorchester Collection, dass Inklusion, Diversität und Gleichheit Grundwerte der Dorchester Collection seien: „Wir tolerieren keine Form der Diskriminierung, das haben wir nie und werden wir nie.“ Weder die Brunei Investment Agentur noch die Royal Brunei Airlines äußerten sich zu den Aussagen. (mit AFP)

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